Ballett-Premiere „Lichtblicke“ im Aalto ist kein großer Wurf
15.02.2010 | 19:05 Uhr 2010-02-15T19:05:00+0100
Essen. Die zweite Premiere des Essener Aalto Ballett Theaters war von Anfang an überschattet von Absagen. Nachdem die abendfüllenden Handlungsballette „Peer Gynt” (Heinz Spoerli) und dann auch „Cendrillon” nicht stattfinden konnten, schien guter Rat teuer.
Buchstäblich in letzter Minute gelang es Essens Ballettdirektor Ben van Cauwenbergh doch noch, die Premiere zu stemmen. Heraus kamen schließlich „Lichtblicke”, ein Doppelabend mit Choreografien von Patrick Delcroix und Edward Clug,. Mit „Cherché, trouvé, perdu” schickt Delcroix, der dem Nederlands Dans Theater (NDT) eng verbunden ist, acht Solisten auf die schwarze Riesenbühne. In Quadraten aus Licht spielt man zu Arvo Pärts suggestiv-sinnlicher Musik aus „Tabula rasa” und „Fratres” dieses Finden und Verlieren durch. Dass Delcroix dabei den NDT-Kanon quasi durchdekliniert, ist weniger erstaunlich, als die - fast saloppe - Behandlung der Tänzer. So etwas wie Beziehung, die vielleicht auch durch Herausarbeiten der Persönlichkeiten der Solisten entstehen könnten, sucht man vergeblich. Was am Ende des 20-minütigen „Aufwärmers” dann „perdu” gehen sollte, fragte man sich trotz der theatralisch fallenden Vorhänge, die eine Riesentreppe und Scheinwerfer in den Seitengassen freigaben, vergeblich.
Wer da auf die „Architecture of Silence” von Edward Clug hoffte, wurde immerhin mit einigen spektakulären Bildern versorgt. Der Ballett-Chef des Staatstheaters Maribor passte seine vor einigen Jahren als Riesen-Event aufgezogene Schau an Essener Verhältnisse an - und zeigte einen frei-assoziativen Bilderbogen von Werden und Vergehen. Effektvoll platziert sangen Aalto-Chor und Solisten auf einer Tribüne im Hintergrund konventionell Mozarts „Requiem”, bis zur Stelle des „Lacrimosa”, an der Mozart endete.
„Requiem for my Friend” von Zbigniew Preisner
Dann erklang Filmmusik, nein, das „Requiem for my Friend” von Zbigniew Preisner. Bochums Symphoniker unter Volker Perplies versprühten diesen emotionalisierenden Atmo-Sound, der vom melancholischen Cello-Solo bis zu gefällig-süffigen Klangflächen für großes Orchester, Chor und Soli so ziemlich allen schmelzenden Versuchungen nachgibt. Dazu paradierende Massenszenen des aufgestockten Corps-de-ballet, Soli und Duette, in denen Clug seine Tanz-Sprache zwischen fließenden Gesten und konvulsivischem Zucken zeigte. Viel Neo-Klassik mit teilweise intensiver Armarbeit. Stein-in-Wasser-Symbolik, mal eine Videosequenz mit Tänzer-Arrangement (im Weltenkreislauf?): Wer nur Bilder gucken will, könnte gut aufgehoben sein. Ballettomanen nur bedingt . . .
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