Kunst: Jeanne-Claude ist tot
Die Künstlerin Jeanne-Claude ist im Alter von 74 Jahren in New York gestorben.
Gemeinsam mit ihrem Mann Christo verhüllte sie 1995 den Berliner Reichstag und löste eine Euphorie damit aus. Schöner noch mag zehn Jahre zuvor der verhüllte Pont Neuf in Paris gewirkt haben; aber nirgends hat sich so beeindruckend wie beim deutschen Parlament erwiesen, was Christos und Jeanne Claudes Credo war: Dass die Bauwerke nach ihrer Neu-Enthüllung nicht mehr dieselben sind wie vorher. Nun aber muss Christo alleine ver- und enthüllen: Jeanne Claude starb am Mittwochabend an einer Gehirnblutung in einer Klinik in New York. Dies bestätigte Wolfgang Volz, der Fotograf und Manager der beiden, im Gespräch mit dieser Zeitung.
In einer öffentlichen Erklärung gab der „zutiefst betrübte” Aktions- und Verhüllungskünstler bekannt, dass er „die Kunst von Christo und Jeanne Claude” fortsetzen werde, wie sie das einander „vor vielen Jahren” versprochen hätten. Christo sieht in den beiden ausstehenden Projekten "Over The River" für den Arkansas River im US-Bundesstaat Colorado und das schon seit Jahren verfolgte "The Mastaba" in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Ob Jeanne-Claude Denat de Guillebon wirklich am 13. Juni 1935, also am selben Tag wie Christo, geboren wurde, wie sie immer betonte, wurde manchmal bezweifelt; jedenfalls geschah es in Casablanca, während Christo in Bulgarien zur Welt kam. Jeanne-Claude, die unter privilegierten Umständen aufwuchs, suchte jedenfalls die völlige Symbiose mit dem Mann, den sie 1958 als mittellosen Künstler kennengelernt hatte - Christo sollte Porträts von ihrer Mutter malen. 1964, nachdem es einen Skandal gegeben hatte, als die privilegierte Jeanne Claude vom bettelarmen Christo ein Kind bekam und ihn heimlich heiratete, übersiedelten sie nach New York. Von dort aus setzten sie legendäre Landschafts-Kunstprojekte um wie den „Running Fence” aus 40 Kilometern Nylon-Zaun in Kalifornien (1974). Im Ruhrgebiet erregten die beiden 1999 Aufsehen mit „The Wall”, einer riesigen Wand aus bunten Ölfässern im Gasometer von Oberhausen. (mit AP/AFP/ddp)




























