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Berlinale 2013

Berlinale zeigt, es gibt heute keine Provinz mehr

17.02.2013 | 15:00 Uhr
Berlinale zeigt, es gibt heute keine Provinz mehr
Regsisseur Calin Peter Netzer mit dem Goldenen Bären.Foto: Andreas Rentz

Berlin.   Kommt denn der gegenwärtig beste Film der Welt wirklich aus Rumänien? Und die beste Schauspielerin aus Chile? Zeigt sich die herausragendste Regie-Leistung in einem Zwei-Personen-Stück, und spiegelt sich das bemerkenswerteste Drehbuch wirklich in einem geradezu klaustrophobischen Kammerspiel?

Kommt denn der gegenwärtig beste Film der Welt wirklich aus Rumänien? Und die beste Schauspielerin aus Chile? Zeigt sich die herausragendste Regie-Leistung in einem Zwei-Personen-Stück, und spiegelt sich das bemerkenswerteste Drehbuch wirklich in einem geradezu klaustrophobischen Kammerspiel?

Müssen wir angesichts der Preisverleihung bei den diesjährigen Internationalen Berliner Filmfestspielen nicht endgültig an dieser Erde und ihren Menschen darauf verzweifeln?

Nein, ganz so schlimm ist es nicht. Denn natürlich bildet die Berlinale lediglich einen sehr willkürlich-winzigen Ausschnitt des globalen Filmschaffens. Hier geht es eben nicht um die breitestmögliche Akzeptanz des täglichen Kino-Publikums. Es geht nicht um Blockbuster und Massengeschmack, sondern um die ernsthaften, ambitionierten Versuche, das Leben im Film als Kunstform und/oder als Politikum darzustellen.

Starke Frauen in schwachen Positionen war ein großes, länder- und kulturübergreifendes Thema dieser Filmfestspiele. Vornehmlich Frauen in Südamerika und Osteuropa, alleinstehende und bedrängte Frauen, gescheiterte und trotzige, tapfere und verzweifelte. In den Biografien dieser Frauen spiegelt sich das Schicksal ihrer jeweiligen Generationen aber auch ihrer gesellschaftlichen Situationen wider. Das brachte ehrliches, entlarvendes und aufklärendes Kino in die Berlinale. Kassenschlager werden wohl nicht daraus.

Politisches Signal

Der Silber-Bär für den unter Hausarrest im Iran stehenden Regisseur Jafar Panahi schien als politisches Signal regelrecht gesetzt. Der Preis wird seine Haft kaum erleichtern, aber er wird ihm vielleicht ein wenig Mut zum Durchhalten machen können. Der Goldene Bär für Rumänien mahnt zugleich an, dass dieses Land tief in Missständen behaftet ist. Die aggressive Arroganz der Neureichen ist sicher nicht nur ein rumänisches Phänomen, aber wird vielleicht dort ganz besonders krass sichtbar.

Der große Preis der Jury ging nach Bosnien. Die berührende Geschichte eines armseligen Schrottsammlers und seiner Familie ist eher eine Dokumentation als ein fiktives Spiel. Und der so ausgezeichnete Schauspieler wandert auch im wirklichen Leben wieder zurück in sein Elend und sammelt weiter Schrott, um überleben zu können. Vielleicht war in der Summe noch keine Berlinale so dicht an der Realität wie diese. Und jeder Festivalgast mag sich selbst fragen, wie weit sein Leben von dem jener Menschen entfernt ist, die im Film porträtiert worden sind.

Globale Heimat

Und in einigen Personen, Aufgaben und Erfolgen ist das Berliner Filmfestival auch ganz nah nach Westfalen vorgedrungen. Stellvertretend für alle nennen wir hier noch einmal den Attendorner Caterer Oliver Rüsche, der nun schon zum zweiten Mal maßgeblich am überragenden Erfolg der Berlinale-Reihe „Kulinarisches Kino“ beteiligt gewesen ist. Der Kinofilm kennt die Provinz als gern genutztes Thema. Das Filmschaffen selbst kennt dagegen keine Provinzialität. Jeder kann in dieser Branche Erfolg haben, egal woher er kommt. Nicht einmal ein Hausarrest kann das verhindern.

Andreas Thiemann



Kommentare
17.02.2013
23:28
Berlinale zeigt, es gibt heute keine Provinz mehr
von feierabend | #1

doofe veranstaltung

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