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Kabarett

Annamateur - soviel Format passt in keine Schublade

07.07.2008 | 07:40 Uhr

Düsseldorf. Eine musikalisch-komische Entdeckung aus Dresden: Anna Maria Scholz begeistert im Kom(m)ödchen.

Noch vor einem Jahr nur einer Insidergemeinde bekannt, hat Anna Maria Scholz es in Nullkommanix auf alle wichtigten Kleinkunstbühnen und in sämtliche Kabarett-Fernsehshows geschafft. (Foto: NRZ)

Alles an Anna Maria Scholz alias "Annamateur" ist gewaltig. Das opulente Haupthaar steht der Dresdnerin zu Berge, ihr (Resonanz-)Körper ist schon mal im Weg beim Blick auf die Set-List ("Das kommt davon, wenn man so große Brüste hat"), die komisch-charismatische Aura hat die Bühne des Düsseldorfer "Kommödchen" am Donnerstag in Null-Komma-Nix gefüllt. Dann macht die Gewinnerin des Deutschen Kleinkunstpreises 2008 den Mund auf und röhrt, zwitschert, schmachtet, brilliert ins Mikrophon. Sie bedient und widerlegt in einem Atemzug alle Klischees über Frauen und Musik. Und hat man die Assoziationen mit Jazz-Musen, Opern-Diven oder Vollblut-Rockröhren erstmal beiseite gelegt, steht einem fantastischen Abend mit Annamateurs "Walgesängen" nichts mehr im Weg.

Zwischen Blues, Soul und Jazz, Poesie und Klamauk singt sie von Wahrsagerinnen, Groupies und Nutella. "Frauenthemen" eben, derbe-humorvoll und auch für Männerlacher kompatibel. Begleitet und ergänzt wird sie vom Trio "Außensaiter": Stephan Braun am Cello und den Gitarristen Reentko Dirks und Daniel Wirtz. Sie sind nicht nur virtuose Instrumentalisten, sondern auch Objekte der An- und Auszüglichkeiten ihrer omnipräsenten Frontfrau. Ein bisschen weiblich-musikalischer Sexismus - beim Düsseldorfer Publikum kommt's an.

Neben eigenen Stücken und Instrumentals in wechselnder Besetzung gibt es Cover-Versionen nach Nirvana, Michael Jackson oder Tom Waits. Zwischendurch holt Annamateur die Blockflöte raus, animiert zu Mitmach-Stücken, die dann - so'n Glück - nicht gespielt werden und lässt sich zur bizarr-parodistischen Ein-Frau-Schau hinreißen.

Blockflöte raus und mitmachen!

Jiddischer Tango und eine Improvisation über Glattstirn-Kaimane liefern den letzten Beweis dafür, dass keine noch so große Schublade genügend Platz für diese Frau und ihre musikalische Bandbreite bieten kann. (NRZ) Letzte Chance, Annamateur kennenzulernen: heute, 20 Uhr, im "Kom(m)ödchen". Tickets unter Tel: 0211 329443.

Katja Grawinkel

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