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Vor Entscheidung: Kunstrasen für alle?

25.07.2007 | 04:13 Uhr

Netphen-Eckmannshausen. (sw) Bürgermeister Rüdiger Bartsch stellt die mögliche Lösung in den Raum: Die Stadt Netphen stattet alle acht Sportplätze mit Kunstrasen aus. Drei gibt es schon. "Darüber muss sich die Politik jetzt Gedanken machen."

Die Rechnung sieht so aus: 200 000 E kostet die Renovierung eines Tennenplatzes, 300 000 E der Aufbau eines Kunstrasens. Die Differenz von 100 000 E müssten die jeweiligen Vereine beisteuern. "Das können wir nur in ganz breiter Übereinstimmung machen", sagt CDU-Fraktionschef Bruno Gräbener. Wenn der - geheime - Ältestenrat tagt, werden auch UWG und SPD sich bereits mit dem Thema befasst und das Gespräch mit dem Vorstand des SV Eckmannshausen geführt haben. Denn der hat den neuen Stein ins Rollen gebracht.

1970 ist der Platz am Waldrand hergerichtet worden, die so genannte "Haubergsarena". "Richtig ausgebaut wurde der Platz nie", stellte Reinhold Weber fest, Vorsitzender des 1979 gegründeten SV. 1981 und 1996 wurden die Platzdecken erneut, 1996 nur mit Minimal-Aufwand von 15 000 E und viel Eigenleistung. Eine Drainage gibt es nicht, nennenswerten Unterbau auch nicht. "Uns fließt die Decke weg", sagt Weber. Unterlieger haben in ihren Kellern schon Bekanntschaft mit dem Sand gemacht.

Interesse auch in Eschenbach

1991 hat der Verein sein Sportheim gebaut und 2003 erweitert. Zehn Mannschaften sind aktiv, darunter 85 Kinder und Jugendliche. Die erste Mannnschaft (Weber: "mit Jungen aus Eckmannshausen und Herzhausen komplett neu aufgebaut") machte in den letzten vier Jahren den Durchmarsch aus der C-Kreisliga. Am 12. August ist das erste Spiel in der Kreisliga A. "Wir sind hier eine Familie", beschreibt Reinhold Weber den 150 Mitglieder starken Verein. Sogar aus Salchendorf und Dreis-Tiefenbach haben sich Jugendliche angemeldet - obwohl die im eigenen Ort auf Rasen spielen könnten.

Der SV hat spitz gerechnet: 273 000 E würde der Rasen platz kosten. 190 000 E müsste die Stadt beisteuern, wovon der Verein 90 000 E als Hypothek schultern würde, die die Stadt bedienen könnte. 83 000 E Eigenleistung kämen durch Eigenarbeit, den Verkauf von 20-E-"Anteilen" ("Wir haben schon angefangen) und die Mehrwertsteuererstattung zusammen, wenn der Verein als Bauträger auftritt. Das Normmaß würde auch der neu aufgebaute Platz nicht erreichen. Aber für die Kreisliga A reicht's, mit Ausnahmegenehmigung sogar für die Bezirksliga: "Weiter kommen wir nicht", schätzt Rainer Stahr, der den Vorstand berät und selbst als "Alter Herr" auf den Platz geht.

Reinhold Weber verweist darauf, dass Kunstrasenbeläge inzwischen "landesüblich" seien: "Vereine, die keinen Kunstrasen haben, werden in ihren Möglichkeiten immer mehr eingeschränkt." Zumal die grüne Konkurrenz Sog auf die Aschen-Vereine ausübt: "Die Kinder und die Spieler laufen einem mit der Zeit weg." Natürlich, fügt der SV-Vorsitzende hinzu, werden die Eckmannshausener "für jede Neuerung dankbar" sein.

Aber eine Tennen-Erneuerung, so ließ es die CDU bereits durchblicken, wird wohl kaum Zukunftsmodell für die Stadt werden. Immerhin, so berichtete Iris Cremer, Ortsvorsteherin in Eschenbach, seien bereits auch die Eschenbacher in den Startlöchern für einen Kunstrasenplatz. Ob Eckmannshausen, Eschenbach und Deuz die drei Projekte nicht im Verbund schultern könnten? Da ist Reinhold Weber skeptisch: Wenn die Stadt den Zuschuss für einen Platz nicht habe, würden drei Plätze erst recht nicht drin sein - zumal Eckmannhausen, das ewige Provisorium, teurer würde als die bloß zu sanierenden, in den letzten Jahren schon einmal aufgebauten Plätze. Und irgendwann hört dann auch die Bescheidenheit auf: "Wir wären jetzt als erste dran."

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