Gesundheit
Viele leiden unwissend am Asperger-Syndrom
30.07.2010 | 23:39 Uhr 2010-07-30T23:39:00+0200
Frankfurt/Main. Gestik und Mimik sind für Menschen, die am Asperger-Syndrom leiden Fremdsprache. Betroffene merken vor allem im sozialen Miteinander, dass etwas nicht stimmt. Doch dass sie an der Erkrankung leiden wissen viele nicht.
In der Welt der NTs kommt er sich manchmal vor wie ein Außerirdischer. Die Blicke, die Gesten, die irrationalen Rituale für Rainer Döhle kaum zu verstehen. Rainer Döhle ist Asperger-Autist. Die NTs, das sind die anderen, die neurologisch Typischen - die „Normalen“. Was sie intuitiv beherrschen, ist für den 41-Jährigen graue Theorie. Geselligkeit ist harte Arbeit. Dass er aneckt, lässt sich kaum vermeiden. Inzwischen kann er trotzdem ganz gut damit leben. Inzwischen weiß er zumindest, woran es liegt.
Genetisch bedingte Erkrankung
Das Asperger-Syndrom ist eine genetisch bedingte Entwicklungsstörung. Die Ausprägung ist von Fall zu Fall sehr verschieden. Häufig sind Defizite im Bereich des Einfühlungsvermögens und der nonverbalen Kommunikation. Viele Betroffene fallen zudem durch Spezialinteressen auf, die sie mit geradezu manischer Intensität verfolgen. Die Symptome treten meist schon in der frühen Kindheit auf, und sie bleiben das ganze Leben. „Es gibt keine Heilung“, sagt Döhle. „Aber man kann doch eine ganze Menge dran machen.“
„Wichtig ist vor allem, dass die richtige Diagnose gestellt wird“, sagt der Freiburger Psychiater und Psychotherapeut Dieter Ebert. Auf keinen Fall dürfe ein Kind dazu gedrängt werden, etwas zu ändern, was es nicht ändern kann. Das führe nur zu unnötiger Frustration und möglicherweise zu weiterer Isolierung. Erst wenn Defizite und Stärken eines Kindes wirklich bekannt sind, lasse sich auf sinnvolle Weise lenkend eingreifen. „Die Grundsymptomatik bleibt“, sagt Ebert. „Aber im Umgang mit den Symptomen kann man sehr vieles erlernen.“ Am Freiburger Universitätsklinikum bietet der Experte verschiedene Therapien an, die den Betroffenen dabei helfen sollen.
Diagnose meist schwierig
Die richtige Diagnose ist allerdings oft schon das Problem. Rainer Döhle bekam sie erst, als er schon über 30 Jahre alt war. Hätte er sie früher gehabt, wäre ihm womöglich einiges erspart geblieben: Die verkorkste Ausbildung, bei der er nicht mit den Kollegen klar kam, das abgebrochene Studium, das ständige Gefühl, irgendwas falsch zu machen. „Wenn jemand ein Bein gebrochen hat, dann ist es entweder gebrochen oder eben nicht. Beim Asperger-Syndrom ist das nicht immer so eindeutig“, sagt der Berliner. Als er endlich einen Namen für seine Leiden gehabt habe, sei dies eine große Erleichterung gewesen.
Eher zufällig war Döhle vor gut zehn Jahren im Internet über das Stichwort Asperger gestolpert. In der Beschreibung der Symptome erkannte er sich sofort wieder. Spezialisten bestätigten seinen Verdacht. In den folgenden zwei Jahren ging er regelmäßig zur Gesprächstherapie. Was ihm aber am meisten geholfen habe, sei der Kontakt mit Gleichgesinnten gewesen mit Menschen, die ähnlich „tickten“ und mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten wie er selbst. Gemeinsam gründeten sie einen Selbsthilfeverein und nannten sich selbstbewusst „Aspies“.
Wenn Aspies unter sich sind, dann sprechen sie über ihre Erfahrungen mit den „neurologisch Typischen“. Im Alltag fühle man sich manchmal wie ein Ethnologe auf Feldforschung, der sich unter die NTs mischt, um ihre obskuren Rituale zu beobachten, sagt Döhle. „Was uns ein bisschen fehlt, ist die soziale Intuition. Es ist schwer, Absichten von anderen zu erkennen, wenn man nonverbale Signale nicht entschlüsseln kann, weil das Gehirn anders verdrahtet ist.“
Flirten ist Fremdsprache
Geselligkeit zählt selten zu den Stärken von Asperger-Autisten. Soziale Kontakte sind für sie immer mit Anstrengung verbunden. Gestik und Mimik sind kryptische Fremdsprachen, was zwischen den Zeilen steht, bleibt im Dunkeln. In der Freundschaft oder in der Beziehung führt das nur allzu leicht zu Missverständnissen. Schon das Kennenlernen ist ein großes Problem. „Am ehesten geht das noch über Single-Foren im Internet“, sagt Döhle. „Flirten in freier Wildbahn kriegt man einfach nicht hin, wenn man die Signale des Partners nicht richtig mitbekommt.“
Aber nicht nur leidvolle Erfahrungen bei der Partnersuche sind Thema, wenn sich die Berliner Aspies zusammensetzen. Sie engagieren sich für angemessene Förderung im beruflichen Bereich und für die Weiterentwicklung von Therapien. „Es ist uns wichtig, dass wir auch selbst zu Wort kommen und nicht immer nur über uns gesprochen wird“, sagt Döhle. Zugleich wünschen sie sich einen normaleren Umgang dass man, wenn man sich outet, nicht gleich als psycisch behindert einsortiert werde. „Die meisten führen ein relativ normales Leben, da muss man keine Berührungsängste haben.“ (apn)

13:47
Ich vergleiche Aspies immer mit Farbenblinden, denen das ganze Universum der Farben verschlossen bleibt, ohne dass es eine Therapie gibt. Den Aspies bleibt die Welt der nonverbalen Kommunikation und der Vermittlung der Gefühle verborgen, aber wohlgemerkt nicht die Gefühle selbst. Und wie Farbenblinde können Aspies sich auch Krücken bauen, die so einigermaßen über ihre Einschränkung hinweghelfen können, mehr aber nicht.
12:33
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09:21
Wir haben einen hochkompetenten Mitarbeiter mit Asperger, der von allen Kollegen wegen seinem Handicap und seiner Genialität anerkennungsvoll Spock genannt wird. Es hat sich für die sozialen Kontakte am Arbeitsplatz als äußerst hilfreich erwiesen, daß der Kollege von Anfang an die Karten auf den Tisch gelegt hat. So lassen sich die zwangsläufig entsehenden Mißverständnisse von vornherein vermeiden und sehr oft sogar mit Humor entschärfen. Bei manchen Berufssituationen an der Uni stellt sich Spocks gedämpte Emotionalität als höchts effektiv heraus, von den wir NTs nur lernen können. So gesehen empfinde ich den Kollegen als eine echte Bereicherung für unser Team.
16:39
Der Kommentar, auf den ich mich bezog wurde gelöscht!
16:38
an .,
sie haben völlig recht. Ihre Situation ist nicht gut.
Aber sie können da wieder herauskommen. Kinder die Asperger haben, haben diese Chance so gut wie nicht.
Von daher ist es nicht in Ordnung, dass sie ihre Situation vergleichen.
Gehen Sie einmal in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie, dann wissen Sie wovon hier gesprochen wird. Sie werden sich nie wieder damit vergleichen.
Diese Kinder haben eine ganz eigene Problematik und ohne fremde Hilfe keine Chance.
Haben Sie schon einmal ein selbstmordgefährdetes Kindergartenkind erlebt, dass feststellt, dass es anders ist und seinen Eltern eine Last. Eltern die sich wirklich bemühen und selber fast daran zerbrechen?
Beim eigenen Kind so etwas miterleben zu müssen ist eine ganz andere Dimension.
Ich möchte Ihre Situation nicht schämlern. Nur ist sie nicht vergleichbar!
12:30
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09:04
Mitgefühl ist eng mit eigenen Gefühlen verknüpft
und erweiternde Infos hierzu :
http://www.3sat.de/page/?source=/scobel/138689/index.html
Sendung vom :
29. Oktober 2009, 21 Uhr 3SAT
Vielleicht gibt es einen Sendemitschnitt!
Dort ist u. a. :
Tania Singer ist eine der wenigen Forscherinnen, die Empathie und soziales Verhalten aus neurowissenschaftlicher Perspektive betrachtet. Ihre Ergebnisse sind nicht nur interessant für soziale Interaktionen, sondern können auch wertvolle Denkanstöße für die Entwicklung und Bedeutung der menschlichen Gefühle geben.
Einfühlsame Grüsse ,ohne Berührungsängste ,gehen an die Betroffenen (Aspies ) und an die Sie ,akzeptierenden Beteiligten .
Theo van Wesel