„Anklage“ - Der neue Thriller von John Grisham erscheint im März

Wenn John Grisham ein Buch schreibt, stehen die Chancen gut, dass es ein Bestseller wird.
Wenn John Grisham ein Buch schreibt, stehen die Chancen gut, dass es ein Bestseller wird.
Foto: getty
Was wir bereits wissen
Fast im Jahres-Rhythmus veröffentlicht US-Bestseller-Autor John Grisham neue Bücher. „Anklage“, sein neuester Thriller steht in den Startlöchern und erscheint im März. Am Wochenende feiert der Schriftsteller seinen 60. Geburtstag.

Washington.. Ewigkeitskosten kennen sie beim Bergbau im Hillbilly-Niemandsland der Appalachen nicht. Gibt ja keine stillgelegten Gruben, in denen der Wasserspiegel in Schach zu halten wäre. Auf der Jagd nach Kohle wird zwischen den US-Bundesstaaten West-Virginia und Kentucky Mutter Erde einfach der Kopf abgeschlagen: „Mountaintop Removal Mining“ heißt die Methode, der seit Ende der 70er-Jahre 600 Bergkuppen zum Opfer fielen. Erst wird der Laubwald abgeholzt, dann platzieren Sprengmeister Dynamit. Nach dem Knall liegen die Flöze frei. Schutt und Geröll werden im Tal verklappt. Von oben sieht die Gegend, zweimal so groß wie das Saarland, aus wie eine geschundene Einöde im Science-Fiction-Film.

In diesem Biotop hat John Grisham seine frei erfundene und doch minutiös der Realität entlehnte Geschichte „Gray Mountain“ angesiedelt. Seit Wochen führt das jüngste Buch des Vielschreibers, der am Sonntag 60 Jahre alt wird, die US-Bestsellerlisten an; „gray“ wie grau – aber auch halblegal. Anfang März kommen die Erlebnisse von Samantha Kofer in Deutschland unter dem Titel „Anklage“ in die Regale.

Was Anhänger des gelernten Anwalts, der seit seinem Erstling „Die Jury“ 1989 das Genre des Justiz-Thrillers okkupiert, nicht schrecken wird. Und Neulinge nicht davon abhalten sollte, den frischesten Fußabdruck des Baumwollfarmer-Sohnes aus Arkansas auf dem Literaturmarkt genauer in Augenschein zu nehmen. Es lohnt sich.

Literatur Kofer, eine hoffnungsvolle Anwältin, wird in der Finanzkrise 2008 von ihrer New Yorker Kanzlei freigesetzt. Für Gotteslohn soll sie sich in Brady, West-Virginia, einem erfundenen Nest im Kohledistrikt, in einer Beratungsstelle für Bergbaugeschädigte verdingen. Staublungen, Raubbau an Berg und Tal, Hungerlöhne, Familien, die an der Armutsgrenze kratzen, mit Drogen und anderer Unbill kämpfen und von Anwälten der Kohle-Industrie aufs Kreuz gelegt werden: Das Ausmaß des Elends, das der verwöhnten Großstadt-Tochter unter die Augen tritt, lässt sie zur Umweltaktivistin werden; bewaffnet nur mit Paragrafen und Entschlossenheit.

Nuancen in homöopathischen Dosen

Nuancen sind im neuen Grisham wie so oft nur in homöopathischen Dosen zu finden. Fisimatenten, die das Erzähltempo drosseln, gar nicht. Schwarz-Weiß regiert am „Grauen Berg“. Da, wo ein Kohlekonzern die Politiker vor Ort in Grund und Boden besticht. Und der kleine Mann von Glück sagen kann, wenn Justitia „Big Coal“ ab und zu Knüppel zwischen die Breitbeinigkeit wirft. Realitätsbezug? Reichlich. Don Blankenship, Chef von Massey Coal Co., half 2004 bei der Wahl eines Richters am höchsten Berufungsgericht West-Virginias. Als Gegenleistung wurde ein geschmeidiges Urteil in einem Verfahren gegen Massey Coal erwartet.

Die Kritik hat Grishams Versuch, den Umweltfrevel einer durch Präsident Obamas Klimagesetzgebung zum Tode verurteilten Industrie in süffigen Lesestoff zu packen, wohlwollend aufgenommen. „Wenn es jemals einem bedeutenden Schriftsteller gelang, unsere zunehmend schamlose Gesellschaft anzuprangern, dann in Gray Mountain“, sagt die Washington Post. Was Grisham nicht weiter jucken wird. Mit 300 Millionen verkauften Exemplaren liegt er außerhalb jeder ökonomischen Gefahrenzone. Ein Privatjet bringt den Gebrauchsliteraten zu seinen Faktenfinder-Touren. Die Sicht auf den „Black Mountain“ soll den Autor besonders beeindruckt haben: Eine Bergseite ist grün und unversehrt. Die andere Flanke gleicht einer Mondlandschaft. Dem von der Kohle-Industrie vergewaltigten Berg hat Grisham ein eindrucksvolles Denkmal gesetzt.