Autorin Dagmar Leupold will internationales Literaturfest

Vom 6. bis 24 November findet in München das Literaturfest statt. Kuratorin Dagmar Leupold lag besonders das Internationale am Herzen.
Vom 6. bis 24 November findet in München das Literaturfest statt. Kuratorin Dagmar Leupold lag besonders das Internationale am Herzen.
Foto: dpa
In seinem vierten Jahr wird das Münchner Literaturfest besonders international. Kuratorin Dagmar Leupold hat überall auf der Welt nach "Stadt Land Fluss"-Geschichten gesucht - und sie gefunden. Im Interview spricht sich über Kulturkreise, Städte-Trends und das Internationale.

München.. In seinem vierten Jahr hat das Autorenforum des Literaturfestes München zum ersten Mal eine Münchner Chefin: Die Autorin Dagmar Leupold ist zwar in Mainz aufgewachsen, wohnt aber seit vielen Jahren in der bayerischen Landeshauptstadt. Jetzt will sie der Frage nachgehen, welche Rolle die Spielorte in der Literatur einnehmen.

Sie sind jetzt die vierte Kuratorin des "forum:autoren". Haben Sie sich mit Ihren Vorgängern auseinandergesetzt?

Dagmar Leupold: Was mir sofort am Herzen lag, war das Internationale. Da schließe ich vielleicht ein bisschen an den ersten Kurator Ilija Trojanow an. Das ist mir willkommen, aber das war nicht der Grund, warum ich das gemacht habe. Das Thema ist eben so, dass man es international aufstellen muss. Stadt-Land-Fluss-Geschichten in der Gegenwart müssen sich auf die ganze Welt beziehen.

Warum?

Leupold: Weil mich ja gerade interessiert, ob ein Buch, das aus einer völlig anderen Kultur kommt, ob ein Autor, der aus Mumbai kommt und einen völlig anderen Erfahrungsraum aufmacht, auch für Leser aus anderen Sprach- und Kulturbereichen nicht auch eine Bereicherung sein kann. Davon bin ich fest überzeugt. Das schafft Literatur.

Sie kommen aus der vergleichenden Literaturwissenschaft. Macht es überhaupt Sinn, Literatur noch auf Kulturkreise zu beschränken und von so etwas wie "deutscher Literatur" oder "amerikanischer Literatur" zu sprechen? Muss man diese Kulturräumen nicht inzwischen viel weiter fassen?

Leupold: Ich glaube letzteres, ja. Aus praktischer Sicht ist es bestimmt berechtigt, auch mal von kleineren Kulturkreisen auszugehen. Aber ich finde es schon spannend, Romane über Mega-Cities aus unterschiedlichen Sprach- und Kulturräumen zu vergleichen, in denen die Stadt nicht nur Kulisse, sondern auch Protagonist ist. Es gibt da schon Ähnliches - genau wie bei fast ausgestorbenen Landstrichen auf der ganzen Welt. Natürlich bleibt aber immer noch eine sehr individuelle Handschrift. Ich will hier nicht auch noch der Globalisierung das Wort reden.

In Ihrem letzten Roman "Unter der Hand" ist München eine wichtige Protagonistin. Wären Sie eine andere Autorin als die, die Sie jetzt sind, wenn Sie nicht in München leben würden?

Leupold: Schwierige Frage, aber ich glaube, eher nicht. Ja, in meinem jüngsten Roman spielt München eine wichtige Rolle, aber ich glaube, dass die Prägungen, die mich als Autorin ausmachen, vor meiner Zeit in München liegen. Ich bin als erwachsene Frau, Familienmutter hergekommen und habe vorher an sehr vielen verschiedenen Orten gelebt, in vielen verschiedenen Staaten. Und ich glaube, das prägt mich. Da ist München eher eine Adresse unter vielen, wenn auch meine Lieblingsadresse.

Gibt es bestimmte Städte-Trends in der Literatur?

Leupold: Ich glaube schon, dass es eine Art der Ideologisierung von Wohnräumen und Adressen gibt. Berlin ist häufiger die Kulisse. Mir fällt zwar kein Roman aus jüngerer Produktion ein, der an "Berlin Alexanderplatz" heranreicht und eine ähnliche Art der Gegenwartsanalyse betreibt. Aber dennoch ist Berlin derzeit sicher ein etwas ausgewiesenerer, historischer Ort als beispielsweise München - einfach auch, weil so viele Autoren dort leben. (dpa)