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Geschichte

Berliner Coup mit Calvin

01.03.2009 | 00:23 Uhr
Berliner Coup mit Calvin

Berlin. Die einzige Ausstellung zum 500. Geburtstag des Reformators Johannes Calvin findet im Deutschen Historischen Museum statt.

Nicht im calvinistischen Epizentrum Genf, nicht bei den Calvinisten in den Niederlanden - in der deutschen Hauptstadt ist ab sofort die einzige große Ausstellung zum 500. Geburtstag des Reformators Johannes Calvin zu sehen. Ausgerechnet in Berlin, wo längst die Mehrheit der Bevölkerung konfessionslos ist.

 Hans Ottomeyer, Stiftungspräsident des Deutschen Historischen Museums, freut sich über den doppelten Coup: Calvin jetzt ausgerechnet in Deutschland gratulieren können und dann auch noch eine unmögliche Aufgabe gelöst zu haben. Denn: Was soll man bei diesem Bilderstürmer, diesem strengen Moralisten und spröden Prediger eigentlich zeigen? „Calvinismus - das ist ein Thema, das alle Sinnenfeindlichkeit vereint, das man vielleicht verstehen kann, aber doch nicht anschauen”, fasst Ottomeyer die bekannten Reflexe zusammen.

Reformierte Minderheit

Doch, man kann: Bis zum 19. Juli zeigt das Deutsche Historische Museum die epochenübergreifende Schau „Calvinismus. Die Reformierten in Deutschland und Europa” - mit sprachgewaltigen Gemälden, Dokumenten, Alltagskunst und liturgischem Gerät.

Unter den deutschen Protestanten sind die Nachfolger Calvins, die „Reformierten”, heute in der Minderheit. Nur zwei von 22 evangelischen Landeskirchen sind reformiert. In Berlin, wo heute die Protestanten mit rund 25 Prozent immerhin noch die größte religiöse Gruppe ausmachen, standen sich über Jahrhunderte das calvinistische Herrscherhaus der Hohenzollern und eine mehrheitlich lutherische Gemeinde gegenüber. Bereits zu Beginn der 19. Jahrhunderts regte jedoch der Theologe Friedrich Schleiermacher an, im preußischen Staatsgebiet die beiden protestantischen Kirchen in einer Union zu vereinigen. Dabei war der Calvinismus nie Staatsreligion wie die lutherische Glaubensrichtung - sondern stets eine übernationale Bewegung: Bestens geeignet für Gläubige auf der Flucht, für Gemeinden ohne staatliches Patronat, für bedrohte Minderheiten, Vertriebene, Exilanten. Ein Glaube, der versicherte: „Ihr versteht Euer Schicksal nicht, aber es ist Gotteswille”, so Ottomeyer.

Dass es „Wahlverwandtschaften” gibt, zwischen dem Calvinismus mit seiner strengen Selbstdisziplin, mit Leistungsethos und Nützlichkeitscredo und dem Geist des modernen Kapitalismus, hat der Soziologe Max Weber in seiner Schrift über den Zusammenhang zwischen Religion und Wirtschaftskraft zu beweisen versucht. Auch von einer anderen Verwandtschaft ist beim Blick auf Calvins Lebensweg immer wieder die Rede: Von der Nähe zwischen Verfolgungsschicksal, religiösem Reformeifer und gewaltsamen Fundamentalismus. Gegen den Justizmord an dem freidenkerischen Wissenschaftler und Theologen Michael Servetus - er starb 1553 im calvinistischen Genf auf dem Scheiterhaufen - hatte Calvin jedenfalls nichts einzuwenden.

Calvinistische Propaganda

Calvin als Erfinder des Kapitalismus? Calvin als protestantischer Inquisitor? Die Debatte läuft noch immer. Unumstritten scheint aber: Die Calvinisten haben die religiöse Landschaft in ganz Nordeuropa verändert und sie haben auch die Kunst beeinflusst.

Parallel zur Verbannung von Gnaden- und Heiligenbildern aus den Kirchenräumen blühte vor allem in den Niederlanden der Markt mit Alltagsmotiven, Stilleben und Familienszenen auf. Einige davon sind bloß volksmoralisch aufgeladen, einige sogar kirchenpolitisch brisant: Susanna van Steenwijcks „Innenansicht einer gotischen Kirche” von 1639 etwa zeigt, wie sich ein paar Männer mit Hut, Hund und Waffen zwischen den Kirchenbänken lümmeln. Ein Affront gegen die alte Lehre, gegen klerikale Rituale. Ottomeyer: „Das ist blanke calvinistische Propaganda.”

Julia Emmrich


Kommentare
31.03.2009
23:00
Berliner Coup mit Calvin
von Heinrich Heitmann | #1

Es ist die alte Suche nach einem gnädigen Gott. Calvin hat es neben Luther verstanden die Bibel nicht zur Geisselung und Erpressung der Menschen zu nutzen, z. B. Ablassbriefe, sonden ihnen die Liebe Gottes groß zu machen, nicht durch Gesetzes Werke und eigene Leistung, sondern durch das große Erlösungswerks Jesu Christi am Kreuz von Golgartha, der durch sein Leiden und Sterben und seiner Auferstehung der Sünde und dem Tod die Macht genommen hat. Joh 3,15
15 damit alle, die sich im Glauben ihm zuwenden, durch ihn ewiges Leben bekommen. Joh. 3,16 ff Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben.
5,24; 1Joh 4,9-10
17 Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.
12,47; Lk 19,10
18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht verurteilt werden. Wer aber nicht an den einzigen Sohn Gottes glaubt, über den ist wegen seines Unglaubens das Urteil schon gesprochen.
12,48
19 Und so vollzieht sich das Urteil: Das Licht ist in die Welt gekommen, aber die Menschen lieben die Finsternis mehr als das Licht. Denn alles, was sie tun, ist böse.
1,5; 8,12
20 Wer Böses tut, scheut das Licht und bleibt lieber im Dunkeln, damit niemand seine Taten sehen kann.
Eph 5,11-13
21 Wer aber die Wahrheit Gottes liebt und das tut, was er will, der tritt ins Licht! An ihm zeigt sich: Gott selber bestimmt sein Handeln. hh

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