Adler-Olsen-Verfilmung "Schändung" ist düster und episch

Filmszene mit Pilou Asbæk als Ditlev Pram
Filmszene mit Pilou Asbæk als Ditlev Pram
Foto: NFP Filmverleih/Christian Geisnaes
Was wir bereits wissen
Die zweite Adler-Olsen-Verfilmung hält sich eng an die Buchvorlage. Wie es sich für nordische Krimis gehört, gibt „Schändung“ sich düster und episch.

Essen.. Die zweite Verfilmung eines Romans von Jussi Adler-Olsen meldet sich in den Kinos an, und „Schändung“ hält sich wie zuvor „Erbarmen“ eng an die Buchvorlage. Ungeklärt und verjährt, das sind die Fälle, die im Polizeikeller landen. Hier werden sie dann noch mal vom Sonderdezernat Q durchgegangen, womit die Ermittler Mørck (Nikolaj Lie Kaas) und Assad (Fares Fares) und ihre neue Sekretärin ins Spiel kommen.

Diesmal ist es ein zwanzig Jahre zurückliegender Fall, der dem chronisch schlecht gelaunten Mørck nur deshalb ans Herz wächst, weil ein Ex-Kollege ihn darum bat – und sich dann das Leben nahm.

Dunkelste Ziele

Es geht um den Mord an einem Geschwisterpaar, dessen Leichen in der Nähe eines Elite-Internats aufgefunden wurden. Zwar rücken erste Ermittlungen drei Personen in den Brennpunkt des Interesses; doch sowohl der reiche Geschäftsmann Pram als auch sein ebenso reicher Freund Dybbøl geben sich unschuldig, unantastbar und keineswegs bereit, die Ermittlungen zu unterstützen.

Es gibt aber noch eine dritte Person, eine Frau, die schon kurz nach dem Verbrechen von der öffentlichen Bühne verschwand. Ge­nau die will Mørck ausfindig machen, aber diese Idee hatten auch schon andere. Und sie verfolgen dunkelste Ziele.

Es gibt vermutlich keine Krimimafia in Skandinavien, aber es erscheint sehr wahrscheinlich, dass die Erfolgsautoren bereit sind, sich gegenseitig inspirieren zu lassen. Die zweite Adler-Olsen-Verfilmung leiht sich zahlreiche Versatzstücke aus Stig Larssons Millenium-Trilogie und scheint auch im Nesser- und Mankell-Kosmos bewandert.

Ausgesuchte Ekelschocks

Daraus muss man nicht ableiten, dass man nach Sichtung eines Skandinavienkrimis auch automatisch alle anderen kennt. Die Tendenz zum bizarren Mordszenario und das Abtauchen in enorm widerliche Seelenabgründe sind als Stilmittel nur allzu bekannt und man gibt ungeniert damit an. Dem Spannungspegel schaden die ausgesuchten Ekelschocks weniger als die allzu auffälligen Zufälle und Ungereimtheiten in einem Spiel, das sich düster und episch gibt, dabei aber doch wieder nur nach Fernsehen aussieht, was es wegen der Produktionshintergründe ja in der Tat ist. Wer das Buch kennt, wird mit solider Bewegtbildillustration bedient; nicht mehr, aber auch nicht weniger.