Aus dem Stadion an die Staffelei

In Wolfsburg tritt heute die Fußball-Elite zum Auftakt der Bundesliga-Rückrunde wieder gegen den Ball. Bei Katharina Dietlinger werden da sofort Erinnerungen an das Gras, die Grätschen und Großchancen wach, die sie einst in dieser Arena miterlebte. Ihre ganz persönlichen Einblicke von den Fantribünen hat die 31-jährige Künstlerin auf Gemälden verewigt.

Das tat sie nicht nur beim VfL in Wolfsburg, sondern bei allen 18 Bundesligisten, also auch in Dortmund und auf Schalke sowie bei vielen anderen Traditions-Clubs. Katharina Dietlinger ist Deutschlands Meisterin der Stadionmalerei.

70 bis 100 Stunden Arbeit pro Bild

Ihre Treffer landet sie pointillistisch: Auf der Leinwand ist jeder Tupfer daumendick aufgetragen, überall ragen kleine Farbstachel hervor. Aus der Nähe haben die Bilder von Katharina Dietlinger etwas Abstraktes. Tritt man zurück, wandelt sich das Ganze zu einem fußballgesättigten Blick auf eine berühmt-berüchtigte Wand in Schwarz und Gelb – die Südtribüne von Borussia Dortmund. „Ich benutze sehr zähflüssige Farbe mit einem geringen Ölanteil. Deshalb dauert es auch sehr lange, bis die Farbe getrocknet ist“, erklärt die Malerin ihre Technik. Pro Bild „stecken 70 bis 100 Stunden Arbeit drin.“

Dietlinger ist Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Schon während des Studiums war Fußball eines ihrer liebsten Motive. „Vielleicht, weil ich früher selbst gekickt habe“ – als Torfrau beim ambitionierten Dorfverein TSV Winklarn in der Oberpfalz. Doch auch die Stadionbesuche am Studienort beim heimischen „Club“ sorgten für so prägende emotionale Momente, dass sie diese in Bildern festhalten wollte. Nach ersten Versuchen 2005 wuchs die Idee, einmal alle Bundesliga-Arenen abzubilden. Zur Saison 2011/12 begann sie damit, sich diesen Traum zu erfüllen.

Die Malerin sitzt bei der Arbeit aber nicht mit Staffelei und Palette zwischen bierseligen Fanschal-Trägern. Ihre Sicht auf die Welt zwischen Schuss und Schiri hält sie zunächst auf Fotos fest, im Atelier dienen sie als Malvorlage. Die intensivste Erfahrung bei all den Stadionbesuchen hat sie beim BVB gemacht: „Die gelbe Wand ist so gigantisch“, gerät sie ins Schwärmen. Sie nahm ihre Fotos von der gegenüberliegenden Nordtribüne auf. „Von da sahen die Dortmund-Fans wie ein Bienenschwarm aus, wie ein schwarz-gelber Wasserfall.“

Die Arena auf Schalke folgte. Auch sie nicht minder imposant als wogende See aus Blau und Weiß. 2012 waren alle 18 Werke in einer Nürnberger Galerie zu sehen. 2014 zeigte die Junge Kunsthalle Karlsruhe bei einer Ausstellung zur WM Dietlingers Stadionmotive.

Der Kunde ist Fußballfan

Sie lebt aber nicht von Fußballkunst allein, ihr zweites Standbein ist die Landschaftsmalerei. Die Hälfte ihrer Stadionbilder ist bereits verkauft – an Fußballfans vor allem. Und Nachschub naht: Jedes Jahr malt Dietlinger neue Bilder mit Fußball-Motiven – ohne Wiederholung: „Jedes ist ein Unikat.“