Das aktuelle Wetter NRW 8°C
Zuschussrente

Von der Leyen dreht sich im Kreis

02.09.2012 | 18:32 Uhr
Von der Leyen dreht sich im Kreis
Ursula von der Leyens Zuschussrente zielt an den von Altersarmut bedrohten Menschen vorbei.Foto: dapd

Aus den Worten der Arbeitsministerin spricht Leidenschaft. Es stehe „nicht mehr und nicht weniger als die Legitimität des Rentensystems“ auf dem Spiel. Menschen, die nicht privat vorgesorgt hätten, müssten „mit dem Tag des Renteneintritts den Gang zum Sozialamt antreten“. Man mag Ursula von der Leyen ihr Mitgefühl für die arbeitende Klasse ja gerne abnehmen. Doch ihre Zuschussrente zielt just an den von Altersarmut bedrohten Menschen vorbei. Wer nicht privat vorsorgt, soll auch keine Zuschussrente erhalten. Was also will uns die Ministerin eigentlich sagen?

Jeder Dritte verdient heute so wenig, dass er vor seiner gesetzlichen Rente allein nicht wird leben können. Das war schon vor zehn Jahren absehbar und Ausgangspunkt für die staatlich geförderte Privatrente. Von der Riester-Rente kann man halten, was man will, aber sie wird die Alterseinkünfte von 15 Millionen Menschen aufbessern. Nimmt man die Betriebsrenten hinzu, haben heute vier von fünf Beschäftigten zusätzlich fürs Alter vorgesorgt. Die Stabilität des Rentensystems hängt damit längst von allen drei Säulen ab, nicht von einer.

Übrig bleiben Menschen, die nicht vorsorgen können. Wer jeden Cent zum Leben braucht, legt nichts fürs Alter zurück und ist ein sicherer Kandidat fürs Sozialamt. Es ist nett, dass die Ministerin darauf hinweist. Doch diese Armutsfalle ist das beste Argument gegen ihre Zuschussrente. Denn die hilft dem unteren Fünftel genau nicht.

Das derzeitige Vorgehen ist Flickwerk

Wenn von der Leyen die private Vorsorge stärken will – bitteschön. Allerdings geriert sie sich eher als Retterin der gesetzlichen Rente. Gut, dann muss sie die Renten aller Geringverdiener aufstocken. Was wiederum kleine Riester-Sparer ungerecht finden dürften, die nur dank ihrer Privatvorsorge über Sozialhilfeniveau landen. Sie hätten sich das Riestern dann auch sparen können.

Die Politik dreht sich hier im Kreis. Was sie wirklich gegen Altersarmut tun kann, sind drei Dinge: Niedriglohn-Auswüchse bekämpfen, Privat- und Betriebsrenten unterstützen sowie im Alter eine Grundsicherung zahlen, von der man leben kann. Alles andere ist Flickwerk.

Stefan Schulte

Facebook
 
Kommentare
04.09.2012
09:59
Von der Leyen dreht sich im Kreis
von OmenEstNomen | #6

Die sollen endlich aufhören die geldgierige Bankster Privatwirtschaft sponsorn zu wollen.

03.09.2012
17:09
Von der Leyen dreht sich im Kreis
von drasos | #5



Es ist doch ganz einfach....basisrente von 1200 euro plus inflation für alle und gut ist....

Wie finanzieren?

ganz einfach...ALLE auch Beamte und Politiker und Ärzte zahlen ab morgen in die kassen ein und nicht mehr in private bzw gar nicht wie Beamte und Politiker und schon haben wir ein ausreichendes Plus....

Aber das ist wohl nicht gewollt da es der eigenen Klientel ans Portemonaie gehen würde.....und dem widerspricht die Lobbyarbeit dieser Leute.

03.09.2012
16:28
...Nicht zu glauben!!!!!
von tv-aus-hirn-ein | #4

Es ist immer wieder sehr erstaunlich, wie z. B. im Kommentar die Riester-Rente und die private Rente allgemein völlig unkritisch mit eingeworfen wird.
Die Fakten liegen auf dem Tisch. Aber ein Journalist hat eben keine Zeit mehr für Recherche oder eben keine Motivation, weil er eh keine kritischen Artikel schreiben darf oder einfach keine Fähigkeit mehr.
Man braucht sich nur zwei Dokumentationen anschauen, liefen in der ARD, nun bei youtube zu finden "Das Riester-Dilemma" und "Rentenangst".
Außerdem bleiben die Befürworter oder Nachplapperer noch die Antwort schuldig, wo denn die Rendite der Privatversicherer herkommen soll, wenn diese in sicheren Staatsanleihen investieren sollen. Kennen Sie die aktuelle Rendite der dt. Staatsanleihen? Na, dann gute Nacht! Oder kommt jetzt der Vorschlag nach zukünftig legitimen Verzocken im Casino? Die gesetzliche Rente ist alternativlos u. muss gestärkt werden, weil immer die aktive Generation für die passive erwirtschaften muss (Mackenrottheorem

03.09.2012
08:31
Zu den möglichen Maßnahmen zählen noch:
von nachdenken | #3

Endlich die völlig unbegründeten Bemessungsgrenzen abzuschaffen.
Die dienen nur den Besserverdienenden.
Gehalt/Lohn wurde schon erwähnt.
Dann fehlt aber noch die Einbeziehung aller in die Rentenkasse.
Und eine Umlegung auf die wegrationalisierten Arbeitsplätze, nämlich die seit 30 Jahren angedachte "Maschinen/Computersteuer).
Da die Rente an arbeitende Menschen ("Sozialabgaben" beim Lohn) gekoppelt ist, ist es kein Wunder, dass bei fortschreitender Rationalisierung die Basis für die Finanzierung wegfällt. Die Erwerbslosen können ja dann gar nicht mehr einzahlen.
Bei Hartz IV Beziehern hat Frau v.d.L. in diesem Jahr die Rentenzahlungen abgeschafft...
Bleibt nur die Umverteilung von unten nach oben endlich umzukehren:
Rettet zur Abwechslung mal die Zahler und Arbeitenden, nicht die Verprasser und Bankster.

03.09.2012
00:28
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #2

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

02.09.2012
21:23
Von der Leyen dreht sich im Kreis
von feierabend | #1

Wie bitte? Wozu sollte ich denn noch arbeiten wenn noch nicht einmal meine Altersversorgung sicher ist???? Ist doch kein wunder, wenn immer mehr Jugendliche auf anständige Arbeit verzichten wollen,..,.,

1 Antwort
Von der Leyen dreht sich im Kreis
von drasos | #1-1

Es ist doch ganz einfach....basisrente von 1200 euro plus inflation für alle und gut ist....

Wie finanzieren?

ganz einfach...ALLE auch Beamte und Politiker und Ärzte zahlen ab morgen in die kassen ein und nicht mehr in private bzw gar nicht wie Beamte und Politiker und schon haben wir ein ausreichendes Plus....

Aber das ist wohl nicht gewollt da es der eigenen Klientel ans Portemonaie gehen würde.....und dem widerspricht die Lobbyarbeit dieser Leute.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/7051349/create

Fotos und Videos
Ein Tag in Ootmarsum
Bildgalerie
Anzeige
Fotostrecke
Ein Tag in Zwolle
Bildgalerie
Fotostrecke
Ein Tag in Enschede
Bildgalerie
Fotostrecke
Mallorcas spirituelles Erbe
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Schauspieler Robert Downey Jr. geht gern den unbequemen Weg
Hollywood
Der "Iron Man"-Star Robert Downey Jr. erzählt im Interview von Abstürzen und Höhenflügen, spricht über das Erlernen sozialer Kompetenz und das Verlassen der Komfortzone. Und warum gurrende Tauben ihn nicht mehr aus der Haut fahren lassen.
Umstrittene Mathematik-Klausur wird in NRW nicht wiederholt
Abitur
Abiturienten dürfen die Mathe-Klausur nicht wiederholen. Eine Prüfung der Aufgabenstellungen durch eine Fachkommission ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Aufgaben lehrplankonform und fachlich korrekt gewesen seien. Der Protest Hunderter Schüler im Internet und vor dem Landtag blieben erfolglos.