Das aktuelle Wetter NRW 19°C
Kultur

Aus Freude am Gesang

06.05.2007 | 21:25 Uhr

Hagen. Der Klang ist gewaltig. Als am Samstagabend aus mehr als 500 Kehlen "O Fortuna" erklingt, bleibt in der ausverkauften Stadthalle kaum Raum zum Atmen. Nach dem eineinhalbstündigen, atmosphärisch dichten Konzert wirkt der frenetische Appla

Nach dem Konzert wird Hagens Generalmusikdirektor Dr. Antony Hermus gefeiert. Der Applaus gilt ihm, dem Philharmonischen Orchster, den Gesangssolisten des Theaters Hagen. Noch gewaltiger aber brandet der Beifall für jene Menschen auf, die die Protagonisten dieses Abends sind: Mehr als 500 Frauen und Männer, die Freude am Gesang haben und Carl Orffs "Carmina Burana" mögen. Von nun an werden sie es lieben. Das Werk hat ihnen einen unvergesslichen Lebensmoment geschenkt.

"Scratch-Projekt" nennt GMD Antony Hermus die Aktion, zu der er Laiensänger einlud, an nur einem Tag ein großes Werk der Musikgeschichte einzustudieren und es mit dem Philharmonischen Orchester Hagen in einem Konzert zur Aufführung zu bringen. Im vergangenen Jahr lockte Hermus 350 Sänger mit dem Mozart-Requiem, dieses Mal kamen mehr als 500, um "Carmina Burana" zu singen. Zusätzlich standen 200 Mädchen und Jungen als Kinderchor auf der Bühne - ein Erfolg, für den Hermus schon vorab von der Landesinitiative "Land der Ideen" ausgezeichnet wurde.

Von morgens an hatte der GMD das Stück mit Sängern, die aus der gesamten Region, aus Hamburg, Freiburg und aus den Niederlanden angereist waren, eingeprobt, zunächst mit Klavierbegleitung. Nachmittags stand die Generalprobe mit dem Orchester an. Bereits danach war klar: Das Experiment "Carmina Burana" wird glücken. "Bravo, Sie haben schon jetzt etwas Fantastisches geleistet", lobte ein erschöpfter, aber begeisterter Antony Hermus.

Wenn es nach dem GMD ginge, könnte das Projekt jetzt schon enden. "Es geht hier um den Tag, um Erarbeiten von Musik als ein gemeinschaftliches Erlebnis", sagt Hermus. Worte, die er kurz vor dem Auftritt wiederholen wird. "Ziel des Scratch-Projektes ist nicht die Präsentation; Ziel ist der Weg, die Freude daran, dieses Werk zu erarbeiten."

Ein großes Stück für einen großen Abend: Die geballte Masse der Sänger auf der Stadthallenbühne ist imposant, ihr Gesang umso mehr. Sicher: Es läuft nicht alles perfekt. Dort stehen keine Profis. Aber Fehler des Einzelnen werden überdeckt durch zig andere Stimmen.

Gleiches gilt für den Kinderchor der - übereifrig - der Solistin Stefania Dovhan einen Einsatz wegnimmt. Ein Patzer, den das Publikum allerdings in keinster Weise ankreidet - im Gegenteil. Den Kleinen im roten "Scratch"-T-Shirt fliegen die Sympathien nur so zu.

Dovhan trägt mit ihrem zauberhaften Sopran zum gelungen Abend bei, auch wenn sie zu Beginn Probleme hat, den langen Ton zu halten. Peter Schöne (Bariton) und Richard von Gemert (Tenor) singen die männlichen Soli souverän, ein Leistung, die ihnen am Ende des Abends viel Applaus einbringt. Doch die Stars des Abends sind sie nicht - die stehen hinter ihnen auf der Bühne. Und genießen einen der wohl emotionalsten Augenblicke ihres Lebens.

Von Anke Hoffmann

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1983858/create

Aktuelle Fotos und Videos
Das 10. Rock Hard
Bildgalerie
Festival
Tanzhommage an Queen
Bildgalerie
Kultur Pur 2012
Musiker im ESC Finale
Bildgalerie
ESC 2012
Tanz-Queen Magdalena Brzeska
Bildgalerie
Let's Dance
Aus dem Ressort
Künstler wirft der Documenta-Leitung Zensur vor
Ausstellung
Streit um die Documenta in Kassel: Die evangelische Kirche wollte zur Documenta-Zeit vor einer Kirche ebenfalls Kunst zeigen. Dagegen wehrte sich die Documenta-Leitung - und muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, Zensur zu betreiben.
Türkischem Pianisten Fazil Say droht Haft wegen Tweet
Regierungskritiker
Dem bekanntem türkischen Pianisten Fazil Say drohen eineinhalb Jahre Haft. Say soll auf Twitter den Islam beleidigt haben. Die türkische Justiz ermittelt wegen des Verdachts auf Volksverhetzung. Say hat auch eine Verbindung nach NRW.