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Kultur

Beziehungen in einer sensationslüsternen Gesellschaft

10.06.2007 | 03:55 Uhr

Dortmund. Der Narr Rigoletto ist eine gespaltene Persönlichkeit. Am Hofe des Herzogs von Mantua unterhält der körperlich Behinderte mit schamlosen Scherzen und bissiger Ironie und setzt sich mit zynischer Grausamkeit und Überheblichkeit über seine Umwelt

Zuhause behütet er eine abgöttisch geliebte Tochter, will sie fernhalten von seiner absurden Berufswelt. Christine Mielitz beendete mit einer Inszenierung von Verdis Dreiakter "Rigoletto" die Spielzeit und erhielt dafür geteiltes Echo: in den herzlichen Schlussapplaus mischten sich für sie auch einige Buhs.

Mielitz macht auf den zeitlosen Aspekt des Stücks aufmerksam. Die verzweifelte Vater-Tochter-Beziehung, das ausschweifende Suchen des Herzogs nach Sex in einer morbiden, sensationslüsternen Gesellschaft, die jungmädchenhaft aufblühende, bedingungslose Liebe Gildas für den Herzog, die bis in den Opfertod führt - und der Fluch eines unglücklichen Vaters, mit dem die Tragik Rigolettos ihren Lauf nimmt. Große Emotionen drängen über die Rampe, in ihren Kontrasten, ihren Unwägbarkeiten, ihren innigen Momenten, ihrer tiefen Tragik.

#11Hartmut Schrödorfer entwirft eine bewegende Szenerie aus leichten, durchsichtigen Wänden, die sich zu Straßenschluchten, Gebäuden und geschlossenen Räumen verschieben lassen. Licht und Farbe und harte Scheinwerfer verleihen mythischen Glimmer, lassen in ihnen das Geschehen spiegeln. Die Mordkneipe des Sparafucile im modernen Outfit betont, wie die Kostüme Renate Schmitzers, die Aktualität, die Mielitz immer wieder grell und effektvoll zur Schau stellt #11In der Ouvertüre bringt sie ins Bild, was Rigoletto seiner Tocher über die Mutter erzählt: "Jener Engel... Sie hatte Erbarmen mit meinem Leiden. Sie liebt mich aus Mitleid." Und am Ende, in der schaurigen Mordnacht, gibt sie Rigoletto auf schwarzer leerer Bühne bildmächtig der Verzweiflung anheim. Bisweilen verliert sie mit kleinen Gags die große Linie, stellt sehr beweglichen, wuseligen Bildern Momente großer Ruhe gegenüber. Zeigt die Charaktere offen und profilsicher, lässt Gefühle leidenschaftlich ausleben. Dabei bringt sie auch den Chor in Bewegung und leitet das schauspielerische Talent der Solisten in ausdrucksvolle Bahnen.

Simon Neal ist ein noch jugendlich wirkender Hofnarr und umreißt sein Schicksal von der Narrenpose zum fluchbeladenen und absoluten Verlierer mit anrührender Intensität, liebevoll, bösartig, rachedurstig, zerrissen in seinen Gefühlen. Und er bewältigt seinen enorm fordernden Part mit stimmlicher Kraft. Charles Kim verleiht dem Herzog Leichtfertigkeit und eine gute Portion Frivolität sowie - in der Liebe zu Gilda - einen Funken menschlicher Qualität. Seiner ausladenden Tenorstimme gibt er mitunter unnötig Nachdruck. Sylvia Koke ist als Gilda zerbrechlich, beweglich und von gewinnendem Liebreiz, sie singt vorsichtig und mit sauber perlenden Koloraturen. Eklhart Wycik verwaltete mit den Dortmunder Philharmonikern Verdis glühende Partitur mit ausgeprägtem Klangsinn, läddt zeitweise italienischen Verdi-Glanz und beeindruckende Theatralik aufleuchten. Termine: 14., 17., 22. Juni. Karten: 0231 / 50-27222.

Von Sonja Müller-Eisold

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