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Bettmann-Archiv - Schatzkammer der Fotografie

Zur Zoomansicht 20.12.2009 | 08:51 Uhr
Michael Jackson und Paul McCartney 1983 bei gemeinsamen Aufnahmen in einem Tonstudio in Hollywood. © Corbis/Bettmann
Michael Jackson und Paul McCartney 1983 bei gemeinsamen Aufnahmen in einem Tonstudio in Hollywood. © Corbis/Bettmann

Essen. Rund elf Millionen Bilder umfasst das legendäre Bettmann-Archiv. Viele davon haben sich ins kollektive Bildergedächtnis der Welt eingeprägt - von Mahatma Gandhis Lächeln bis zu Marilyn Monroes wehendem Rock. Ein dicker Bildband führt in diese "Schatzkammer der Fotografie".

In zwei großen Überseekoffern hat Otto Bettmann sie gerettet. Als der jüdische Kunsthistoriker 1935 aus Nazi-Deutschland in die USA emigrierte, nahm er die Negative mit, die den Grundstock seiner Fotosammlung bilden sollten. Einen ausführlichen Blick in die prallgefüllte „Schatzkammer der Fotografie – Das Bettmann Archiv“ ermöglicht der große, kiloschwere Bildband, den der Düsseldorfer Feymedia Verlag herausgegeben hat.

Die berühmte Innenansicht der Grand Central Station, eines der New Yorker Banhöfe, ziert den Titel des Bildbandes "Schatzkammer der Fotografie". © Corbis/Bettmann

Um zu diesem Bilderschatz aus dem 19. und 20. Jahrhundert zu gelangen, geht’s erstmal Untertage. Susanne Mendack erzählt von den 30 Kilometer asphaltierter Straßen im ehemaligen Kalksteinbergwerk im US-Bundesstaat Pennsylvania. Dort vermietet die Firma Iron Mountain Archivplatz: an die US-Regierung etwa, die hier militärische Dokumente einlagert, an das Hollywood-Studio Metro Goldwyn Mayer, das hier wertvolle Originale aufhebt, an Universal Music oder BMG, die hier ihre Musik-Archive sichern. All das ist im Iron Mountain geschützt vor Einbruch, Diebstahl, Hochwasser, Feuer, und die 70 Meter dicken Kalksteinschichten machen diesen Ort zu einem der erdbebensichersten der Welt.

Bill Gates kaufte das Archiv auf

Hier wird das Bettmann Archiv aufbewahrt. Millionen Fotos und andere Abbilder, von denen sich viele in das kollektive Bildgedächtnis der Welt eingeprägt haben: Albert Einstein, der die Zunge rausstreckt, etwa, Marilyn Monroe, der die Luft aus dem U-Bahnschacht den Rock hochpustet oder die Arbeiter, die das Rockefeller Center bauen und ihre Mittagspause in schwindelerregender Höhe – und in Seelenruhe - auf einem Stahlträger verbringen.

Der Eingang des Bettmann-Archivs im ehemaligen Bergwerk in Pennsylvania ist mit zwei großen Stahltüren gesichert. © Max Maxen Photography

Bis 1960 bewahrte Otto Ludwig Bettmann, ein gebürtiger Leipziger, abertausende Negative, Abzüge und Kontaktbögen in seiner Wohnung in Manhattan auf. 1981 verkaufte er den fotografischen Schatz, der noch weiter gewachsen war, an die Kraus Thomson Corporation, von der Microsoft-Milliardär Bill Gates ihn schließlich für seine Bildagentur Corbis erwarb. „Gates’ Bestreben war es, das fotografische Vermächtnis zu bewahren und es über den Weg der Digitalisierung allen zukünftigen Generationen zugänglich zu machen“, schreibt Mendack. Die Washington Post kommentierte es etwas pointierter: „Erst wollte er die Zukunft kontrollieren, jetzt will er auch die Vergangenheit besitzen“.

Auf jeden Fall sind die Bilder im Bergwerk gut aufgehoben. Um den Verfall durch chemische Prozesse zu stoppen, werden sie kalt gelagert: der größte Teil auf 1000 Quadratmetern bei 7,2 Grad und 35 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit. Fünf Millionen der rund elf Millionen Bilder sind bislang gesichtet, rund 250.000 digitalisiert, und die wichtigsten in Kühlschränken bei Minus 20 Grad untergebracht – Einstein, die Wolkenkratzer-Bauarbeiter und Marilyn zum Beispiel. Was passiert, wenn die Fotos nicht gerettet werden, sieht man an dem Bildnis des Schriftstellers und Sklaverei-Gegners Frederick Douglass: An den Rändern ist die Fotografie aus dem 19. Jahrhundert schon vom Essigsäure-Syndrom zerfressen.

Audrey Hepburn herzt den Oscar

Audrey Hepburn erhält am 25. März 1954 den Oscar als beste Hauptdarstellerin für den Film "Ein Herz und eine Krone". © Corbis/Bettmann

Spannend ist das, was man über dieses Archiv lernen kann, groß das, was man zu sehen bekommt. Präsident John F. Kennedy in Dallas, wenige Minuten vor dem Attentat. Mahatma Gandhi mit Lächeln und Nickelbrille. Al Capone mit breitem Grinsen und dicker Zigarre, Picasso mit Brigitte Bardot, ein strubbeliger Albert Schweitzer, die rehäugige Audrey Hepburn, die 1954 ihren gerade gewonnen Oscar herzt und Louis Armstrong mit Marika Rökk bei den Dreharbeiten zu „Die Nacht vor der Premiere“.

Berühmtheiten ist ein Kapitel gewidmet, Städten ein weiteres: Viele Bilder führen zurück ins alte New York, in die bildschön vom Licht durchflutete Grand Central Station, die’s auch aufs Cover geschafft hat, in Einwanderer-Viertel, durch Straßenschluchten und ganz nach oben auf die Wolkenkratzer. Im Kapitel Politik wird die Bedeutung des Archivs als Bildgedächtnis besonders deutlich – mit Fotos, auf denen etwa der Kniefall Willy Brandt am Mahnmal des Warschauer Ghettos festgehalten ist oder der salutierende, drei Jahre alte John F. Kennedy Jr. am Tag der Beerdigung seines Vaters. Dazu gibt’s Bilder aus Wissenschaft und Technik - von der in einem Feuerball explodierenden Hindenburg bis zum Astronauten James Irwin, der auf dem Mond vor der US-Fahne salutiert.

  • Susanne Mendack: Schatzkammer der Fotografie. Das legendäre Bettmann-Archiv, 304 Seiten, zweisprachige Ausgabe Deutsch/Englisch, 78 Euro.

Foto oben: Arbeiter auf einem Stahlträger beim Bau des Rockefeller Centers am 29. September 1932. © Corbis/Bettmann

Monika Idems

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