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Bayreuth

Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen

31.07.2012 | 17:13 Uhr
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
Begrüßung auf dem Grünen Hügel von Bayreuth: Richard Wagners Schwiegertochter Winifred empfängt Adolf Hitler.

Bayreuth.   Dem Antisemitismus in der Familie Wagner und bei den Bayreuther Festspielen spürt die Ausstellung "Verstummte Stimmen" nach. Hannes Heer hat sie erstellt. Der Historiker machte Schlagzeilen, als er „Die Verbrechen der Wehrmacht“ dokumentierte.

„Der Grüne Hügel“ als „Brauner Hügel“. Die Verflechtung der Bayreuther Festspiele mit dem Nationalsozialismus und der Antisemitismus Richard Wagners werfen Schatten auf Werk, Rezeption und Familie. Sie lassen sich weder verschweigen noch abschütteln. Die „Verdunklungsstrategie“ Wolfgang Wagners, der über 50 Jahre lang das Thema auf beschwichtigend kleiner Flamme kochte, vermochte die kritischen Stimmen nicht zum Schweigen zu bringen. Das neue Führungsteam um Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier versprach Besserung und öffnete Historikern bisher verschlossene Archive.

Das nutzte auch Hannes Heer für eine Ausstellung, die im Park des Festspielhügels und im Neuen Bayreuther Rathaus zu sehen ist. „Verstummte Stimmen“ heißt die Dokumentation, die an verfolgte Musiker erinnert und im Festspielpark an die Schicksale im Umfeld der Bayreuther Festspiele von ihrer Gründung 1876 bis zur Stunde „Null“ 1945.

In Ungnade gefallen und ermordet

Auf großen, silbergrauen Tafeln werden, nah an Brekers Wagner-Büste, 53 Sänger, Instrumentalisten, Dirigenten und andere Mitwirkende in Erinnerung gebracht, die während der braunen Diktatur in Bayreuth in Ungnade gefallen sind, 13 wurden ermordet.

Mindestens so interessant sind die Biografien von Künstlern, die vor Hitler von Cosima und Siegfried Wagner drangsaliert wurden. Von der Sopranistin Frida Leider, die das Regime überlebte, bis zum Cellisten Lucian Horwitz, der 1924 auf der Ersatzliste des Festspielorchesters gestanden hat, dessen Namen vom Dirigenten Karl Muck jedoch mit einem Hakenkreuz als „jüdisch“ vermerkt wurde. Horwitz wurde in Auschwitz ermordet.

Offene Abrechnung

Eine so offene Abrechnung wäre zu Zeiten Wolfgang Wagners undenkbar gewesen. Hier scheint sich etwas zu bewegen, auch wenn sich Hannes Heer gewünscht hätte, seinen Einführungsvortrag auf dem Festspielgelände halten zu dürfen. Doch das sei wegen der Festspiele nicht möglich, hieß es aus der Festspielleitung. Dass sich Katharina Wagner nur durch einen kleinen schriftlichen Gruß vertreten ließ, stieß auf Kritik.

Die Schau erinnert an den zynischen Umgang Wagners, seiner Gattin Cosima und seines Sohnes Siegfried mit jüdischen Künstlern. Der Linie blieb man in Bayreuth lange treu: Mit plastischen Zitaten wird ein Klima beschrieben, in dem „wir in den jüdischen Apfel beißen müssen“, wenn „kein Arier zur Verfügung steht“, wie es der Dirigent Karl Muck 1930 auf den Punkt bringt, einer der willfährigsten Vollstrecker von Cosimas Vorstellung „judenfreier Festspiele“ noch vor Hitlers Machtergreifung.

Wagner, ein Wegbereiter?

Ist nun Wagner der Wegbereiter von Auschwitz? Auch dieser Frage weichen die Ausstellungsmacher nicht aus: „So wenig es eine direkte Verbindung von Wagner zu Hitler gibt – er war für diesen ein wichtiger Stichwortgeber. Aber erst seine Erben – Cosima, Siegfried, Winifred Wagner und Houston Stewart Chamberlain – haben einen direkten politischen Zusammenhang hergestellt.“

  • Verstummte Stimmen. Bis 14. Oktober. Katalog (24 Euro), Metropol-Verlag

Pedro Obiera



Kommentare
31.07.2012
23:47
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
von Gothaur | #7

Weder Wagner, noch seine Nachfahren waren Wegbereiter für Ausschwitz. Denn Ausschwitz wäre auch ohne Hitlers Neigung zu Wagners Kompositionen und seine besondere Zuneigung zu Winifred passiert.
Der letzt Abschnitt dieses Artikels ist völler Blödsinn, absurd. und unnötig.
Gruß

31.07.2012
23:09
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
von RiN77 | #6

Ich interessiere mich sehr für Zeitgeschichte!

Allerdings denke ich, dass die Zeit des 3.Reiches doch mittlerweile mehr als ausreichend von allen Seiten erleuchtet wurde.
Man kann an jedem Tag fast rund um die Uhr auf irgendeinem TV-Kanal alle Arten von Dokumentationen über den Krieg und/oder die Zeit aus Hitler´s Reich sehen.
Sogar Dokumentationen über Karneval im 3.Reich gibt es.

Langsam kann ich es einfach nicht mehr hören und sehen!!!!
Was kommt als nächstes?

Weihnachten im 3.Reich?
So war der Sommer im 3.Reich?
Vorfreude auf Ostern im 3.Reich?
Grippe-Welle unter Adolf´s Joch?
Beliebte Speisen im 3.Reich-und wer das heute auch noch gerne futtert hat eindeutig Nazi-Gene in sich?

Ich denke, dass wir alle nicht jeden kleinen Furz aus der damaligen Zeit immer wieder mehrfach umdrehen müßen!

Gruß aus Moers

a

31.07.2012
21:33
Wagner als Wegbereiter
von Kritischerkritiker | #5

Also, ich muss schon sagen: Wagner als Wegbereiter, das ist so etwas von Lächerlich.
Richard Wagner hasste Juden, soweit klar. Er befand sich damit nicht allein in der Gesellschaft. Dennoch schätzte er Juden als Musiker. Dennoch hat er nie Juden töten wollen.
Wann endlich begreifen diese Eiferer, dass mit Adolf der Schnitt kam. Es gibt ein Vor und ein Nach Adolf. Vor Adolf war es weit verbreitet, Juden zu diskriminieren oder zu schmähen. Es war auch schlecht, aber nicht mehr, als eben "nur" eine Meinung. Nach Adolf ist es zu Recht ein untrügliches Zeichen für Rechtsradikalismus. Wagner war Antisemit. Aber dass er dem Holocaust zugearbeitet habe, das ist nun wirklich lächerlich und hochnotpeinlich ungerecht.
Das ist so dämlich, wie wenn Leute den Konzertsaal verlassen, wenn Liszts Le Prelude gespielt wird, weil es die Nazis als Wochenschaumelodie missbrauchten, oder wenn ich Georg Washington für die Indianertötung verantwortlich machte.

31.07.2012
19:37
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
von LordofRoscommon | #4

Hallo Moderation
ich bat um Löschung der Kommentare 2 & 3 da diese vesehentlich doppelt zu Nr.1 gesendet wurden. Danke

31.07.2012
18:50
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
von LordofRoscommon | #3

[Entfernt von Moderation - Doppelpost]

31.07.2012
18:49
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
von LordofRoscommon | #2

[Entfernt von Moderation - Doppelpost]

31.07.2012
18:41
Ausstellung untersucht Antisemitismus bei Wagners Festspielen
von LordofRoscommon | #1

Wo ist hier der Aufschrei ? Wo sind die Rufe nach Ächtung ? Fehlanzeige ! Alles was einen Namen in Politik und Wirtschaft hat und zur oberen Gesellschaft zählt flaniert stolz dort hin . Ist vielleicht nur nur der "Grüne Hügel" braun angehaucht ?

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