25 Jahre "Das Phantom der Oper" in Deutschland

Seit einem Vierteljahrhundert unverändert: "Das Phantom der Oper".
Seit einem Vierteljahrhundert unverändert: "Das Phantom der Oper".
Foto: Stage Entertainment
Was wir bereits wissen
Vor 25 Jahren feierte das Erfolgsmusical "Das Phantom der Oper" in Hamburg Deutschlandpremiere. Ab November gastiert es erneut in Oberhausen.

Hamburg.. Es ist ein Phantom, eine Erscheinung also nur. Aber dafür es ist es weit herumgekommen. 27 Länder hat es gesehen und 151 Städte, hat in 13 Sprachen – darunter auch Mandarin – vor mehr als 140 Millionen Menschen gesungen. Das macht das Phantom der Oper zum erfolgreichsten Musical aller Zeiten. Am 12. November kehrt es zurück in Ruhrgebiet. Nicht nach Essen, wo es schon mal war, sondern ins Metronom Theater nach Oberhausen. Heute vor 25 Jahren feierte das Singspiel in Hamburg seine Deutschland-Premiere. Wobei feiern eigentlich das falsche Wort ist.

Zusammenschluss Spät am Abend des 29. Juni ist Phantom-Komponist Andrew Lloyd Webber „wütend“. Und „schockiert“ ist er auch. Ausgepfiffen haben maskierte Demonstranten ihn und seine Frau Sarah Brightman an diesem lauen Sommertag in Hamburg.

Haben die geladenen Gäste vor der „Neuen Flora“ mit Steinen, Eiern und offenen Bierdosen beworfen, Autos in Brand gesetzt und Scheiben eingeschlagen, bis knapp 4000 Polizisten mit Wasserwerfern für Ruhe und so etwas wie Ordnung sorgen. Der Protest vor der Tür gilt der „Kommerzkultur“, die drinnen nun jeden Abend zelebriert werden soll – sofern die autonome Szene das Theater nicht in Schutt und Asche legt, wie viele aus dem Ensemble nach der Premierennacht befürchten.

Ab November im Ruhrgebiet

Doch am nächsten Tag ist der Spuk draußen vorbei. Auf der Bühne aber geht er weiter. Tag für Tag, Woche für Woche. 4400 Vorstellungen lang kämpft das – anfangs von Peter Hofmann gespielte – Phantom vergeblich um seine große Liebe Christine, bis elf Jahre später der letzte Vorhang in der Hansestadt fällt.

Sanierung Das Phantom der Oper zieht nach Stuttgart, dann nach Essen und kehrt nach einer Pause wieder nach Hamburg zurück, denn: „Die Menschen wollen es immer noch hören“, sagt Marcel Meyer-Landgrebe, künstlerischer Leiter der Show. Obwohl sie nicht nur die Geschichte kennen, sondern auch die Überraschungen der Inszenierung wie herabstürzende Kronleuchter oder ferngesteuerte Ruderboote. „Jüngere wollen das mal mit eigenen Augen sehen“, glaubt Meyer-Landgrebe. Und Ältere, mutmaßt er weiter, „wollen sehen, ob es noch so schön ist, wie es damals war.“

Zumindest ist es exakt so, wie es in den 90er-Jahren war. „Wir haben nichts geändert und werden das auch künftig nicht machen“, versichert Meyer-Landgrebe. Nur das Orchester ist aus Kostengründen kleiner geworden. „Aber das hören sie nicht“, verspricht der Musikalische Leiter der Show, Bob Edwards. Er verspricht nicht zu viel.

Vor jeder Show rauscht der Kronleuchter testweise zu Boden

Selbst an die Technik sind sie nicht herangegangen, wie eine Begehung der Kulissen zeigt. Hinter, über und unter der Bühne „alles beim Alten“, sagt der Technical Supervisor Martin Siebler. „Trotzdem alles sicher. Da achtet der TÜV schon drauf.“ Und Siebler selbst natürlich auch. Vor jeder Show rauscht der Kronleuchter testweise zu Boden, wird die Fernbedienung des Bootes ausprobiert. Bis auf ein paar versehentlich umgefahrene Kerzen ist von technischen Pannen nichts bekannt.

Von menschlichen dagegen schon, wie Hardy Rudolz, Musical-Urgestein und Phantom der ersten Jahre zu erzählen weiß. Auf das Kleid der schönen Christine ist er mal getreten und hat die Sängerin recht leicht bekleidet auf der Bühne zurückgelassen. Auch die Perücke seines Gegenübers hat er schon mal versehentlich verschoben. Ja, selbst Textpatzer räumt der Mann ein. Statt „Entscheide Dich“, hat er einst „Entkleide Dich“ gefordert. Was seine Partnerin mit einem Lachanfall beantwortete und das Publikum begeisterte.

Eigentlich aber kann er den Text noch. Und seine erste Maske als Phantom, die hat er neulich auch noch im Keller gefunden. Kein Problem also, noch mal die Oper von Paris unsicher zu machen? Rudolz grinst: „Schauen Sie selbst“, sagt er und holt eine Anzugweste aus der mitgebrachten Tasche. Er zieht und zerrt, „aber die kriege ich beim besten Willen nicht mehr zu“