Barmherzigkeit steht ganz besonders im Fokus

Vatikanstadt..  Dass ein Papst vor dem Petersdom eine Bulle verliest, kommt seltener vor als ein Konklave. Mit einer solch selten ausgestellten Urkunde wird traditionell ein Heiliges Jahr ausgerufen. Am Samstag ist es nun wieder soweit: Papst Franziskus proklamiert ein außerordentliches Heiliges Jahr.

Am 8. Dezember soll das sogenannte Jubiläum der Barmherzigkeit beginnen und am 20. November 2016 enden. In diesen knapp zwölf Monaten soll nach dem Willen des Papstes die theologische DNA seines Pontifikats im Mittelpunkt stehen: Barmherzigkeit.

Es ist kein Zufall, dass das Jahr ausgerechnet am 8. Dezember, genau 50 Jahre nach dem Abschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) beginnt. Der Papst wird nicht müde darauf hinzuweisen, dass wichtige Anliegen dieser Bischofsversammlung noch nicht verwirklicht seien. Andererseits ist seit seinem Amtsantritt oft zu hören, nun erst würden viele Reformansätze des Zweiten Vatikanischen Konzils wirklich aufgegriffen.

Dem Papst schwebt vor, die bislang eher akademische Debatte über das Zweite Vatikanische Konzil von der Studierstube in die Pfarrsäle zu holen. Vielleicht, so spekulieren Beobachter, will er ja die Massen mobilisieren, um in Rom Rückenwind für seinen Reformkurs im Zeichen der Barmherzigkeit zu bekommen.

Wie das Programm des bevorstehenden Jahres konkret aussehen wird, bleibt einstweilen noch offen. Im Jahr 2000 empfing Johannes Paul II. nahezu jeden Sonntag eine andere Gruppe von Gläubigen: mal katholische Landwirte, mal katholische Polizisten und mal katholische Parlamentarier.