B.B. King - der alte Mann und der Blues

Der 86-jährige Blues-Musiker B.B. King in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf.
Der 86-jährige Blues-Musiker B.B. King in der Mitsubishi Electric Halle in Düsseldorf.
Foto: Lars Heidrich / WAZ FotoPool
„Fahrt vorsichtig! Der Mann, der auf Eurer Kühlerhaube könnte ich sein!“ Das klingt schon ein wenig nach dem galligen Witz des Abschieds. Vom wem das Zitat stammt? Von B.B. King. Er spielte jetzt in Düsseldorf, stolze 86 Jahre alt.

Düsseldorf.. Es scheint, als habe er keine Zeit mehr, nur zwei Songs lang stellt sich die exzellente acht-köpfige Begleitband des 86-jährigen B. B. King vor. Schon beim dritten betritt der alte Meister mit unsicherem Schritt die Bühne der Mitsubishi Electric Hall, setzte sich auf einen ganz gewöhnlichen Stuhl – wo doch eigentlich ein Thron hätte stehen müssen – und entlockte seiner „Lucille“, der eigens für ihn angefertigten Gibson-Gitarre, die ersten bittersüßen Töne.

Das goldene Jackett verrät, dass King nicht nur dem Namen nach ein König ist. Er herrscht als einer der Letzten, wenn nicht gar der Letzte seiner Art, über das Reich des elektrischen Blues. Robert Johnson, der geheimnisvolle Country-Blues-Sänger und Gitarrist, soll dem Mythos nach dem Teufel seine Seele verkauft haben. Er starb jung. King, der 1949 seine ersten Aufnahmen machte, muss sich mit einer freundlicheren Macht verbündet haben. Der Greis wirkt vital, wackelt auf seinem Stuhl und gibt sich manchmal gar ein bisschen lüstern, wenn er beim zugegeben schon äußerst lasziven „Rock Me Baby“ schmatzende Kussgeräusche macht.

Stets ein urbaner Künstler

In seinem Alter hat er den Blues als Ausdruck für Depression längst hinter sich gelassen und präsentiert sich als Showman. Auch ein Grund, warum er nicht zu den ganz mythischen Figuren der einfachen Form gehört hat – er war stets ein urbaner Künstler, war stets kontrolliert. Dennoch, Songs wie „The Thrill is Gone“ vermitteln auch heute noch ein absolut authentisches Gefühl dafür, wie es ist, wenn die Liebe erkaltet und der Zauber verfliegt. Da kann King mit mächtigem Gesang und dem Gitarrenspiel zwischen sirrend hoher Note und brutalem Stakkato den Eindruck erwecken, als sei der Blues in seiner klassischen Form noch relevant.

Nach neunzig Minuten wirft er Plektren und güldene Kettchen unter die Fans, die längst an den Bühnenrand geeilt sind. Kamelle für die Blues-Freunde.Und lässt ein letztes Mal seinen Humor aufblitzen. „Fahrt vorsichtig auf dem Heimweg, rast nicht. Der alte Mann, der sonst auf eurer Kühlerhaube hängt, das könnte ich sein.“ Wir fahren Schritttempo, versprochen.