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Am Himmel wandre ich

07.12.2007 | 20:38 Uhr

Mit Karlheinz Stockhausen ist einer der bedeutendsten Gegenwartskomponisten gestorben.Er war ein Pionier der Avantgarde und nahm Einfluss auch in der Pop-Musik

Essen. Karlheinz Stockhausen ist gestorben. Mit 79 Jahren in Kürten. Am 5. Dezember. Stockhausen war einer der wichtigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts, dem sogar die Beatles auf ihrem Album "Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band" huldigten.

Lange Jahre war er beinahe ein Unzeitgemäßer. Kosmische Energien gegen nüchterne Ordnung im Umgang mit dem musikalischen Material, messianischer Geist gegen kritische Vernunft - mit solchen Schlagworten kam man einem der bedeutendsten Komponisten der aktuellen Musikgeschichte kaum näher. Denn mehr als ein Jahrzehnt lang erreichte jedes Werk Stockhausens eine weitere revolutionäre Stufe. Was Schönberg und Webern in Abkehr von der überbordenden Spätromantik begonnen hatten, setzte er mit fortschreitend konstruktiven Elementen fort. So führte er als Mitbegründer der seriellen Musik, die mit genauesten Festlegungen arbeitet, als erster konsequent die Kategorie Klangfarbe ein ("Kontra-Punkte", 1953). Selbst die Position der Lautsprecher oder die räumliche Aufgliederung des Orchesters ("Gruppen", 1955/57) ist Teil des seriellen Ordnungsgefüges. Die Sprengkraft entsteht gerade durch das spannungsreiche Verhältnis von Bestimmung und Freiheit.

Wenn Stockhausen durch etwas Popularität erzielte, war es seine elektronische Musik; das war es, was auch die Beatles (und Pink Floyd) inspirierte. Sein Weg führte ihn zielstrebig dorthin, weil er mit den nahezu unbegrenzten technischen Möglichkeiten ein noch saubereres Klangbild erzeugen konnte, weil er - und das ist wesentlich - ohne die Abhängigkeit vom Interpreten alles regeln konnte.

Im "Gesang der Jünglinge" (1955/56), einem Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, mischte der Komponist elek-tronische Klänge mit unterschiedlich verfremdeten Knabenstimmen: "Wo immer aus den Klangzeichen der Musik für einen Augenblick Sprache wird, lobt sie Gott."

Karlheinz Stockhausen, am 22. August 1928 in Mödrath bei Köln geboren und in ärmlichen, katholisch geprägten Verhältnissen aufgewachsen, war in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts einer der aufregendsten und anregendsten Künstler. Wie Henze (aber ganz anders) eine Ausnahmeerscheinung auch international. Dass er u. a. bei Messiaen studierte, blieb unverkennbar. Seine Kunst nähert sich in vielen Momenten dem Mystizismus. Stücke wie "Am Himmel wandre ich", jene "Indianerlieder", sind ritualisierte Musik. Ich erinnere mich noch an eine Aufführung bei den "Wittener Tagen für neue Kammermusik".

Mit "Mantra" für zwei ringmodulierte Klaviere schlug Stockhausen 1970 eine neue Richtung ein. Die Arbeit mit "Formeln", die als Tonfolge eine Keimzelle bilden, bestimmte dann sein Schaffen. Und: die perfekt beherrschte Live-Elektronik. Sie verfremdet Instrumentales oder Vokales, hat psychedelischen Reiz und greift zu den Sternen.

Den "Sternenklang" von 1971 sah Stockhausen als "Vorbereitung auf Wesen von anderen Sternen". Sein Blick ging über diese Welt hinaus, sein Schaffen zielte auf Weltmusik ("Hymnen"). Auch deshalb hielten ihn manche für größenwahnsinnig, gar imperialistisch. Karlheinz Stockhausen, der gerne im Kreise seiner emsigen Musikerfamilie auftrat, schrieb seit 1977 an dem musikdramatischen Zyklus "Licht", der in einzelne Wochentage gegliedert ist. Es handelte sich nach Wagners "Ring" um das ehrgeizigste Projekt dieser Art.

Stockhausen, für viele Menschen in der ganzen Welt das Synonym für den musikalischen Aufbruch, veröffentlichte 362 Werke. Er sagte einmal: "Die berühmte deutsche Kultur ist nichts anderes als der letzte Coca-Cola-Abklatsch."

Von Michael Stenger

Kommentare
15.12.2007
02:11
Am Himmel wandre ich
von Albert Hoffmann | #2

Er wird auf Sirius sein und weiter in seinen Werken für uns

Nada Brahma
Albert Hoffmann

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