Ausstellung zeigt Kostüme des Deutschen Tanzarchivs Köln

Detail aus einem „Charleston-Kleid“ aus dem Jahr 1927. Es ist mit Gewichten im Saum versehen, die verhindern sollen, dass das Kleid bei temperamentvollen Tanzbewegungen nach oben rutscht.
Detail aus einem „Charleston-Kleid“ aus dem Jahr 1927. Es ist mit Gewichten im Saum versehen, die verhindern sollen, dass das Kleid bei temperamentvollen Tanzbewegungen nach oben rutscht.
Foto: Susanne Fern
Was wir bereits wissen
Bei „Faltenwurf & Walzerschritt“ sind erstmals Stücke der Kostümsammlung des Tanzarchivs zu sehen. Noch bis August ist die Schau geöffnet.

Köln.. Einst haben sie geleuchtet, geglitzert und changiert, sie haben Körper wie Statuen geformt, sie wie mit einer zweiten Haut überzogen oder Bewegungen so sanft und perlend wie Wellen wirken lassen, die sich am Meeresstrand auf und nieder kräuseln.

Bei näherem Hinsehen liegt mitunter ein Grauschleier über der seidenen Farbenpracht, die Metallplättchen sind ein wenig blind geworden, und der Samt ist wie mit brüchigen Schlieren durchsetzt. Doch ihr Zauber wirkt bis heute nach. Noch bis zum 9. August präsentiert die Ausstellung „Faltenwurf & Walzerschritt“ im Tanzmuseum erstmals eine Auswahl der Kostümsammlung des Deutschen Tanzarchivs Köln.

Im Mittelpunkt der Schau stehen die wechselnden und vielfältigen Beziehungen von Tanz, Mode und Kostüm durch die Jahrhunderte hinweg. Je nach Anlass, Rahmenbedingung oder Epoche betonen oder negieren sie Körperlichkeit, sie verwandeln ihre Träger in Götter, machen aus Menschen Kunstgeschöpfe oder aus einer höheren Tochter einen verruchten Vamp.

Aktionskunst Was früher auf den Bühnen Europas für Furore sorgte, beim angesagten Charleston Ende der 1920er als Gipfel des Raffinements galt oder in berühmten Pariser Modeateliers wie dem von Paul Poiret (1879-1944) entworfen wurde, entfaltet eine ganz eigene Magie. Hinter ihren gläsernen Wänden scheinen die Tutus, Trikots und Tuniken, die Umhänge, Überwürfe und Untergewänder, die mit Perlen verzierten Roben, die bemalten Korsagen und plissierten Röcke zu flüstern: „Darf ich bitten?“

Zeitübergreifende Gegenüberstellungen

Ergänzt werden die textilen Schätze durch Tourneeplakate, -programme und -reisekoffer, Kostümentwürfe, Stoffmuster und Bühnenbilder, Skulpturen, Zeichnungen und Stiche, auch ein Rundfunkempfänger Blaupunkt „Ballett“, eine mondäne Handtasche aus den 1960er-Jahren oder eine LC4-Liege von Le Corbusier, der die Tänzerin Valeska Gert (1892-1978) ansatzweise eine sehr expressive Bemalung zukommen ließ, sind zu sehen.

Obwohl die Ausstellung prinzipiell chronologisch konzipiert ist, arbeitet sie mit zeitübergreifenden Gegenüberstellungen. So scheint die Terrakotta-Skulptur einer „griechischen Manteltänzerin“ (Tanagräerin) aus dem 2. Jahrhundert vor Christus den Entwurf des Tanzkleids von Isadora Duncan (1877-1927) inspiriert zu haben, das diese 1910 trug, oder eine Beschreibung des „Deutschen Marschtanzes“ vom August 1933 will so gar nicht zum kessen Perlenfransenbesatz des Charleston-Outfits passen. Sechs Bildschirme, die Ausschnitte aus Tanzfilmen und -dokus zeigen, verleihen all dem noch mehr Bewegung.