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Wie geldgierig sind die Sender?

14.01.2013 | 18:23 Uhr
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Die Informationen, die jetzt den Kollegen vom „Spiegel“ vorliegen, haben das Zeug zum Medienskandal, der das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland erschüttern kann. Das eher verniedlichende Wort „Schleichwerbung“ verschleiert, worum es geht: um Betrug am arglosen Zuschauer.

Immer dann, wenn es die Sender zu toll treiben, kommen die Fälle ans Licht. Egal ob Schimmi im Ersten ein Halsbonbon lutschte oder Gottschalk den Hollywoodstars Gummibärchen kredenzte – der Verdacht lag auf der Hand: Da könnte Geld geflossen sein. Die Intendanten haben’s dann stets brav kritisiert, zurückgewiesen oder verkleistert. Im jetzt vorliegenden Fall dürfte es ZDF-Chef Thomas Bellut aber schwerfallen, seine Hände in Unschuld zu waschen.

Das Nachrichtenmagazin zitiert aus dem Vertrag: „Herr Gottschalk wird sich mit dem Gast so am Fahrzeug positionieren, dass der Wagen nicht verdeckt wird...“ Da führte ein Autobauer bei „Wetten, dass..?“ Regie. In Köln verhandelt die WDR-Intendantin dem Vernehmen nach gerade über eine neue Samstagabendshow für Gottschalk. Haribo wird’s gerne hören. Mercedes, Audi und BMW auch?

Rund 7,5 Milliarden Euro haben wir im vergangenen Jahr an ARD und ZDF gezahlt. Mit dem umstrittenen neuen Rundfunkbeitrag wird’s wohl mehr werden. Die Diskussion um Schleichwerbung kommt für ARD und ZDF deshalb zur ungünstigsten Zeit, denn sie wirft die Frage nach Einsparmöglichkeiten auf: Brauchen wir so viele gebührenfinanzierte Sender? Müssen ARD und ZDF beim Preispoker um Sportrechte alle anderen überbieten? Müssen sie so viele neue Digitalprogramme und Internet-Angebote auf den satten Markt werfen?

Die brisanteste Frage im Zusammenhang der Enthüllungen um die Werbepraxis bei „Wetten, dass..?“ kann ein Fall für den Staatsanwalt werden: Ist der in der Show verunglückte Samuel Koch etwa nur deswegen über den zu großen, 5,14 Meter langen Audi A8 gesprungen, weil die Autofirma für die Bildschirmpräsenz ihrer vier Ringe ans ZDF gezahlt hat? Ein ungeheuerlicher Verdacht. Gottschalks Dementi reicht da nicht!

Peter Toussaint

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