Bester Tanz in Dortmund und in Düsseldorf
06.02.2012 | 20:14 Uhr 2012-02-06T20:14:00+0100
Dortmund/Düsseldorf. Xin Peng Wang und Martin Schläpfer sind die markantesten Choreographen in NRW. Der eine mag kein Handlungsballett, ist aber Kult, der andere hat demnächst „Schwanensee“ im Angebot und gilt trotzdem als großer Experimentator.
Neapolitanische Tänze und ländliche Gesänge – daneben Elektronik-Avantgarde, die Träume und Alpträume der Menschen beschwören sollen. Krasser könnte der Kontrast der Stile nicht sein, den das Dortmunder Ballett am kommenden Sonntag, 12. Februar, im Opernhaus aufeinanderprallen lässt. Zum neuen Abend „Träumer. Tanzen. Lieder“ gehören Stücke des Italieners Mauro Bigonzetti, der bereits vor einigen Jahren mit seiner „Ommagio à Bach“ in Dortmund Furore machte, und vom europaweit gerühmten internationalen Choreographen Christian Spuck. Vor einigen Jahren war er in Essen als Aalto-Ballettchef und Nachfolger Martin Puttkes im Gespräch, heute leitet er die Züricher Kompanie. Statt auf Avantgarde setzten Essens Kulturpolitiker damals auf Nummer Sicher und wählten den Entertainment-Spezialisten Ben van Couwenbergh.
Dass man mit internationalem Maßstab und künstlerisch anspruchsvoller Choreographie auch ein großes Publikum erreichen kann, beweisen derzeit in NRW nur noch zwei: Xin Peng Wang seit 2003 in Dortmund und, seit 2009, Martin Schläpfer in Düsseldorf/Duisburg.
Der gebürtige Schweizer verwandelte mit seinem extrem athletisch trainierten Ballett am Rhein in nur einer Saison die Rheinoper in ein Ballett-Mekka, in das Fans aus ganz Europa reisen. Kein Choreograph in Deutschland brachte in so kurzer Zeit so viele Uraufführungen – meist zu zeitgenössischer Musik – heraus wie der 52jährige Schläpfer, den Kritiker 2010 zum Choreographen des Jahres kürten. In seinen minimalistisch durchnummerierten Tanzabenden („b.1“ bis derzeit „b.11“) bietet Schläpfer meist drei Kreationen – seine eigenen, aber ebenso die von Altmeistern wie Hans van Manen und von jungen Talenten wie Teresa Rotemberg.
Kein Handlungsballett
Obwohl er Handlungsballette wie Schwanensee und Dornröschen, die auf eine jahrzehntelange Rheinopern-Tradition zurückblicken, bislang konsequent ablehnt, sind Schläpfer-Abende besser besucht als Opernvorstellungen, genießen fast Kultstatus. Sein erster Gehversuch als Opernregisseur – mit Rameaus „Castor und Pollux“- indes überzeugte nur wenig.
Xin Peng Wang, der mit 21 Tänzerstellen noch nicht einmal über die Hälfte der Rheinoper (49 Stellen) verfügt und mit nur 743 000 Euro pro Jahr subventioniert wird, ist zwar nicht ‚Kult’. Aber er und seine Truppe müssen sich nicht hinter Schläpfer verstecken. Wangs Angebot umfasst sogar ein breiteres Spektrum: Neben seinen experimentellen Projekten im Ballettzentrum Westfalen (Westfalenpark) erregen besonders die Ballett-Galas (einzigartig in NRW) Aufsehen: Startänzer aus New York, London und Paris sorgen jährlich für weltstädtisches Tanz-Flair in Dortmund. Internationale Klasse lässt sich bestaunen in Stücken von Gast-Choreographen wie William Forsythe – oder ab 12. Februar von Christian Spuck und Benjamin Millepied, den Wang nach Dortmund engagierte, lange bevor er Ehemann von Hollywood-Star Natalie Portman wurde. Anders als Schläpfer webt Wang geschickt auch tradierte Handlungsballette in sein Repertoire ein. So kreierte er im November mit „Fantasia“ – nach Musik von Modest Mussorgski - ein märchenhaftes Familien-Ballett, bei dem u.a. Monica Fotescu-Uta und Mark Radjapov hehre Ballett-Technik mit Ausdruckstanz verbinden.
Schwarzer Schwan
Und demnächst lockt Wang mit „Schwanensee“, ein Repertoireschlager, auf den Fans am Rhein vergeblich warten. Noch im Frühjahr wird der chinesische Chefchoreograph seine 2005 entstandene Fassung des traditionellen Tschaikowski-Märchens um den weißen und schwarzen Schwan rundum aufpolieren. Karten für die Premiere am 1. Mai sollte man bald bestellen.
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