Armes Nigeria!

Teju Cole liebt sein Heimatland, keine Frage. Doch die Zustände, auf die er bei seiner Rückkehr aus Amerika in Nigeria trifft, sind alles andere als liebenswert. Wie eine Art Tagebuch liest sich Coles schmaler Roman „Jeder Tag gehört dem Dieb“, den der Autor mit eigenen Fotos angereichert hat. „Die Straßen sind voll von Leuten, die nur nach Opfern suchen“, erkennt Teju Cole. An anderer Stelle liest man: „Ein hoher Regierungsbeamter, der öffentliche Mittel veruntreut, ist vollkommen normal.“ Oder auch: „Weil jeder eine Abkürzung nimmt, funktioniert nichts, und das ist wiederum der Grund, abermals eine Abkürzung zu nehmen.“ Teju Cole schreibt ein schonungsloses Porträt von Nigeria, vor allem von der Hauptstadt Lagos. Das ist erhellend und erschütternd zugleich. Der Leser erfährt viel über ein Land, das sich offenbar längst jenseits des Abgrundes befindet.

Teju Cole:

Jeder Tag gehört
dem Dieb

Hanser Berlin

175 S., 18,90 Euro

Schonungslos einfühlsam