B.B. Kings „Lucille“ ist Witwe

Hagen..  Es reichte schon eine einzige Phrase, manchmal sogar ein einziger spitzer Ton in den hohen Griffbrettlagen, um zu wissen, dass da gerade wieder „Lucille“ zu „singen“ begann. B.B. King nannte „Lucille“ irgendwann mal seine wahre Geliebte, und es ist garantiert nur ein bisschen geflunkert. Denn King besaß viele „Lucilles“. Aber der Meister und seine so genannten Gibson-Gitarren entwickelten über die Jahre beim Zusammenspiel eine Innigkeit, wie es sie nicht oft gab in der jüngeren Musikgeschichte. Nun werden seines „Lucilles“ wohl als Ausstellungsstücke in irgendeine Ruhmeshalle einziehen. Denn der Mann, der sie spielte, der große Bluesgitarrist B.B. King, ist tot.

Eine 70-jährige Karriere

89 Jahre ist er alt geworden, ehe er in Folge einer langjährigen Diabetes-Erkrankung an seinem Wohnsitz Las Vegas für immer die Augen schloss. Lenny Kravitz, einer jener jüngeren Musiker-Kollegen, die zwar auf einer ganz anderen musikalischen Schiene unterwegs sind, aber ohne Zweifel in jungen Jahren Kings Gitarrenspiel gelauscht haben, brachte die hohe Kunst des Meisters und seine Bewunderung gestern sehr gut auf den Punkt: „B.B., jeder andere konnte tausend Noten spielen und niemals sagen, was du mit einer einzigen ausgedrückt hast.“

Fast 70 Jahre währte diese Karriere des als Riley B. King in Indianola (Mississippi) geborenen Sohns armer Plantagenarbeiter. Geschenkt wurde King wahrlich nichts: Sein Vater verlässt die Familie, als er vier ist, die Mutter stirbt kurz darauf. King ackert auf dem Feld, er singt im Gospelchor, besorgt sich eine Gitarre und lässt sich von einem Prediger die ersten Griffe zeigen. Bis es irgendwann dazu reicht, von Spelunke zu Spelunke zu ziehen und sich so den Lebensunterhalt zu verdienen.

Dann verschlägt es King nach Memphis, wo man ihn als Gitarrist für eine Radioshow verpflichtet. „Blues Boy“ nennen sie ihn, daraus wurde B.B. Die Initialen einer Weltkarriere. Sie begann mit seinem ersten Hit „The Thrill Is Gone“ Ende der 1960er-Jahre.

Ein großes Stück Blues-Seele

Eine typische King-Nummer, geprägt von seinem gar nicht mal so virtuosen oder schnellen, aber ungemein zupackenden und intensiven Gitarrenspiel und natürlich dieser Stimme, die fast so markant wie der Gesang von „Lucille“ war. Es war zugleich einer der Songs, die den Blues plötzlich auch bei weißen Hörern salonfähig machten. Nicht nur in den Vereinigten Staaten. Plötzlich spielte der King of Blues in Europa sogar bei Königs im Garten. B.B. King war ein Weltstar, segelte aber all die Jahre immer ein wenig neben dem Mainstream her. Mit dem Tod von B.B. King hat der Blues ein großes Stück seiner Seele verloren.

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