Bewegender Abschied von Günter Grass

Lübeck..  Mit einer wehmütigen und politischen Gedenkfeier hat Deutschland Abschied von Günter Grass genommen. Knapp vier Wochen nach seinem Tod gedachten in Lübeck 900 Gäste aus Kultur, Politik und Gesellschaft des Literaturnobelpreisträgers. Grass war am 13. April im Alter von 87 Jahren gestorben.

Der Hauptredner, US-Autor John Irving, würdigt Grass als einzigartig. „Es gibt keine Schriftsteller mehr – keine wie ihn.“ Grass habe immer verlangt, man müsse zornig bleiben. Nicht nur in dieser Hinsicht nehme er seinen Freund Günter Grass als Vorbild. Irving erinnerte an den Spielzeughändler aus der „Blechtrommel“, von dem die Hauptfigur Oskar Matzerath seine Trommeln bezog: „Günter Grass war der König der Spielzeughändler. Jetzt hat er uns verlassen und alles Spielzeug aus dieser Welt mitgenommen.“

Unter den Gästen waren auch zahlreiche SPD-Spitzenpolitiker. Grass hatte die Sozialdemokraten lange unterstützt, besonders Willy Brandt. SPD-Vorsitzender Sigmar Gabriel betonte, Grass habe bis zuletzt sein Prinzip der „kritischen Solidarität“ gelebt. „Er hat mir immer wieder Ratschläge gegeben, auch ungebeten.“ Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte: „Er war für mich ein kluger und sehr kritischer Ratgeber.“ NRWs Regierungschefin Hannelore Kraft bekannte: „Mir fehlt der Mensch Günter Grass.“