Weinbuch fordert eine Medaille mit dem Team
15.02.2010 | 21:58 Uhr 2010-02-15T21:58:00+0100
Whistler.Hermann Weinbuch war eigentlich ganz froh. Nicht über das Abschneiden seiner Athleten beim ersten olympischen Wettkampf der Nordischen Kombination im Whistler Olympic Park, die hätte er schon gerne ein bisschen weiter vorne gesehen, am liebsten natürlich auf den Medaillenrängen.
Den Bundestrainer gefiel, dass am Sonntag nicht irgendein Außenseiter der große Profiteur einer kleinen Windlotterie gewesen ist, sondern derjenige Gold gewann, der auch die Weltcupsaison dominiert hat mit fünf Siegen und vier weiteren Podestplätzen. Der Franzose Jason Lamy Chappuis überholte im Schlussspurt Johnny Spillane aus den USA und krönte seine grandiose Saison mit dem Olympiasieg. „Er ist einfach der Beste“, sagte Weinbuch.
Die deutschen Kombinierer waren in diesem Jahr auch oft vorne dabei, zwar selten ganz vorne, aber dennoch zählten drei der vier Starter zu den Kandidaten. für die Medaillen „Es geht in diesem Jahr alles so eng zu“, meint Weinbuch. Dass Eric Frenzel als Zehnter noch der Beste war, Tino Edelmann auf dem 18. und Björn Kircheisen gar erst auf dem 22. Platz folgten, entspricht weder dem Saisonverlauf noch dem Anspruch der deutschen Kombinierer.
Es gibt ein paar Erklärungen für das enttäuschende Resultat
Es gibt ein paar Erklärungen für das enttäuschende Resultat. Edelmann war Ende Januar beim Springen gestürzt und hatte sich eine Innenbanddehnung im linken Knie zugezogen, ihm fehlten deshalb ein paar Trainingseinheiten. Björn Kircheisen laborierte in den vergangenen Wochen an einer Erkältung, konnte ebenfalls kaum trainieren. Dazu kamen die Bedingungen beim ersten Teil der Kombination, dem Springen, die immer schwieriger wurden und damit vor allem die im Weltcup am besten platzierten Athleten trafen.
Nur Lamy Chappuis und Spillane schafften es weit nach vorne, alle anderen reihten sich hinten ein, der Österreicher Felix Gottwald, Zweiter im Gesamtweltcup, und Magnus Moan aus Norwegen, der Vierte, sogar sehr weit, viel weiter hinten als das deutsche Trio, das rund eine halbe Minute nach Spillane und Lamy Chapuis auf die 10 Kilometer lange Strecke ging. „Wir mussten volles Risiko gehen, um noch eine Chance zu haben“, sagte Edelmann.
Edelmann musste dem hohen Tembpo Tribut zollen
Die drei starteten eine Aufholjagd, bei der sich Frenzel irgendwann etwas zurückhielt, aber am Ende die meisten Kraftreserven hatte. Kircheisen war nach der Hälfte des Rennens schon bis auf elf Sekunden an die Spitzengruppe herangekommen, brach dann jedoch ein. „Mir hat es den Stecker gezogen“, gibt er zu. Aus den elf Sekunden war am Ende wieder eine Rückstand von über einer Minute geworden. Edelmann musste dem hohen Tempo ebenfalls Tribut zollen. „Wir haben alles richtig gemacht“, fand er trotzdem. „Denn es ist Olympia, und da geht es nur um Medaillen und nicht um einen guten sechsten Platz.“ Der Bundestrainer widersprach da nicht. „Uns haben beim Springen eben drei Meter gefehlt. Wir haben das Ding auf der Schanze vergeigt.“
Die Gedanken daran sollen die Kombinierer aber schnell verdrängen, dabei könnte ein Kurzurlaub helfen. Da der nächste Wettkampf, der Teamwettbewerb, erst in gut einer Woche stattfindet, hat Weinbuch einen Ausflug nach Vancouver organisiert. „Die Jungs sollen abschalten und sich erholen, ein bisschen was erleben, Einkaufen und Eindrücke gewinnen“, sagt Weinbuch. Ob am kommenden Dienstag der 18-jährige Johannes Rydzek, der zum Auftakt mit Rang 28 die Erwartungen erfüllt hat, oder doch Routinier Georg Hettich, der Olympiasieger von 2006, als vierter Mann neben Edelmann, Frenzel und Kircheisen versuchen wird, die dritte Teammedaille bei Winterspielen hintereinander zu holen? Weinbuch will das erst nach den Trainingssprüngen auf der Großschanze entscheiden: „Es geht wieder bei null los.“

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