1000 Bilder für die Gottesmutter

Hagen..  Keine Figur ist in der Kunst so beliebt wie die Gottesmutter. Seit der Frühzeit haben Maler und Bildhauer immer wieder die Madonna zum Thema gemacht. Doch heute können diese Werke vielfach nicht mehr gelesen werden, weil das Wissen um ihre Symbolik verloren gegangen ist. Pastor Dr. Aloys Butzkamm will diese vergessene Sprache wieder zugänglich machen. In seinem Buch „Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria“ stellt er Mariendarstellungen zwischen Tradition und Moderne vor.

Marienfeste im Kirchenjahr

„In fast allen katholischen Kirchen findet man ein Bild von ihr. Menschen knien dort und schütten ihr Herz aus. Sorgen und Nöte, aber auch Dankbarkeit, finden einen sichtbaren Ausdruck in einer Flut von Votivgaben und in einem Meer brennender Kerzen“, schildert der in Wenden geborene Kunsthistoriker und Priester, der als Seelsorger im Pfarrverbund Witten-Ost tätig ist. In seinem reich bebilderten Band stellt der Autor die Marienfeste des Kirchenjahres vor, interpretiert Bildtypen, die tief in der Marienfrömmigkeit verwurzelt sind und thematisiert häufig vorkommende Marientitel, deren Grundlage apokryphe Schriften sind.

Die Kombination aus Bildbetrachtung und theologischer Erläuterung macht diese Marien-Studie so spannend. „Was bedeutet ein Apfel, der auf einem Verkündigungsbild wie zufällig auf der Fensterbank liegt? Was erfährt der Betrachter über Maria, wenn sie gerade in einem Buch liest? Mittelalterliche Bilder verwenden Vokabeln, die in ihrer Bedeutung heute weitgehend nicht mehr verstanden werden. Die Botschaft der vielen Details im Bild zu erschließen, ist ein erklärtes Ziel dieses Buches“, so Butzkamm.

Die Reise durch die Mariendarstellungen bedeutender Künstler ist allerdings theologisch nicht immer konfliktfrei. „Ich habe mich entschlossen, auf die Reibungsflächen hinzuweisen, um einen theologischen Dialog mit den alten Bildern zu ermöglichen. Beim Fest der Unbefleckten Empfängnis und bei dem Kapitel über die Verkündigung wird auch die Gegenwartstheologie zu Wort kommen müssen. Diese beiden Feste verlangen eine umfangreichere theologische Einführung als andere“, unterstreicht der Autor.

50 großartige Marienbilder führen zu den bedeutenden Museen und Kirchen Europas. Schutzmantelmadonna, Immerwährende Hilfe, Himmelskönigin, Maria im Rosenhag, Maria im Ährenkleid, Maria zwischen Jungfrauen und natürlich die überwältigende Vielzahl von Darstellungen der Gottesmutter mit dem Kind: Diese Vielfalt spiegelt nicht nur Verehrung und Liebe, es verbergen sich auch tiefe theologische Bekenntnisse darin.

Vielfalt der Darstellungen

„Bei vielen Bildern habe ich Dinge entdeckt, die noch nie gesagt worden sind. Je länger ich an dem Buch gearbeitet habe, desto mehr Spaß habe ich daran bekommen“, betont Aloys Butzkamm, der auch in Hagen-Eilpe, Letmathe-Grüne und Letmathe-Stübeken als Seelsorger gearbeitet hat, an der Dormitio in Jerusalem lehrte und in der deutschen katholischen Gemeinde St. Paul in Istanbul als Priester tätig war. Butzkamm weiter: „Maria ist manchmal in der Geschichte übertrieben verehrt worden und auch isoliert von Jesus verehrt worden. Heute besteht ein Trend, Maria zu vergessen. Da muss man vielleicht einen Mittelweg suchen. Marienverehrung wird ja niemandem aufgezwungen. Aber echte Marienbilder sind zutiefst echte Christusbilder.“

Aloys Butzkamm, Ich sehe dich in tausend Bildern, Maria. Mariendarstellungen zwischen Tradition und Moderne. Bonifatius-Verlag, 243 Seiten, 29,90 Euro.