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Beim Konzert der Beach Boys gab's ein Wunder zu bestaunen

06.08.2012 | 18:37 Uhr
Beim Konzert der Beach Boys gab's ein Wunder zu bestaunen
Reihenweise Beach Boys in Mönchengladbach: (v. li.) David Marks, Mike Love, Al Jardine. Foto: Ilja Höpping

Mönchengladbach.   Irgendwie schien lange Zeit alles zerstritten zwischen den einzelnen Mitgliedern der Beach Boys. Doch jetzt haben sich alle plötzlich wieder lieb, weil sich die Bandgründung zum 50. Mal jährt. In Mönchengladbach, wo Brian Wilson & Co. gastierten, spricht man von einem Ereignis.

Wahrscheinlich sind die Leute sich ja bewusst, dass sie an diesem Abend im Mönchengladbacher Hockeypark nicht einfach nur irgendein Konzert sehen. Die meisten jedenfalls, die an diesem Sonntagabend angereist sind, kommen der historischen Dimension wegen. Denn das hat es noch nie in Deutschland gegeben, dass der Bandleader Brian Wilson, genialer Schöpfer unvergesslicher Melodien, gemeinsam mit den von ihm gegründeten Beach Boys aufgetreten wäre.

Nun, zum 50-jährigen Bestehen dieser Gruppierung aber, die 1962 angetreten war, südkalifornische Lebensfreude rund um den Globus zu vermitteln, ist das Unglaubliche tatsächlich geschehen. Wilson sitzt auf der linken Seite der Bühne an einem weißen Klavier, und nur ein paar Meter weiter gibt sein sich spreizender Cousin Mike Love den Ober-Beachboy. Jener Love, der Mitte der Sechziger für Brians immer komplizierter werdende Harmonien nur Hohn übrig hatte, aber den Bandnamen benutzen durfte, um mit zweifelhaften Musikern auf ewig die flache Botschaft von Sonne, Sand und Surfen zu verkaufen.

Man meint den Jago zu spüren

Alles vergessen, offenbar. Der runde Geburtstag der Beach Boys hat die Gegenspieler wieder gemeinsam ins Studio und auf die Bühnen der Welt gebracht. Auch wenn man bei Mike Love noch immer den Jago zu spüren vermeint, wenn er seinen Cousin vorstellt und mit ausgestrecktem Arm auf ihn zeigt. Brian sitzt derweil stoisch vor sich hinblickend an den Tasten und wirkt wie eingegipst. Aber wenn dann die Musik erklingt und die alten Harmonien plötzlich wieder da sind, als hätte sie in Wunder über die Zeit gerettet, dann ist den Zuschauern im unbedachten Rund sogar der Regen egal. Dann feiert man eine Legende.

Von der ist auch noch der agile Al Jardine vorhanden, aber auch David Marks, der nur auf den ersten drei Alben dabei war, und Bruce Johnston, der einst den zum Studiotüftler gewordenen Brian bei den Tourneen ersetzt hat. Im Hintergrund wirken noch rund zehn weitere Musiker, alles Mitglieder der ehemaligen Wondermints, inzwischen Brian Wilsons ständige Tourband bei seinen Solo-Konzerten. Sie waren es, die vor acht Jahren dabei halfen, Wilsons unvollendetes Meisterwerk „Smile“ endlich fertigzustellen.

Hilfe bei den hohen Tönen

Auf dieser ersten regulären Beach-Boys-Tournee seit Jahrzehnten sind sie geradezu unentbehrlich. Jeffrey Foskett, stets auffallend nahe bei Brian Wilson postiert, steigt immer dann mit seinem Falsett ein, wenn das Genie in den Höhen aufgeben muss. Und wo auch Mike Love gelegentlich dieses Kratzen in der Stimme hat, wo David Marks immer wieder deutlich macht, dass ihm die Gitarre mehr liegt als der Gesang, wo eigentlich nur Al Jardine sich in Topform zeigt, da ist es die Arbeit dieser Background-Musiker, die alles ausbügeln, um das Ereignis perfekt zu machen.

Aus dem umfangreichen Song-Katalog spielt man eben nicht sofort all jene todsicheren Hits, sondern stellt die verborgenen Perlen in den Mittelpunkt. „Do It Again“ gibt es als programmatischen Eröffnungstitel, danach geht es von „Catch a Wave“ und „Hawaii“ weiter zur Kollektion der vielen Auto-Hymnen („Little Deuce Coupe“), die von der besinnlichen „Ballad of Ol’ Betsy“ gekrönt werden. Am Ende sind es wohl fast 50 Titel.

Keine Spur von Oldie-Show

Von wegen Oldie-Show: Was da als Füllhorn der Klänge von der Bühne strömt, ist alles andere als röchelnde Nostalgie. Die fetzigen Arrangements möbeln die Stücke derart auf, dass sie sich reichlich modern, sehr gegenwärtig jedenfalls ausnehmen. Die Jugend hat die Beach Boys ohnehin nie fallen lassen. Ganze Scharen konnte man in Mönchengladbach beobachten, tanzend, hüpfend, begeistert, Bestuhlung hin oder her. Für Wilson müsste es ein Triumph sein, nach so vielen Jahren die Zeitlosigkeit seines Werkes zu spüren. Schade nur, dass man es ihm nicht ansehen kann.

Arnold Hohmann



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