Was tun, wenn Kinder im Urlaub krank werden?
04.08.2010 | 16:05 Uhr 2010-08-04T16:05:00+0200
Düsseldorf.Endlich ist er da: der wohlverdiente Urlaub. Doch viele Menschen leiden zur schönsten Zeit des Jahres unter Reisekrankheiten. Erwischt es Kinder, ist die Urlaubsfreude der ganzen Familie schnell getrübt.
Fieber, Durchfall, Blähungen, Reiseübelkeit oder Erkältung – typische Reisekrankheiten, nicht nur bei Erwachsenen. Kinder haben meist sogar ein höheres Risiko, im Urlaub krank zu werden. Der kleine Körper kann sich beispielsweise an das schwül-warme Klima im Urlaubsland schlechter anpassen als der von Erwachsenen. Doch wer vorschnell zum erst besten Medikament greift, kann Folgeerkrankungen riskieren. „Deshalb ist die Arzneimittelauswahl für Kinder besonders gut zu durchdenken“, sagt Dr. Bettina Flörchinger vom Centrum für Reisemedizin (CRM).
Kinder brauchen andere Medikamente
Eine Grundausstattung der Reiseapotheke für Reisen mit Kindern sowie noch einige wichtige Hinweise zu Lagerung und Transport gibt es beim Centrum für Reisemedizin.
„Viele Medikamente von Erwachsenen sind für Kinder nicht geeignet“, so Flörchinger. „Denn viele Wirkstoffe können bei den Kleinen schwerere Nebenwirkungen hervorrufen.“ Beispielsweise könne der Wirkstoff Acetylsalicylsäure zu Leber- und Gehirnschädigung führen. Bei Schmerzen und Fieber sei deshalb der Wirkstoff Paracetamol besser geeignet.
Darauf sollten Eltern bei der Arzneimittelauswahl achten:
• Zuerst den Beipackzettel gründlich lesen.
• Das Medikament muss für das Alter und Gewicht des Kindes geeignet sein.
• Im Zweifelsfall immer den Arzt oder Apotheker fragen.
• Auch bei Mückenschutzmitteln gilt, Altersgrenzen zu beachten.
• Auf bestehende Allergien Rücksicht nehmen.
• Für die Reiseapotheke sind vor allem Medikamente zu empfehlen, die schon einmal genutzt und gut vertragen wurden.
Fieberzäpfchen sind temperaturempfindlich
In wärmeren Ländern sollten Eltern auf die Temperaturempfindlichkeit von Medikamenten achten. „Zäpfchen können beispielsweise aufweichen“, sagt Flörchinger. „Salben oder Cremes können sich verflüssigen. Pulverinhalatoren, die bei Asthma benutzt werden, können bei feucht-tropischem Klima verklumpen.“ Deshalb sollte die Reiseapotheke möglichst kühl und trocken aufbewahrt werden.
Tipps: Wie Medikamente verabreichen
Kein Kind schluckt gern Tabletten. Oft schlagen elterliche Überzeugungsversuche fehl, die Tablette zu schlucken und der Mund bleibt fest verschlossen. Folge: Diskussionen und Streit mit den Eltern. „In die Reiseapotheke für Kinder gehören deshalb Arzneien in anderer Form“, sagt die Ärztin. „Die meisten Medikamente bekommt man heute schon als Saft, Tropfen oder Zäpfchen.“ Wenn es nicht ohne Tabletten geht, sollten sie zerstoßen und unter Brei, Joghurt oder eine zerkleinerte Banane gemischt werden.
Bei Durchfall für Salzausgleich sorgen
Eine der häufigsten Reiseerkrankungen ist Durchfall. Wichtig dabei: Für Wasser- und Salzausgleich sorgen. „Denn besonders Kleinkinder trocknen bei heftigem Durchfall sehr schnell aus“, sagt Flörchinger. „Am einfachsten ist es, Fertigpräparate in der Apotheke zu kaufen.“ Aber auch Selbstanmischen ist möglich. Und so geht’s: Acht Teelöffel Zucker, einen Teelöffel Salz und falls vorhanden noch einen Teelöffel Backpulver in einem Liter abgekochtem Wasser auflösen. Dabei sollten Kinder unter zehn Kilogramm Körpergewicht pro Durchfall oder Erbrechen ca. 100 Milliliter, Kinder über zehn Kilogramm das doppelte der Lösung trinken. „Und Säuglinge sollten auch bei einem Durchfall weiter gestillt werden.“, sagt die Expertin.
Kinder vor der Sonne schützen
Kinderhaut ist noch sehr dünn und reagiert deshalb besonders empfindlich auf Sonnenstrahlen. „Kinder unter einem Jahr sollten überhaupt nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden“, sagt Flörchinger. „Für ältere Kinder sind eine Creme mit Lichtschutzfaktor mindestens mit dem Faktor 30, Hut- und Sonnenbrille sowie bedeckende Kleidung ein absolutes Muss.“ Wichtig sei außerdem das großzügige Auftragen und regelmäßiges Nachcremen, besonders nach dem Aufenthalt im Wasser und dem Abtrocknen. Während der Mittagszeit sollten sich Kinder besser im Schatten aufhalten.
Und Sonnencreme muss nicht teuer sein. Denn Stiftung Warentest hat zwölf Sonnenschutzmittel für Kinder getestet. Ergebnis: Die günstigeren Produkte schneiden am besten ab. Hier geht’s zum Test.

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