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Area4 – ein heißer Sommerurlaub mit hartem Rock

19.08.2012 | 13:10 Uhr
Rapper Casper hält das Publikum beim Area4 in Atem.Foto: Dirk Bauer // WAZ FotoPool

Lüdinghausen.   Beim Area4 in Lüdinghausen genießen rund 16.000 Besucher bei knapp 40 Grad in der Sonne einen Sommerurlaub mit Rockmusik. 150 Fans sammeln allerdings fleißig Müll, stellen Tische auf und regeln den Verkehr – und das auch noch freiwillig.

Ungnädig knallt die Sonne vom Himmel. In Badehosen liegen die Besucher des Area4-Festivals unter ihren Pavillons und halten die Füße ins Planschbecken. Müde fächeln sie sich Luft zu. Es ist viel zu heiß.

Anny Wijono trägt statt Bikini eine blaue Warnweste. Bewaffnet mit Müllzange und Plastikbeutel marschiert sie zielstrebig über den Campingplatz. Im Visier: verbeulte Ravioli-Dosen, Plastikbecher, alte Taschentücher. Die 24-Jährige ist eine von 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Lotsenprojekts, das in diesem Jahr beim Area4 Premiere feierte.

Blick hinter die Kulissen beim Area4

„Klar, ich könnte mir jetzt Bands anschauen oder im Schatten liegen. Aber ich helfe einfach gern“, erklärt die Hamburgerin ihre Motivation, während sie eine Würstchenverpackung vom Weg aufhebt und in den Müllsack stopft. „Außerdem arbeiten einige von uns auch hinter den Kulissen, zum Beispiel bei der Verpflegung der Bands und im VIP-Bereich. Das ist schon ziemlich spannend.“ Nicht zuletzt bekommen die Lotsen aber auch freien Eintritt und haben einen eigenen Campingplatz.

Fans schwitzen beim Area4

Dass sie Müll aufsammelt, während die anderen Festival-Besucher daneben in ihren Campingstühlen entspannen, macht der Hamburgerin nichts aus. „Wir bekommen so viel positive Resonanz“, betont sie. Blöde Sprüche? „Fast nie. Die meisten freuen sich doch, wenn aufgeräumt wird.“ Die Veranstalter bekommen durch die Lotsen zudem wertvolle Rückmeldungen über Probleme der Gäste auf dem Festivalgelände.

Härtere Bands beim Area4

Einziges Manko des Jobs: Alle Bands können die freiwilligen Helfer nicht sehen. Vier bis sechs Stunden sollen sie pro Tag arbeiten. Dabei hat das Line-up einige Perlen zu bieten. „Wir sind in diesem Jahr härter und haben kommende Bands buchen können wie Kvelertak, Every Time I Die oder Touché Amoré“, erklärt Andreas Möller vom Konzertbüro Schoneberg. ffensichtlich eine gute Wahl: Selbst in quälender Hitze kommen die Fans vor die Bühne oder ins Zelt, das insbesondere am Nachmittag eher einer Sauna gleicht. Drei Lieder - spätestens dann sind alle T-Shirts durchgeschwitzt. Nur hartgesottene Fans hören sich das ganze Set an.

Heißes Area 4

Den Massengeschmack trifft da schon eher die Punkrockband Social Distortion. Wie galant  Sänger Mike Ness das Publikum dirigieren kann! Und schick hat er sich gemacht: Mit seinen weißen Schuhen, den Hosenträgern und den gegelten Haaren erinnert er an einen Kavalier der alten Schule. Auch wenn er mit 50 Jahren der Vater einiger Fans sein könnte - sein Charme kommt immer noch an.

Trotz der sengenden Hitze feiern die rund 16.000 Fans die Bands durchgehend mit sportlichem Ehrgeiz. Und die Künstler schonen die Menge nicht. Bei den Donots rudert das Publikum auf dem Boden sitzend. Pulled Apart By Horses lassen die Menschen vor der Bühne im Kreis rennen. Und der Auftritt von Casper gerät gar zur Turnstunde. „Alle Hände hoch, und die ganze Menge springt“, fordert der Rapper. „Und jetzt drehen bitte alle durch.“ Die Masse folgt artig und verausgabt sich in der Sonne bis zur Ekstase. Das Area4 ist in diesem Jahr ein Sommerurlaub mit Rockmusik.

Annika Rinsche


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