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Heinrich Weiss

Wirtschaftskrise als Chance verstehen

05.05.2009 | 20:26 Uhr

Siegen. Voller Zuversicht blickt Heinrich Weiss in die Zukunft. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der SMS Group sprach am Dienstagabend auf Einladung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein zur Krise des deutschen Anlagen- und Maschinenbaus.

Eine Krise, aus der man – und hier sprach er gezielt die Siegerländer Unternehmer an – gestärkt heraus gehen könne.

Fünf Milliarden Euro acht Monaten

„Die Rezession war klar”, sagte der gebürtige Berliner, doch habe man ihr Ausmaß und ihre Dimension nicht absehen können. Noch in den ersten acht Monaten von 2007 habe die SMS Group Aufträge von rund fünf Milliarden Euro in ihren Büchern gehabt, soviel wie sonst innerhalb eines Jahres. „Der 'Boom' musste irgendwann zu Ende sein.” Also habe man sich in gewisser Weise auch darauf vorbereiten können. Vielen etwa Unternehmen komme nun zu Gute, dass sie keinen „zu großen Anzug” tragen würden, ihre Belegschaft nicht unnötig aufgebläht hätten. 80 Prozent des durchschnittlichen Auftragseingangs würden genügen, um die Stammbelegschaft auch durch schwieriges Fahrwasser manövrieren zu können.

Nun aber „ist die Party endgültig vorbei und es kommt der Hausputz.” Es gehe darum, die schlechte Zeit für das Unternehmen zu nutzen. Heinrich Weiss versuchte, den Siegener Unternehmern klar zu machen, welche Chancen die Krise bietet. So müsse gerade im Anlagen- und Maschinenbau nun in die technische Entwicklung investiert werden. Liquide Mittel sollten erhöht werden. Lagerungs- und Durchlaufzeiten gehörten auf den Prüfstand.

Antizyklische Investitionen, also Geldausgeben in schlechten Zeiten, müsse ganz oben auf der Agenda stehen. Die mittelständischen Siegerländer Unternehmen seien mit ihrer konservativen Bilanzpolitik sicher dazu in der Lage. Denn sie hätten sich nicht in großem Maße von Banken abhängig gemacht. Aber auch so genannte Soft Skills könnten jetzt ausgebaut werden: „Intensiverer Kontakt zu Kunden gehört dazu.” Betriebe könnten Servicegesellschaften aufbauen, um sich Anschlussaufträge zu sichern. Ebenso machten sich Mitarbeiterschulungen bezahlt. „Kümmern Sie sich um Ihre Belegschaft”.

Unfähigkeit des Staates

Auf den Staat könne man in der Krise nicht zählen. Der zeichne sich aus durch wirtschaftliche Unfähigkeit. Geld, das für Bildung ausgegeben werden müsste, werde in „solch einen Unsinn” wie die Abwrackprämie gesteckt: „Wir Konservative haben Glück, dass die Sozialisierung der Bankenverluste nicht politisch ausgeschlachtet wird.”

Die Industrialisierung werde fortschreiten, die Märkte der Schwellen- und Entwicklungsländer seien dabei, sich zu erholen. Die Krise sei trotz ihres Ausmaßes kein Gund für Schwarzmalerei. Sie sei vielmehr eine „Periode der wirtschaftlichen Gesundung”.

Jens Plaum

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