Ausstellung zeigt Chirurgie-Instrumente aus der Antike

Antike Skalpelle: Ganz schön unangenehm ist der Gedanke, dass Patienten damit fast ohne Betäubung operiert wurden.
Antike Skalpelle: Ganz schön unangenehm ist der Gedanke, dass Patienten damit fast ohne Betäubung operiert wurden.
Foto: dpa
Zahnärzte oder Urologen: Schon vor 2000 Jahren gab es eine medizinische Rundum-Versorgung. In Köln zeigt ein Museum die teils gruseligen Werkzeuge.

Köln.. Die Skalpelle und Wundhaken sind sorgfältig geschliffen und mit feinen Mustern verziert. Dennoch ist die Vorstellung, dass ihre Besitzerin - eine Chirurgin - ihre Patienten wohl fast ohne Betäubung damit operiert hat, eher gruselig. Doch das liegt rund 2000 Jahre zurück. So alt sind die medizinischen Instrumente, die von Freitag an im Römisch-Germanischen Museum in Köln zu sehen sind. Dort beschäftigt sich eine bis zum 1. November laufende Ausstellung mit der Arbeit der "Medici", der Ärzte im römischen Reich.

Ob Zahnärzte, Urologen oder Chirurgen - schon damals gab es für Patienten eine medizinische Rundum-Versorgung. Davon zeugen Gerätschaften wie Zahnzangen, Blasensteinhaken oder Knochenmeißel. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen 16 Arztgräber aus dem ersten bis vierten Jahrhundert nach Christus, die bei Ausgrabungen in Köln gefunden wurden. So viele Nachweise für Mediziner hätten Archäologen in keiner anderen Stadt des römischen Imperiums entdeckt, betont Museumsdirektor Marcus Trier. Die medizinische Versorgungsdichte in Köln sei mit schätzungsweise 280 Patienten pro Arzt damals fast so hoch gewesen wie heute.

"Die Instrumente muten erstaunlich modern an"

"Die Instrumente sind sehr gut gearbeitet und muten erstaunlich modern an, manche tragen Stempel von spezialisierten Instrumentenmachern", sagt Ausstellungskuratorin Marion Euskirchen. Einige Teile sähen heute noch so ähnlich aus wie damals. "Viele der Instrumente waren von beiden Seiten nutzbar, um dem Arzt ein schnelles, effektives Arbeiten zu ermöglichen."

Archäologie Dosen und Flaschen mit gestempelten Aufschriften zeigen, welche Medikamente die Medici einsetzten. So fand sich im Grab eines Augenarztes ein Döschen mit einer Salbe aus Schöllkraut gegen Bindehautentzündungen.

Schädel eines Mannes mit kreisrundem Loch

Neben Funden aus Köln sind auch Leihgaben aus anderen Museen zu sehen, etwa ein einzigartiges komplettes Besteck für operative Schädelöffnungen aus Bingen. Der Schädel eines Mannes mit einem kreisrunden Loch über der Schläfe zeugt von einem Eingriff mit einer sogenannten Kronsäge, der vielleicht wegen unerträglicher Kopfschmerzen vorgenommen wurde. Allerdings hat der Patient diese Operation nicht überlebt, wie die unverheilten Wundränder zeigen. (dpa)