Auf einem guten Weg

Berlin..  Wer hätte den Berlinern das noch zugetraut? Der Wiederaufbau des Stadtschlosses liegt voll im Kosten- und Zeitplan. Am 12. Juni ist Richtfest – genau zwei Jahre nach der Grundsteinlegung. Nach dem Debakel um den Hauptstadtflughafen, der Kostenexplosion bei der Staatsoper und der Hängepartie um das Einheitsdenkmal eine selten gute Nachricht.

„Deutschland hat als einzige Nation der Welt die historische Chance, den zentralen Platz der Republik zu Beginn des 21. Jahrhunderts neu zu definieren“, sagt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einem Magazin der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, das eigens zum Richtfest erschien.

Unter dem Namen Humboldtforum soll das rekonstruierte Schloss ab 2019 ein Kunst- und Kulturzentrum werden – ein Ort für den „Dialog der Kulturen der Welt“, wie es anspruchsvoll heißt. Der italienische Architekt Franco Stella spricht gar von den „Uffizien von Berlin“. Vorbild ist das Centre Pompidou in Paris.

In atemberaubendem Tempo haben Bauarbeiter auf dem Schlossplatz gegenüber der Museumsinsel einen gigantischen Betonklotz hochgezogen. 100 000 Kubikmeter Beton und 20 000 Tonnen Stahl wurden verbaut. Die Fassaden sind noch grau und nackt, aber im Inneren lassen die riesigen Räume und die faszinierenden Sichtachsen bereits ahnen, dass hier nicht gekleckert wird.

590 Millionen Euro soll das wohl ambitionierteste Kulturprojekt Deutschlands kosten. Den Löwenanteil trägt der Bund, 105 Millionen Euro für die barocken Fassaden und den Schmuck der Kuppel müssen durch Spenden hereinkommen. Laut Fördervereinschef Wilhelm von Boddien sind bereits mehr als 50 Millionen Euro gesammelt, 36 Millionen gingen bar bei der zuständigen Stiftung ein.

„Ich bin zuversichtlich, dass wir das Geld bis 2019 zusammenhaben“, sagt Bauherr Manfred Rettig, den manche schon gern als Flughafen-Retter sähen. „Wir haben keinen Plan B, weil wir keinen Plan B brauchen.“ Ein anonymer Spender hat bereits das Geld für den Kuppelschmuck überwiesen. Ein anderer ließ sich das ursprünglich gar nicht vorgesehene Eckrondell im ehemaligen Schlafzimmer der Kaiserin 2,5 Millionen kosten.

Jahrelang erbittert gestritten

Neu bauen oder alt rekonstruieren – über diese Frage hatten die Berliner jahrelang erbittert gestritten. 2002 beschloss der Bundestag mit klarer Mehrheit die historische Lösung: Die einstige Preußen-Residenz, im Krieg schwer beschädigt und zu DDR-Zeiten gesprengt, sollte weitgehend originalgetreu wiederaufgebaut werden. Der zwischenzeitlich auf dem Platz entstandene DDR-Palast der Republik wurde wegen seiner Asbestbelastung abgebrochen.

Mancher Berliner sähe an dem prominenten Ort bis heute lieber eine moderne Architektur-Ikone als monarchischen Retro-Look – dennoch konzentriert sich die Debatte inzwischen eher auf Inhalte. Künftige Nutzer werden die Humboldt-Universität, das Land Berlin und vor allem die Stiftung Preußischer Kulturbesitz sein.

Die Stiftung will ihre ethnologische und asiatische Sammlung neu präsentieren und eine Brücke zur europäischen Kunst auf der benachbarten Museumsinsel schlagen. „Der Blick wird sich radikal ändern“, verspricht Stiftungspräsident Hermann Parzinger, während Kritiker eine Art neues Völkerkundemuseum befürchten.

Und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sorgte erst kürzlich für Verwirrung, als er statt der lange geplanten Ausstellung „Welt der Sprachen“ unter dem Titel „Welt.Stadt.Berlin“ eine Schau zur Stadtgeschichte ankündigte.

Kulturstaatsministerin Grütters zog im April ihren großen Joker aus der Tasche. Danach soll der Brite Neil MacGregor, der Pop-Star unter den internationalen Museumsdirektoren, als Leiter einer „Gründungsintendanz“ dem eher verkopften Projekt ein populäres Profil geben.

„I hope we find a way to make this noble project happen“, schrieb der Direktor des British Museum in London schon 2012. „Ich hoffe, wir finden einen Weg, dieses noble Projekt umzusetzen.“