Widerstand gegen Gesundheitskarte
31.03.2009 | 18:49 Uhr 2009-03-31T18:49:00+0200Siegen. Eine Siegener Bürgerinitative ruft zum Boykott auf. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht von einem „reinen Prestigeprojekt des Ministeriums und der Industrie”. Dennoch halten die Krankenkassen an der Einführung der „elektronischen Gesundheitskarte” fest.
Wann genau die neue Karte kommt, ist unklar. Ursprünglich sollte das Projekt bereits 2006 umgesetzt werden. Karl-Josef Steden, Pressesprecher der AOK, geht nicht davon aus, dass eine Einführung 2009 noch realisierbar ist. Die BKK Achenbach plant die Ausgabe der Karten Ende dieses Jahres.
- Die elektronische Gesundheitskarte soll 127 000 Ärzte, 65 000 Zahnärzte, 21 000 Apotheken, 2 100 Krankenhäuser und 200 Krankenkassen miteinander vernetzen.
- Sie enthält alle Daten, die auch auf der aktuellen Versichertenkarte vorhanden sind.
- Verpflichtend ist neben einem Passbild auch das elektronische Rezept: Der Arzt speichert das Rezept auf der Karte, die zum Einlösen in der Apotheke vorgelegt wird.
- Auf Wunsch des Patienten kann mit der Karte noch auf weitere Daten zugegriffen werden: Notfall-Versorgungsdaten (etwa Allergien), eine elektronische Patientenakte (mit dem Krankheits- und Behandlungsverlauf) oder Unverträglichkeiten bestimmter Arzneimittel.
- Die Daten werden durch eine Geheimnummer und das sogenannte „Zwei-Schlüssel-Prinzip” geschützt: Erst wenn die Karte und der Heilberufsausweis des Arztes oder Apothekers parallel in ein Lesegerät eingegeben werden, ist ein Zugriff möglich.
Die Signal Iduna IKK will ihre Versicherten „im Laufe des Jahres” anschreiben und um Zusendung eines Passbildes bitten. Durch das Foto soll die neue Karte besser vor Missbrauch geschützt sein als die aktuelle Versichertenkarte – eine Maßnahme, die Kritiker noch akzeptieren. Sie sorgen sich eher um die Sicherheit der gespeicherten Daten (siehe Info-Box). „Ich habe mit Ärzten und Computer-Fachleuten gesprochen”, sagt Martina Hirsch, Vorsitzende der Bürgerinitative gegen Behördenwillkür. „Die Daten werden nicht nur auf der Karte, sondern auch auf Großrechnern gespeichert – diese sind viel zu leicht zu knacken.”
Eine Einschätzung, die Dr. Martin Junker, Leiter der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, teilt. Die Daten müssten, etwa in Form eines USB-Sticks, also eines mobilen Datenträgers, in Hand der Patienten bleiben.
Das zur Einführung der Gesundheitskarte gegründete Unternehmen Gematik hatte im vergangenen Oktober angekündigt, eine entsprechende Alternative zu prüfen.
Für eine Stellungnahme zum aktuellen Stand der Tests war das Unternehmen am Dienstag nicht erreichbar. Die Krankenkassen erhoffen sich von der Gesundheitskarte eine bessere Kommunikation zwischen den Ärzten und eine schnellere Notfall-Behandlung. Der Siegener Internist Wilfried Deiß geht allerdings davon aus, dass „die Verbesserung des medizinischen Informationsflusses für Ärzte und Patienten voraussichtlich gering und unvollständig” sein wird, wie es in einem Offenen Brief an seine Patienten heißt. Im Gegenteil: Medizinische Routine-Vorgänge würden umständlicher und zeitaufwändiger. Deshalb will der Arzt die Umsetzung in seiner Praxis boykottieren.
Auch Martina Hirsch will sich persönlich gegen die Einführung der Karte zur Wehr setzen, indem sie ihrer Krankenkasse kein Foto zuschickt. Dazu hat sie auch ihrem Mann und ihren beiden Söhnen geraten. „Die Geschichte ist definitiv nicht ausgereift”, sagt sie.

13:34
ein passbild reicht völlig aus um einen datenmissbrauch vorzubeugen.wo diese ganze datensammelleidenschaft endet kann man fast täglich in den medien lesen.
10:45
es geht hier weit mehr um nur das Bild , die anforderungen z.b an das Bild sind nicht festgelegt , und doch verlanden die Krankenkassen ein Biometrisches Bild. Die Speicherung der Daten erfolgt dezentral ,ein hohes risiko ,wie man in den letzen Tagen wochen an der T-kom sehen konnte , Jeser Bürger sollte erstmal über die Gefahren aufgeklärt werden bevor man diese Karte einführt , Dann kann jeder selbst für sich bestimmen ob er das will oder nicht.
10:05
Leider verstehe ich Frau Hirschs Bedenken nicht. In der ersten Phase werden die gleichen Daten verwendet wie auf der jetzigen KVK. Das die neue eGK mit einem Bild ausgestattet werden soll trägt schon per se zu weniger Missbrauch und somit zu mehr Sicherheit bei. Erst in der zweiten Phase sollen Daten online verarbeitet werden. Dazu muss aber jeder Patient zustimmen und dies durch die Eingabe seiner persönlichen PIN bestätigen.