Beim Seitensprung ausgebremst
23.02.2009 | 01:45 Uhr 2009-02-23T01:45:00+0100
Dortmund. Wenn ein Mann seine Ehefrau loswerden möchte und ein heißblütiges neues Abenteuer sucht, kommt er oft in Teufels Küche und macht sich zum Narren. So ergeht es auch Mustafa, dem Bey von Algier.
Er will seine nervige Angetraute Elvira mit seinem Sklaven Lindoro verheiraten und wendet sich voller Leidenschaft der von einem Schiff gekaperten Italienerin Isabella zu. Die aber sucht ihren Geliebten, und der ist ausgerechnet Lindoro… Ein ganzes Knäuel von Verwicklungen ist die Folge.
Der 21-jährige Gioacchino Rossini bediente mit seiner erfolgreichen Opera buffa „Die Italienerin in Algier“ die Mode der Türkenoper und machte vor allem den Mezzosopranistinnen das Geschenk einer Super-Partie mit haarsträubenden Koloratur-Raffinessen, in der sie ihre vokalen Kunstfertigkeiten hervorragend demonstrieren können und müssen, in Belcanto-Ziergesang vom Feinsten glänzen können. Er sorgte so für leichte Kost, die zugleich unerhört schwer zu realisieren ist.
Im Dortmunder Opernhaus stellte Gregor Horres in seiner Neuinszenierung die Turbulenzen des Stücks mit lockerer Hand auf die Bühne. Der Bey residiert in einem luxuriösen vergitterten Kuppelbau (Bühne Jan Bammes) und gibt sich mit seinem männlichen Hofstaat der sportlichen Ertüchtigung hin. Bis die flotte Italienerin kommt und das Heft in die Hand nimmt.
Derbe Ironie und Komik
Sie erprobt ihre Verführungskunst gleich bei drei Männern und erreicht am Ende, was sie will. Sie bekommt ihren Lindoro und fährt mit allen italienischen Sklaven wieder zurück in die Heimat. Und Mustafa, bis zur Lächerlichkeit an der Nase herumgeführt, begnügt sich schließlich doch mit seiner Elvira. Horres nutzt die derbe Ironie und Komik, die grotesken Ausuferungen der turbulenten Szenen zu wirksamen, bizarren Bühneneffekten, Yvonne Forster sorgt mit ihren Kostümen für Farbe. Und das Ensemble gab sich Mühe, Schwung in die naiv-skurrile Handlung zu bringen, die eben doch weitgehend von der Musik lebt.
Motonori Kobayashi fand mit den Dortmunder Philharmonikern vor allem in den geschickt arrangierten Ensembles zu leichtem Musizieren, sorgte für flüssige Rezitative und mit dem Orchester zu rhythmischem Drive und dem unterhaltsam unverbindlichen Rossini-Ton. Bei den anspruchsvollen Solopartien stießen die Sänger bisweilen jedoch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten.
Bart Driessen sang den Mustafa mit fundamentalem Bass und agierte mit viel Bühnensicherheit, machte sich geschmackvoll lächerlich, hatte aber bei den Koloraturen seine Schwierigkeiten. Auch Ji Young Michel brachte viel Energie und stimmliche Differenzierung in die Rolle der heißblütigen Italienerin ein. Doch man hätte ihr mehr Ausstrahlung, mehr exakte Koloraturen gewünscht. Tansel Akzeybek sang den Lindoro mit lyrisch bezauberndem Tenor, war aber indisponiert, Lydia Skourides musste sich als masslos überzeichnete zickige Ehefrau Elvira geben.
Überzeugend, mit stimmlichen Qualitäten, umriß Brian Dore den Taddeo. Zuverlässig auch Vera Semnieniuk als Zulima und Marko Spehar als Korsarenanführer Haly. Imponierend kam der Herrenchor des Theaters (Einstudierung Granville Walker) mit Rossinis Anforderungen zurecht.
„Am Anfang war der Mann“ steht zu Beginn der Oper in großen Lettern auf dem Vorhang. Am Ende ist es die Frau, die den Sieg davonträgt – eine bittere Wahrheit für das starke Geschlecht!
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