Baden im Wört(h)ersee

..  Zehn Frauen, vier Männer: In der 39. Ausgabe der literarischen Preisboxerkämpfe namens Bachmannpreis dominieren die Damen derart, dass es eine helle Freude ist. Womit schon die größte Neuigkeit verkündet wäre.

Allen Spardebatten zum Trotz eröffnen auch in diesem Jahr die Tage deutschsprachiger Literatur wieder mit einem fröhlichen Gartenfest rund um das ORF-Studio in Klagenfurt – nachdem Peter Wawerzinek die Eröffnungsrede gehalten hat und die Reihenfolge der Lesungen ausgelost wurde. Noch immer wird ein mutmaßlich quotenkillender Reigen aus Lesungen und Diskussionen live gesendet. Noch immer werden die Kameras nicht zeigen: wie nachmittags der halbe Literaturbetrieb im Wörthersee planscht und abends in einer Art Dorfkneipe feiert.

Klagenfurt, das ist ritualisierte Absurdität. 14 Autorinnen und Autoren tragen ihre Texte vor und werden an drei langen Tagen von der Jury einzeln zerpflückt. Im besten Fall ist der Diskussion (Geistes-)Gegenwärtiges zum Stand der Literatur abzulauschen. Im schlechtesten wird es persönlich. Lohn der Angst sind Preisgelder von insgesamt 50 000 Euro sowie Aufmerksamkeit – am See und in der Kneipe fand manche Autorin, mancher Autor schon zu Agent und Verlag.

Geleitet wird die Jury heuer von Kritiker Hubert Winkels, der auf Burkhard Spinnen folgt. Im Gespräch war der ORF auch mit der langjährigen Jurorin Daniela Strigl, die sich nach der Winkels-Ernennung übergangen fühlte – und ganz aus der Jury ausschied. Auf ihre markigen wie fundierten Beiträge müssen wir also leider verzichten. Mit dabei sind nun Sandra Kegel, Meike Feßmann, Hildegard E. Keller, Klaus Kastberger, Stefan Gmünder und Juri Steiner; es moderiert Christian Ankowitsch.

Unter der geballten Frauenpower der Lesenden stechen vier Namen besonders hervor. Ronja von Rönne, Jahrgang 1990, trat mit einem Zeitungsbeitrag eine Feminismus-Debatte los, wurde damit kurzzeitig berühmt und in dieser Woche vom „Spiegel“ porträtiert. Die Österreicherin Teresa Präauer war zuletzt mit dem Roman „Johnny und Jean“ für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Die in Frankfurt lebende Saskia Hennig von Lange („Zurück zum Feuer“) hat in mehreren Büchern literarische Eigenwilligkeit bewiesen. Und die deutschschweizerische Lyrikern und Essayistin Nora Gomringer wurde bereits mehrfach ausgezeichnet.

Unter den Autoren dürfte der Schweizer Tim Krohn, der in seinen Werken mit den Dialekten spielt, gute Chancen auf einen der Preise haben.