Gesundheit
Zöliakie – wenn Brot krank macht
17.08.2010 | 16:41 Uhr 2010-08-17T16:41:00+0200
Essen.Belegte Brötchen, Nudeln oder Pizza. Menschen, die an einer Zöliakie leiden, sollten diese Lebensmittel meiden. Doch viele Betroffene wissen nichts von ihrer Erkrankung. Fatal: Denn ohne Behandlung drohen Folgeerkrankungen.
Die Zöliakie, die Unverträglichkeit von Gluten, ist eine Erkrankung des Dünndarms. Das Klebeeiweiß kommt natürlich in den Samen von Getreidearten vor. Aber auch in Fertigprodukten wird es immer öfter künstlich zugesetzt.
„Bis zu 80 Prozent der Betroffenen wissen nicht, dass sie an einer Glutenunverträglichkeit leiden“, sagt Dr. Stephanie Baas von der Deutschen Zöliakie Gesellschaft. „Denn die Krankheit führt in den seltensten Fällen zu typischen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.“
Viel häufiger seien andere Leiden wie:
• Müdigkeit und Abgeschlagenheit
• Muskelschmerzen
• Beschwerden an den Knochen
• Migräne
• Gleichgewichts- und Gangstörungen
• Leberentzündung
• Hautausschlag wie kleine Bläschen an Armen und Beinen
Der Dünndarm ist entzündet
Im Dünndarm wird die Nahrung in die einzelnen Bestandteile zerlegt und gelangt dann über die Schleimhaut in den Körper. Bei der Zöliakie führt der Nahrungsmittelbestandteil Gluten zu einer Entzündung der Darmschleimhaut. Dadurch bilden sich die Zotten, die die Oberfläche des Dünndarms vergrößern, zurück. Folge: Es werden weniger Nährstoffe aufgenommen. „Und diese Nährstoffunterversorgung ist problematisch“, sagt Baas. „Denn sie führt zu Schäden an den Organen und Zentralen Nervensystem.“
Der Alltag mit Zöliakie
Die einzige Behandlungsmöglichkeit der Zöliakie ist die lebenslange glutenfreie Ernährung. „Betroffene müssen sich ausschließlich von Lebensmitteln ernähren, die den Klebeeiweiß nicht enthalten. Dazu gehören zum Beispiel:
• Obst, Gemüse, Reis und Kartoffeln
• Naturkäse
• Milch, Joghurt und Quark
• Buttermilch und Butter
• Pflanzenöle
• Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte
• Zucker
• Honig, Konfitüre, Marmelade, Ahornsirup
• Nüsse
• Hülsenfrüchte
• reine Gewürze und Kräuter
• Eier
Aber auch Kuchen, Brot und Nudeln, gibt es in Reformhäusern, Naturkostläden und immer öfter auch in Supermärkten glutenfrei zu kaufen. „Betroffene müssen also keinesfalls auf Lebensmittel verzichten“, sagt Baas. „Wichtig ist, die Lebensmitteltabellen zu prüfen.“
Vorsicht vor Verunreinigung
Die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) ist eine Selbsthilfe-Organisation, die Menschen mit Glutenunverträglichkeit unterstützt beim Umgang mit der chronischen Krankheit hilft. Dazu gehören Tipps und Ratschläge für den Alltag – wie Herstellerlisten glutenfreier Produkte, Informationen zu Medikamenten und Kosmetik.
„Doch mit der Nahrungsmittelauswahl allein ist es nicht getan“, sagt Baas. „Wichtig ist auch die richtige Lagerung sowie Vor- und Zubereitung des Essens, um Verunreinigungen zu vermeiden.“ Risikoreich sei es vor allem, wenn für andere Familienmitglieder glutenhaltig gekocht wird. Beispielsweise muss dann darauf geachtet werden, dass Arbeitsflächen und Kochgeschirr gereinigt werden und auch Spültücher, Geschirr- und Handtücher sauber sind. Küchengeräte aus Holz können ebenfalls schnell verunreinigen. „Oft hilft auch das Spülen nicht“, sagt Baas. Deshalb solle man sie nicht einmal für glutenfreie Lebensmittel und ein anderes Mal für glutenhaltige nutzen.
Auch die richtige Aufbewahrung der Lebensmittel ist wichtig. So sollten Mehl und Backzutaten immer gut verpackt getrennt von glutenhaltigen Lebensmitteln aufbewahrt werden. Für glutenfreie Brote und Brötchen empfiehlt die Expertin extra Körbe zu verwenden. Auch bei der Zubereitung ist Vorsicht geboten: Glutenhaltige Nudeln nicht mit glutenfreien Nudeln zusammen in einem Topf kochen und für Backwaren nicht denselben Toaster verwenden.
Der Schnelltest bringt keine Sicherheit
Im Handel sind derzeit Zöliakie-Schnelltests erhältlich. Die Tests richten sich an Personen mit Symptomen, die auch bei der Glutenunverträglichkeit auftreten. „Zeigt der Test ein positives Ergebnis, raten die Hersteller, einen Arzt aufzusuchen“, sagt Baas. „Ist er negativ und die Krankheitssymptome bleiben, ist die Empfehlung des Herstellers jedoch dieselbe.“ Deshalb empfiehlt die Expertin direkt zum Arzt zu gehen.

02:09
Vielen Dank für diesen Artikel.
Zum einen sensibilisieren solche Informationen die große Zahl von Menschen, die nichts von ihrer Krankheit wissen und sich mit unspezifischen Krankheitssymptomen rumschlagen, ohne die wirkliche Ursache zu kennen.
Und zum anderen hilft es, dass sich Betroffene nicht immer wie vom anderen Stern vorkommen müssen. Beispiel Mittagstisch in der Kantine: Wie, Du darfst kein Mehl essen? Aber Vollkorn schon oder?
20:57
Meist ist die psychologische Umstellung schwieriger als die Nahrungsumstellung. Manchmal träume ich von Pizza und wache auf und merke, dass ich keine echte, leckere Pizza mehr essen kann. Auch die ewigen Diskussionen mit Kellnern, aber auch Freunden oder der Familie können nerven. Deswegen tut der regelmäßige Austausch mit anderen Betroffenen gut.
20:55
Meist ist die psychologische Umstellung schwieriger als die Nahrungsumstellung. Manchmal träume ich von Pizza und wache auf und merke, dass ich keine echte, leckere Pizza mehr essen kann. Auch die ewigen Diskussionen mit Kellnern, Freunden oder der Familie können nerven. Deswegen tut der regelmäßige Austausch mit anderen Betroffenen gut.
19:36
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man nicht unbedingt Zöliakie haben muss, um Brot nicht zu vertragen.
Sollte schon ein Test gemacht worden, alles in Ordnung sein und es geht einem trotzdem noch nicht besser, kann man es selber austesten, indem man sich eine Zeit brotfrei ernährt.
Mir jedenfalls geht es gesundheitlich ohne Brot besser und ich habe keine Zöliakie ;-)