Wie man die Energierechnung prüft

Bei Stromzählern sind Verwechslungen nicht ausgeschlossen.  Foto: Sergej Lepke
Bei Stromzählern sind Verwechslungen nicht ausgeschlossen. Foto: Sergej Lepke
Foto: Sergej Lepke

Berlin.. Zahlendreher, falscher Ablesezeitraum oder gar falsche Zählernummer: In manch eine Jahresabrechnung für Strom oder Gas schleicht sich der Fehlerteufel ein. Energiekunden sollten deshalb die geforderten Beträge genau prüfen.

Das ist jedoch nicht einfach: Für die meisten Verbraucher ist die Rechnung nicht mehr als reines Zahlen- und Buchstabenwirrwar, das selbst Experten nicht ohne Mühe durchschauen können.

„Viele Verbraucher verstehen die Jahresabrechnung einfach nicht“, sagt Christian Michaelis von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (VZBW). „Sie können nicht prüfen, ob der Betrag richtig ist und haben ein schlechtes Gefühl, wenn sie vermuten, dass die Abrechnung zu hoch ist.“ Auch Michaelis, der Energieexperte beim VZBW ist, fällt es oft nicht leicht, Fehler zu finden. „Manchmal haben die Gas- oder Stromkunden tatsächlich mehr verbraucht, weil der Winter härter war und sie mehr geheizt haben.“ In manchen Fällen würden aber auch die Anbieter Fehler machen.

Kunden müssen zu viel gezahltes Geld vom Versorger zurückfordern

So kommt es vor, dass Stromversorger Daten falsch übertragen oder Zählernummern vertauschen. „Wir hatten auch schon einen Fall, in dem zwei Parteien Jahrzehnte lang nicht merkten, dass sie jeweils die Abrechnung des anderen bezahlten“, erzählt Michaelis. Stromkunden rät er deshalb, bei der Überprüfung nicht nur auf den Zählerstand zu schauen, sondern auch auf die Zählernummer. Ebenso müsse der Anfangszählerstand auf der aktuellen Rechnung der gleiche sein wie der Schlusszählerstand auf der letzten Rechnung. Zudem müssen der Jahres- sowie Vorjahresverbrauch angegeben sein. Nur so können Kunden vergleichen, wie viel sie verbraucht haben.

Einigen Fehlern ist es besonders schwer auf die Schliche zu kommen. Läuft etwa das Treppenhauslicht im Mietshaus über den Wohnungszähler, hilft es nur, alle Geräte – inklusive Kühlschrank – abzustellen, und zu schauen, ob der Zähler weiter läuft.

Zwar haben Kunden einen Anspruch darauf, dass der Stromversorger fehlerhafte Rechnungen korrigiert. Der Fehler muss aber nachweisbar sein. Stellt sich die Rechnung tatsächlich als falsch heraus, müssen Kunden die geforderte Summe in der Regel dennoch begleichen. Erst danach können sie zu viel bezahltes Geld vom Anbieter einfordern.

Stromkunden, die Bedenken haben und ihre Abrechnung nicht verstehen, rät Michaelis, sich an den Anbieter zu wenden. Letzten Endes müsse der Versorger nachvollziehbar erläutern, wie die Forderung zustande kommt. „Es kann durchaus schwierig werden, eine Erklärung zu bekommen“, so Michaelis, „wenn der Anbieter seinen Sitz zum Beispiel weit entfernt hat oder kein Servicepersonal vorhanden ist.“ Zeigt sich der Konzern nicht kooperativ, hilft die Verbraucherzentrale weiter.

Viele Fehler auch beim Gas möglich

Auch bei der Gasabrechnung steckt der Teufel im De­tail. „Es können sich viele Fehler einschleichen“, sagt Ulrich Ropertz, Pressesprecher des Deutschen Mieterbunds (DMB), „von falschen Werten bis hin zu einer falschen Kostenverteilung.“

Genau wie bei der Stromabrechnung können Kunden auch bei der Gasabrechnung „nicht einfach aufs Blaue hin sagen, dass die Rechnung falsch ist“. Wieder muss der Fehler klar benannt werden. Ansprechpartner für eine Re­klamation ist jedoch nicht das Energieunternehmen, sondern in der Regel der Vermieter oder die Hausverwaltung.

Und noch etwas ist anders: Wer daran zweifelt, dass der Betrag in der Gasabrechnung richtig ist, muss diesen solange nicht zahlen, bis er ihn auf seine Rechtmäßigkeit geprüft hat. „Der Vermieter muss allerdings darüber informiert werden“, warnt DMB-Sprecher Ropertz. Sei die Forderung tatsächlich nicht gerechtfertigt, solle der Vermieter zur Korrektur aufgefordert werden. Mieter hätten auch einen Anspruch darauf, in die Originalunterlagen zu gucken.