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Als wär's ein Stück von Lear

04.10.2009 | 16:55 Uhr

Köln/Bochum. Shakespeares alter König, neu inszeniert in Köln und Bochum. Dass es das selbe Stück ist, mag man kaum glauben.

Am Schauspielhaus Bochum ist Shakespeares König Lear ein alter Mann am Tropf (Klaus Weiss), der aus Gesundheitsgründen ans Abdanken denkt. In Köln steckt eine Frau (Barbara Nüsse) im schäbigen grauen Anzug, ein barscher Beamtentyp auf dem Weg in die Rente, die er von seinen drei Töchtern als Gegengabe für sein Reich einfordert. Dass es das selbe Stück ist, das im Abstand von nur sechs Tagen an zwei NRW-Bühnen Premiere hatte, mag man angesichts der Gegensätzlichkeit kaum glauben.

Shakespeares düsteres Drama beginnt wie im Märchen: Ein König will sein Reich an die drei Töchter verschenken, die dem eitlen Vater dafür mit ihrer Liebe schmeicheln sollen. Cordelia aber verweigert sich und antwortet auf die Frage, was sie zu sagen habe: „Nichts!” Die anderen lassen nach Erhalt der Ländereien ihre Masken fallen, erniedrigen ihren Erzeuger und überschütten den seinen Verstand verlierenden Mann mit Hohn.

Das „Nichts” der Cordelia gebiert das Chaos. Das Ende aller Bindungen, dargestellt auch am Schicksal Gloucesters und seiner gegensätzlichen Söhne, setzt eine Mordmaschinerie in Gang, der nur wenige zu entgehen wissen. „Ene, mene miste, es rappelt in der Kiste”, wie es in Köln auf den Kinderreim gebracht wird.

Karin Beier hat sich offenbar vorgenommen, mit ihrer Inszenierung das Erbe eines Jürgen Gosch anzutreten. Seinen Bühnenbildner hat sie schon: Johannes Schütz hat einen seiner wundersam leeren Räume geschaffen, der zur Rampe hin durch eine Mauer aus Lehmziegeln abgetrennt ist. Sechs Frauen nur treten bei Beier an, diese Bühnenwelt systematisch zu zerstören. Barbara Nüsse in der Titelrolle macht dabei die beste Figur: Aus einem grauen Herrscher treibt ein geistverwirrtes Kind hervor, das durchnässt und zittrig durch eine Welt jagt, an der ihr Verstand zerschellt ist.

Alle anderen haben nicht das Glück einer scharf konturierten Figur. Sie müssen auf offener Szene die Kleider wechseln, um mal Tochter, Gloucester-Sohn und Narr zu sein – und manchmal weiß man schon nicht mehr, wo wer endet oder anfängt. Wie man schließlich überhaut kaum weiß, was hier gespielt wird. Für Karin Beier besteht Chaos vor allem aus Schreien, Wasserkaskaden, Steine zerdeppern, Sauerei anrichten. Die Intendantin, die viel zum Neuerblühen der Kölner Bühne beigetragen hat, setzt hier allzu viel aufs Spiel. Und Gosch winkt nur aus weiter Ferne.

Elmar Goerden hingegen sucht in Bochum die Vernichtung nicht im Äußeren, sondern verlegt den Wahnsinn nach innen. Das Personal trifft sich zu Beginn in Lears Salon zu Smalltalk und Partygeplauder. Am Ende, wenn kaum noch einer lebt, werden die Leichen vom allgegenwärtigen Narren (der hier auch Bote, Kommentator und Mörder ist) noch einmal in alter Anordnung drapiert – ein schauerliches Schlussbild.

Bei Goerden findet die Zerstörungskraft des Bösen vorwiegend in gediegen eingerichteten Räumen statt. Hier wacht der geblendete Gloucester plötzlich sehend wieder auf, geht glücksstrahlend ins Bad und kommt schreiend mit blutigen Augenhöhlen wieder zum Vorschein. Was man Alptraum wähnte, ist scheußliche Realität. Und wie Klaus Weiss hier seinen Lear verzweifelt sich stemmen lässt gegen die Unordnung in seinem Kopf, umso ungehinderter reifen die Psychopathen in der jüngeren Generation heran. Michael Lippold als monströser Bastard Edmund sticht da mit seiner Kälte besonders hervor.

In Bochum ist ein „Lear” zu besichtigen, der nicht die Apokalypse zeigen will, sondern den Weg zu ihr – Eifersucht, Geilheit, Gier und nicht zuletzt die Verachtung des Alters. Wer Köln nicht mehr versteht, weil er das Stück nicht parat hat, in Bochum erhält er dankbare Transparenz.

Termine für König Lear:

Köln: 7., 24., 27. Oktober; 8., 15., 27. November. Kartentelefon: 0221/221-28400.

Bochum: 5., 10., 28. Oktober; 1., 15., 27. November. Kartentelefon: 0234 / 3333-5555.

Arnold Hohmann

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Kommentare
05.10.2009
11:52
Als wärs ein Stück von Lear
von Enttäuscht | #1

Ein völlig unnützer, unnötiger, nichtssagender Beitrag!
Wenn man mit der WIedergabe der Programmhefte und Beschreibung von Fotos, die ich mir auch ohne weiteres online ansehen kann, Geld verdienen kann werde auch ich mich mal um einen solchen Job bemühen.

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