Ausstellung: Botticelli in Frankfurt
Trauriges Lächeln aus Florenz - das Frankfurter Städel Museum zeigt "Botticelli: Bildnis, Mythos, Andacht".
Gedankenverloren greift die Göttin dem Tiermenschen in die zottelige Mähne. Ihren Sieg über den wilden Kentaur feiert Minerva aber nur mit abwesendem Blick. Diese Melancholie umweht viele der edlen Gesichter von Sandro Botticelli. Rund 40 Werke des italienischen Renaissance-Künstlers zeigt vom 13. November 2009 an bis zum 28. Februar 2010 das Städel-Museum in Frankfurt am Main. Die große Überblicksausstellung ist die erste monografische Schau zu Botticelli überhaupt in Deutschland.
Andrea del Verrocchio (ca. 1435-1488). Studie eines weiblichen Idealkopfes. Schwarze Kreide, mit Bleiweiß gehöht, Konturen durchstochen. Foto: Oxford, Christ Church
Botticelli ist inzwischen zu einem Markenzeichen von Florenz und der Renaissance geworden. Schon zu Lebzeiten genießt der Meister in seiner Heimatstadt höchstes Ansehen, steht er doch in der Gunst der herrschenden Familie Medici. Im Auftrag der Bankiersfamilie fertigt er prächtige Kunst zur deren Selbstdarstellung und setzt mit seinen Bildern die Dynastie stolz in Szene.
Den Auftakt zum ersten Teil der Ausstellung mit den Porträts gibt die Geliebte eines Medici-Fürsten. Mit der «Simonetta» will Botticelli nicht unbedingt ein lebensnahes, realistisches Konterfei der Dame wiedergeben, er malt vielmehr das poetische Ideal einer schönen, ehrbaren Frau. Ihr Antlitz zeigt ein nur vages Lächeln, einerseits verschlossen, unnahbar nach innen gewandt und andererseits sehr präsent, die Welt fixierend. Dieses rätselhafte Schweben im Ausdruck ist das faszinierend Eigenwillige in Botticellis Gesichtern.
Erfahrung als Goldschmied
Im zweiten Kapitel widmet sich die Schau seinen mythologischen Bildern. Für die Medici erschuf Botticelli eine harmonische Götterwelt, in der antike Philosophie, höfisches Leben und christliches Gedankengut verschmelzen. Sein Gemälde «Minerva und der Kentaur» hing einst im Brautgemach des Stadtpalastes und sollte wohl mit dem antiken Gleichnis vom Sieg der tugendhaften Göttin über den triebhaften Pferdemenschen die Ehefrau an ihr Treueversprechen gemahnen.
Die sinnliche Präsenz der Körper hat aber auch eine erotische Note. Seine Liebesgöttin «Venus» versucht versonnen mit ihren langen Locken den nackten Leib zu bedecken. Das wallende Haar, die gelängten Gliedmaßen und die apfelrunden Brüste sind charakteristisch für seinen Frauentyp.
Die Figuren umfasst Botticelli mit einer starken Kontur. Man spürt, dass sie aus der Zeichnung entwickelt sind. Auf den Umrissen im Kreidegrund baut er die Gestalten aus deckenden und teils transparenten Farbschichten. Mit leuchtendem Rot und strahlendem Blau setzt er im Bild die Akzente. Detailgenau zeigt er die reich gezierten Gewänder und Schmuckstücke. Hier kann Botticelli auf seine Erfahrung als Goldschmied zurückgreifen.
Bildverleih sehr schwierig
Der Verleih seiner Bilder ist heute wegen ihrer großen Popularität und wegen des empfindlichen Materials - viele sind auf Pappelholz gemalt - sehr schwierig. Die Prominenz und der unschätzbare Wert einiger Arbeiten verbietet es, diese außer Haus zu geben. So fehlt in Frankfurt die «Geburt der Venus» aus den Uffizien in Florenz, dafür kommt von dort das bedeutende «Minerva»-Bild. Das Zusammentreffen der inzwischen über die ganze Welt verstreuten Werke in einer Ausstellung ist daher ein seltenes Ereignis.
Präsentiert werden die Gemälde im Museum auf einem kräftigen Samtrot, das die Farben gut unterstreicht. Eine zurückhaltende Ausstellungsarchitektur hebt mit Versprüngen die Bilder des Meisters vor das umgebende Beiwerk. Grafiken und Arbeiten aus dem Umfeld begleiten die Gemälde. Bücher, Teppiche und Rüstungen sollen seine Kunst historisch verorten.
Mit der umfangreichen Gruppe zu religiösen Themen schließt die Ausstellung. Vor dem Hintergrund einer ausgeprägten Marienfrömmigkeit gibt es Florenz eine konstant starke Nachfrage nach Madonnenbildern. Da viele dieser Gemälde für private Räume gedacht sind, gilt das Augenmerk nicht nur ihrer religiösen Funktion, sondern auch dem schmückenden Wert. In seinen Andachtsbildern bemüht sich Botticelli um Lebensnähe, verbindet diese aber immer mit einer kunstvollen Idealisierung. Seine Maria ist die schönste Frau unter den Heiligen, voller himmlischer Anmut. Die Melancholie der Gottesmutter ist ergreifend. Maria weiß um den zukünftigen Opfertod ihres Sohnes Jesus, den sie jetzt noch als Kind im Arm hält. Diese Traurigkeit macht sie zur Zwillingsschwester der schönen Venus. (AP)


























