Das aktuelle Wetter NRW 13°C
75. Geburtstag

Anthony Hopkins' später Ruhm als Filmbösewicht

30.12.2012 | 19:16 Uhr
Anthony Hopkins' später Ruhm als Filmbösewicht
Der britische Schauspieler Anthony Hopkins lacht während eines Interviews in New York im November 1978.Foto: dapd

Santa Monica.   Als andere schon ihre Karriere hinter sich hatten, gelang Anthony Hopkins erst der Durchbruch: „Das Schweigen der Lämmer“ brachte ihm einen Oscar, die Rolle des Kannibalen Hannibal Lecter sichert ihm einen ewigen Platz in der Liste der Filmbösewichte.

Man findet gewiss Menschen, die hätten einen dicken Kloß im Hals, wenn Sir Anthony Hopkins ihnen eine Einladung zum Geburtstagsessen zukommen ließe. Aber Hopkins ist nun mal nicht Hannibal Lecter – und alle Befürchtungen, höchstpersönlich als Hauptgericht zu enden, sind reichlich übertrieben. Es gibt ja schließlich auch noch raffinierte Rezepte für Vorspeisen und Desserts.

Man mag darüber lamentieren, ob es Fluch oder Segen für einen Schauspieler ist, den größten Filmbösewicht der Geschichte verkörpert zu haben, noch vor Darth Vader und Norman Bates. Doch die 16 Minuten, in denen Anthony Hopkins 1991 in Jonathan Demmes „Das Schweigen der Lämmer“ zu sehen war, haben sich tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Weil Hopkins als Lecter dem Bösen eine ungeahnte, beängstigende intellektuelle und kultivierte Note verlieh – in Verbindung mit seiner Triebhaftigkeit ging sie unter die Haut.

Hopkins heute: Mit Stella Arroyave ist er seit zehn Jahren verheiratet.Foto: dapd

Viele Jahre ein Schauspieler der zweiten Reihe

Am heutigen Silvestertag wird Hopkins 75 Jahre alt, gewiss feiert der Waliser mit Freunden – und ebenso gewiss wird keiner von ihnen dabei zu Schaden kommen. Dennoch markiert die oscargekrönte Rolle des Kannibalen Hannibal („Bereit, wenn Sie es sind!“) einen Wendepunkt im Leben eines Schauspielers, der bis dahin zwar geschätzt war, doch immer mit einem Platz in der zweiten Reihe vorlieb nehmen musste.

Plötzlich durfte Hopkins sich die Filme aussuchen – und ihm gelangen einige Meisterstücke als subtiler Charaktermime. Etwa als Butler James Stevens in „Was vom Tage übrig blieb“ (1993), der derart in der Hingabe zu seinem Beruf aufgeht, dass er nicht fähig ist, seine Gefühle zur Haushälterin Sally (Emma Thompson) zu gestehen – und sie doch unter der Steifheit seines Äußeren hervorblitzen ließ. Männer im Würgegriff gesellschaftlicher Konventionen, darin liegt eine Stärke des Anthony Hopkins.

Als der Durchbruch kam, hatte Hopkins eigentlich schon den großen Ambitionen abgeschlossen. Er war zwar in großen Filmen dabei: „Die Brücke von Arnheim“ (1977), in dem seine Hauptrolle in einem Meer starbesetzter Nebenrollen unterging; Lynchs „Der Elefantenmensch“ (1980), wo er als Psychiater vom entstellten John Hurt in den Hintergrund gedrängt wurde; „Die Bounty“ (1984), in dem er als Captain Bligh einen rebellierenden Mel Gibson natürlich nicht übertrumpfen konnte.

Meisterlich: Hopkins als Butler James Stevens in „Was vom Tage übrig blieb“ (1993).Foto: Verleih

Meist suchte Hopkins seine Rollen nach Bezahlung aus

26 Jahre stand Hopkins vor der Kamera ohne die Anerkennung, die seiner Schauspielkunst da schon hätte zuteil werden können – die Zeit am Theater nicht mitgerechnet. Dort war er für sein ungestümes, damals noch vom Alkohol befeuertes Temperament berühmt, etwa als er 1973 am Londoner National Theatre den Macbeth gab und über den Regisseur dermaßen erzürnt war, dass er von der Bühne rannte und nicht wieder gesehen wurde. Aus dieser Zeit stammt wohl der Satz: „Ich mag Shakespeare nicht, ich hänge lieber in Malibu rum.“

Tatsächlich kann man Hopkins nicht vorwerfen, in der Wahl der Rollen zimperlich zu sein. So spielte er im grauenhaften Animationsfilm „Beowulf“, nahm eine Nebenrolle in „Mission Impossible II“ an und streut immer wieder billige Psychothriller ein. Was heißt: Stimmt das Geld, spielt Hopkins auch in schlechten Filmen mit – aber schlecht sind sie seinetwegen nie.

Bald im Kino: Anthony Hopkins ist kaum wiederzuerkennen als „Hitchcock“

Hopkins' nächste Rolle ist ein Meisterregisseur

Und zwischendurch, da holt er immer wieder zum großen Schlag aus: Als nächstes werden wir Hopkins, der privat Klavier spielt, komponiert und malt, im kommenden Jahr als „Hitchcock“ an der Seite von Helen Mirren sehen. Seine Ähnlichkeit mit dem Meisterregisseur tendiert zwar gegen Null. Doch dass er mit einer guten Maske und einem beherzten Schnitt seine beste Arbeit abliefert, das haben wir ja bereits bei Hannibal bezeugen dürfen.

Georg Howahl



Kommentare
31.12.2012
14:51
Anthony Hopkins später Ruhm als Filmbösewicht
von Ismet | #1

Liebes Moderatorenteam,

Schauen sie sich folgende Textpassage an und ändern sie es dementsprechend:

"Was heißt: Stimmt das Geld, spielt Hopkins auch in schlechten Filmen mit – aber schlecht sie sind nie seinetwegen."

Sollte es nicht nach dem Bindestrich folgend heissen?
aber schlecht sind sie seinetwegen nie.

Wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr.

1 Antwort
Anthony Hopkins später Ruhm als Filmbösewicht
von Moderation | #1-1

Absolut richtig. Danke für den Hinweis - ändern wir.
Guten Rutsch

Aus dem Ressort
Lars von der Gönna lässt die Dinge über uns spotten
Buch
Der Essener Kulturredakteur hat ein Buch mit seinen schönsten Glossen zusammengestellt. Die meisten fangen mit „Neulich“ an und handeln von den Menschen nebenan und ihrem Alltag zwischen Bäckerei, Gefriertruhe und Badehose. Und als Bonus-Track gibt’s ein Dutzend „Ehegespräche“ dazu.
Die Theaterspielzeit beginnt - Das sind die Premieren
Theater
Vorbei die Zeit des geschlossenen Vorhangs von Dortmund bis Moers. Die Theater der Region stehen in den Endproben, legen bald mit den ersten Spielzeit-Premieren ihre Visitenkarten für die neue Saison vor.Manche setzen sehr auf Klassiker, anderen wagen mehr Experimente. Eine Übersicht.
„I AM“ erzählt vom Ersten Weltkrieg auf den Fiji-Inseln
Ruhrtriennale
Ein Requiem der besonderen Art. Wie weit der Erste Weltkrieg nach Menschenleben griff und Existenzen vernichtete, erzählt eine Tanz-Produktion der Ruhr Triennale. 100 Jahre nach 1914 beschreibt „I AM“, wie die Vernichtung selbst kleine Inselvölker auf der anderen Seite der Erde erreichte.
Lieberberg darf sein Festival doch "Rock am Ring" nennen
Rock-Festival
Erfolg für Konzertveranstalter Marek Lieberberg: Der "Rock am Ring"-Macher darf sein Festival auch nach dem Weggang vom Nürburgring weiter so nennen. Das hat das Oberlandesgericht Koblenz am Freitag entschieden. Wo das Festival im kommenden Jahr stattfindet, steht noch nicht endgültig fest.
"Bang Boom Bang" - der Ruhrpott-Kultfilm feiert Geburtstag
Kultfilm
15 Jahre ist es her, das die Ruhrgebietskomödie „Bang Boom Bang“ auf den Kinoleinwänden gezeigt wurde. Als Kleinganove „Schlucke“ ist Martin Semmelrogge bei vielen Fans unvergessen. An die Dreharbeiten erinnert sich der Schauspieler, als ob es gestern gewesen wäre.
Umfrage
Die Städte in NRW fordern viele Millionen von Bund und Land, um marode Straßen zu reparieren . Wie zufrieden sind Sie mit dem Zustand der Straßen?
 
Fotos und Videos