Verdi pokert hoch
09.02.2012 | 18:56 Uhr 2012-02-09T18:56:00+0100Die IG Metall hat vorgelegt, jetzt möchte auch die Gewerkschaft Verdi auf die Sonnenseite der Marktwirtschaft. Wer könnte es ihr verdenken. Richtig üppig sind die Steigerungen der vergangenen Tarif-Runden nicht ausgefallen. Aber die Beschäftigten bei Bund und Kommunen haben ein Anrecht auf gute Bezahlung. Schließlich leisten sie gute Arbeit. Sie haben es verdient.
Und doch: Während die wirtschaftlichen Aussichten im Metallbereich nicht ganz hoffnungslos sind, können die Städte nicht mit fetten Umsatzrenditen prahlen. Sie haben stattdessen Schulden in historischen Ausmaßen angehäuft. Und in der Runde der gebeutelten Städte nimmt das Ruhrgebiet noch einmal eine Sonderrolle ein. Sie werden den – ohnehin starken – NRW-Verband bei den öffentlichen Arbeitgebern unter Druck setzen, keine 6,5 Prozent zu unterschreiben. Mehr Lohn hieße mehr Schulden. Angesichts der Diskussion im Euroraum werden sie sich hüten. Denn der Wähler honoriert es nicht.
Erfahrungsgemäß begegnen sich die Tarifparteien irgendwo in der Mitte. Ob es aber diesmal dazu kommt, ist eher fraglich. Verdi pokert ziemlich hoch.

14:21
Verdi verhält sich ausnahmsweise mal richtig. Das Land NRW hat alleine im Haushalt 2011 beim Personal Minderausgaben in Höhe von 523 Millionen gehabt (http://www.fm.nrw.de/presse/2012_01_24_Haushaltsabschluss2011.php).
Die Besoldung im öffentlichen Dienst sinkt seit Jahren. Leider werden in der Presse bei irgendwelchen Vergleichspielen immer wieder relativ hohe Besoldungsgruppen herangezogen, es gibt allerdings auch eine vielzahl von "sogenannten Kleinverdienern", und nicht nur Richter und Abgeordnete.
Ein bißchen mehr Fairness währe hier wohl sinnvoll. Aber eigentlich könnte ich mir das hier schon wieder sparen, denn gegen den öffentlich Dienst wird eh wieder mit voller Wucht geschossen
12:59
Verdi und IG-Metall verhalten sich absolut richtig. Die Arbeitnehmer haben lange genug ihren Netto-Beitrag geleistet. Die Forderung von 6,5 % ist eher maßvoll, wenn man bedenkt, dass da höchstens 4 % bei rauskommen. Sieht man dann noch die ungerechte Steuerprogression, die Sozialbeiträge und die über 2 %-ige Inflationsrate, bleibt am Ende wohl wieder nichts in den Taschen der Arbeitnehmer. Da stimmt etwas am System nicht mehr. Geld ist aber wohl immer noch genug da, vor allem im öffentlichen Bereich, sonst könnten sich die NRW-Politiker keinen geklauten Zuschlag von 500,- Euro (im Monat!) leisten. Jetzt sind die kleinen Bürger auch mal dran!