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Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten

18.06.2012 | 16:01 Uhr
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
Viele Städte im Ruhrgebiet haben eigene Grabfelder für muslimische Bestattungen.Foto: ddp

Im Westen.  Wo man sich Zuhause fühlt, möchte man leben - und auch seine letzte Ruhe finden. Was selbstverständlich klingt, ist für deutsche Muslime eine schwierige Entscheidung zwischen alter und neuer Heimat. Im Ruhrgebiet ist eine muslimische Bestattung möglich - theoretisch.

Heimat - dieser emotionale Begriff birgt für viele Muslime in Deutschland eine weitere Dimension, wenn sie einen Angehörigen beerdigen müssen. Denn plötzlich stellt sich die Frage nach dem Wo: Wo bestattet man seine Mutter, die zwar in der Türkei aufgewachsen ist, aber seit Jahrzehnten in Deutschland lebt? Oder den Onkel, der den Kontakt in sein Heimatland nie verloren hat, dessen Angehörige aber alle längst in Deutschland verwurzelt sind?

Dass eine muslimische Bestattung sich gleich in mehreren Punkten von der unterscheidet, wie sie die städtischen Friedhöfe in der Regel für katholische oder evangelische Glaubensangehörige durchführen, erschwert die Entscheidung für eine Beerdigung in Deutschland. Möglichst schnell sollte der Verstorbene beerdigt und rituell gereinigt werden, bevor er bestattet wird - ohne Sarg.

Sargzwang fällt seit 2003 prinzipiell weg

Im letzten Punkt kommt das Land NRW den Muslimen seit 2003 teilweise entgegen: Das Bestattungsgesetz in der Fassung vom Juni 2003 erlaubt prinzipiell die Bestattung ohne Sarg .

Allerdings: Als Unterhalter der Friedhöfe regelt der jeweilige Friedhofsträger den Sargzwang. Das kann dann je nach Stadt unterschiedlich aussehen. In Essen gibt es seit 1972 auf dem Friedhof am Hallo die Möglichkeit für muslimische Beerdigungen - auch ohne Sarg. Auch Dortmund und Duisburg bieten Muslime eine besondere Form der Bestattung. In Düsseldorf ist die Bestattung mit Blick nach Mekka und die vorherige Totenwaschung möglich.

Wie werden die Grabfelder in den Städten genutzt?

In Essen wurde das seit den 70er-Jahren bestehende Grabfeld Mitte 2010 um ein neues erweitert - der Bedarf scheint also da. Seit der Freigabe des neuen Grabfeldes sind dort bereits über 30 Bestattungen durchgeführt worden. "Die Beerdigung allein im Leichentuch, wie es nach islamischen Regeln vorgeschrieben ist, ist aber immer noch relativ selten auf unserem Grabfeld", sagt Hans-Joachim Hüser, der als Sachgebietsleiter für die Essener Friedhöfe bei Grün und Gruga arbeitet.

Seit Juli 1999 hat auch Bochum ein islamisches Gräberfeld. Auf dem Hauptfriedhof ist dafür extra ein Bereich ausgewiesen. "Das Feld ist für 250 Grabstellen ausgelegt", erklärt Stadtsprecher Thomas Sprenger. Ein neues Feld scheint dort noch nicht nötig, die Felder sind nicht komplett belegt.

31 Bestattungen nach islamischen Ritus wurden im Jahr 2011 auf dem Grabfeld in Düsseldorf durchgeführt. Das Feld, das in einem Bereich auf dem Südfriedhof liegt, wurde 1988 eingerichtet.

Friedhöfe im Ruhrgebiet weisen Grabfelder für muslimische Bestattung aus

Eins haben alle Städte, die eine muslimische Bestattung ermöglichen, gemeinsam: Sie weisen speziell eingerichtete Grabfelder für die Beerdigung nach muslimischen Brauch aus, eigene muslimische Friedhöfe gibt es nicht. Der Grund dafür liegt in dem Körperschaftsstatus, den der Islam als Religionsgemeinschaft in Deutschland nicht hat. Nur eine Religionsgemeinschaft, die diesen Status inne hat, darf Friedhöfe betreiben.

Die Verleihung des Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ist Sache der Länder. Sie dürfen diesen Status nur an Gemeinschaften verleihen, die eine bestimmte Anzahl von Mitgliedern haben.

In der Regel setzt die Verleihung des Körperschaftsstatus auch eine Bestandszeit von 30 Jahren in der Bundesrepublik voraus. Zwar darf der Islam als Religionsgemeinschaft in Deutschland in Erscheinung treten, allein als solche darf er aber keine Friedhöfe eigenständig betreiben.

Kontakt ins Heimatland ist entscheidend

Der Wunsch nach einer Beerdigung auf einem muslimischen Grabfeld hat in der Regel praktische Gründe. „Wer sich für die Bestattung in Deutschland entscheidet, tut dies meist, um die Gräber der Angehörigen in der Nähe zu haben", weiß der Essener Bestatter Mustapha El-Founti.

Sind die Kontakte in die einstigen Heimatländer erstmal abgebrochen, würde ein Grab fern des mittlerweile in Deutschland liegenden Lebensmittelpunktes keinen Sinn machen. "Wenn die Familie in Deutschland Zuhause ist, dann können sie sich auch dort um das Grab des Verstorbenen kümmern."

Anna Gemünd



Kommentare
23.04.2013
17:08
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von Corvus | #12

Wir haben Private, Städtische, Katholische und Evangelische Friedhöfe - es gibt Friedhöfe von Juden (und entschuldigt das sie mit aufgezählt werden, aber auch Tierfriedhöfe).
Warum also soll es keine Friedhöfe für Muslime geben ?

Die Islam-Gemeinden werden sich die Grundstücke die in Frage kommen halt kaufen müssen, inwiefern sie den Hinterbliebenen der Toten das in Rechnung stellen soll ihre Sorge sein.

Und wenn deren Glaube abverlangt, das eine Grabstätte Dauerbelegt sein muss - dann müssen sie entweder enger liegen oder mehrere Grundstücke erwerben und nutzen. Nur kann man ihnen niemals garantieren das hier in unseren Breitengraden noch "nie" ein Christ oder Andersgläubiger dort gelegen hat... wer weiss was unter der Grasnarbe vor ein paar Hundertjahren zurückblieb.
Wenn sie Erdreich austauschen wollen, sollen sie es machen - wenn die Kasse der Islamgemeinde das Allein stemmen kann...(ohne Finanzielle Zuschüsse aus den Kassen eines "unreinen" Christlichen Landes)

19.06.2012
06:06
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von Lexikom | #11

kalle 77 | #9 hat Recht. Allerdings: Auch jüdische Gräber sind bis zur Auferstehung belegt.

18.06.2012
23:24
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von ihrmichnie | #10

So ein Grab muss ja ein Vermögen kosten - oder wie wird diese "Dauerbelegung" berechnet?
Wie kommt es es zu diesen ständigen Ungleichbehandlungen?

18.06.2012
22:26
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von kalle77 | #9

Einige wichtige Fakten werden hier nicht genannt:
1)Ein muslimischer Friedhof kann nie wieder aufgehoben werden, es gibt keine begrenzte Liegezeit, d.h. Muslime verlangen für ihre Toten ein Dauerbelegungsrecht, bis zur Auferstehung darf die Totenruhe nicht gestört werden.
Im Laufe der Jahrzehnte müsste die Fläche also beständig erweitert werden. Dieser Friedhof ist daher islamisches Land für immer. Nichtmuslimische Bürger haben für ihre Verstorbenen allerdings kein Dauerbelegungsrecht.
2)Aus islamischer Sicht muß sichergestellt sein, daß auf der in Aussicht genommenen Fläche noch nie Christen beigesetzt wurden. Das würde bedeuten, daß die Erde ausgetauscht werden muß, da Christen (und Juden) im Koran wiederholt als „Ungläubige“ bezeichnet werden, die „unrein“ sind. Beispiele für neue Erdauffüllungen gibt es in der Schweiz. Aus islamischer Sicht gibt es also gravierende Unterschiede zwischen den Toten, eine Art Apartheid noch im Tod.

2 Antworten
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von kalle77 | #9-1

Fortsetzung:
3)Muslime gebrauchen ein separates Teilstück, weil die Angehörigen muslimischer Verstorbener sich nicht beim Besuch des Grabes von „religiösen Symbolen stören lassen möchten“.
4)Es muß einen separaten Zugang zum muslimischen Teil des Friedhofs geben, sonst müßte man zur Bestattung an den Gräbern der Christen vorübergehen, das christliche Kreuz ist aus muslimischer Sicht ein niederes Symbol.
5)Hohe Hecken müssen die Sicht auf die Gräber der Christen abschirmen, auch die Sicht auf eine christliche Kirche ist unerwünscht. Von einer muslimischen Grabstätte aus darf kein Glaubenssymbol von Christen zu sehen sein. Bei einer muslimischen Beerdigung darf auch kein Glockengeläut zu hören sein, wenn etwa parallel eine christliche Beerdigung stattfindet.

Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von Essen-Krayer1 | #9-2

Was haben Sie für ein Stoff geraucht??

18.06.2012
22:20
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von Dieselpumpe | #8

Grundsätzlich ist die Ungleichbehandlung zu beanstanden.

Eine Bevorzugung von Muslimen muss verboten werden.

So etwas darf es in unserer "Gleichstellungsgesellschaft“ nicht geben.

1 Antwort
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #8-1

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

18.06.2012
22:05
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von schriftsetzer | #7

@marianus
Ihre Frage ist durchaus berechtigt, ich hätte auch nichts gegen "gemischte" - städtische - Grabfelder einzuwenden. Ein Grund für die Trennung scheint mir zu sein, dass der ein oder andere unserer "Volksgenossen" da etwas einzuwenden haben dürfte.

Andererseits gibt es ja schon seit undenklichen Zeiten separate jüdische Fredhöfe - früher übrigens fast ausschließlich außerhalb der Stadtmauern - mit allerdings u.a. anderen Öffnungszeiten (z.B. am Sabbath geschlossen). Vom Tragen der Kippah ganz abgesehen, denn auch nicht-jüdische Männer müssen in Synagogen und auf Friedhöfen eine Kopfbedeckung tragen.

Vielleicht möchte aber auch die jeweilige Trauergemeinschaft bzw. die Hinterbliebenen am Grab ihres Verstorbenen unter sich sein, weil die Trauerriten so unterschiedlich sind, und man "keinen Ärger" provozieren will?

Da alle mit der jetzigen Situation leben können, ist es gut so! Und wenn sich in einigen Jahrzehnten die Zeiten ändern sollten, auch!

18.06.2012
20:51
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von Kommentator2011 | #6

Mir ist das völlig egal wo ich später beerdigt werde. Es interessiert mich auch nicht ob später mal jemand mein Grab besucht oder nicht. Ich lebe jetzt und habe tolle Freunde und Familie, das zählt und nicht wie mein toter Körper mal bestattet wird.

18.06.2012
20:44
Wie Muslime in NRW ihre Toten bestatten
von derSchatten | #5

Ich habe meinen Mann auch einäschern lassen und die Urne dann begraben.
Der Sarg war m.E. überflüssig.
Wenn wir in D. Moscheen erlauben, warum auch nicht muslimische Beerdigungen?

18.06.2012
19:13
Tote bestatten ist auch eine Kostenfrage!
von eksom | #4

Je nach Stadt kostet die Bestattung in Deutschland zwischen 1.800 € und 3.800 €. Bei Luxusgräbern und Särgen ist die Grenze nach oben offen!

Im Islam sind solche unnötigen Geldausgaben nach dem Tod für einen Toten unerwünscht und stellen ein Verschwendung dar.

In der Türkei kostet die selbe normale Bestattung je nach Dorf, Stadt und Einwohnerzahl zwischen 0 € und 800 €.
Wenn man ein bekannter und geliebter Mensch war, wird man sogar in vielen Dörfern und Kleinstädten der Türkei fast umsonst beerdigt. Vielleicht eine kleine Sach- und Geldspende (max. 50 €) an den Iman, oder an die Dorfkasse.

In Deutschland will man auch nach dem Tod noch über die Verwandten der Toten richtig Geld verdienen.

18.06.2012
17:49
für deine verbrennung
von marianus | #3

reicht durchaus ein leichentuch.ich sehe auch geldschneiderei das särge gekauft werden müssen.die alternative so habe ich gelesen sind särge aus pappe.diese sind so angefertigt und verfestigt das man es garnicht sieht.aber ob da ein bestatter bereit diesen anzubieten weil sie sehr kostengünstig sind?aber etwas anderes;warum jetzt noch ein muslimisches feld?die menschen haben mit und und neben uns gelebt.warum nicht neben normalen gräbern beigesetzt.wer da unten liegt zankt sich bestimmt nicht mehr.

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