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Unterwegs im Dienste der Menschlichkeit

22.01.2010 | 21:00 Uhr
Unterwegs im Dienste der Menschlichkeit

Kreuztal. Dr. Dieter Stracke hat die Schattenseiten dieser Welt gesehen: Elend, Not, Gewalt. Der 66-jährige Chirurg, vormals Chefarzt am Kredenbacher Krankenhaus, war für „Ärzte ohne Grenzen” seit 2005 vier Mal im Einsatz: in den Krisengebieten von Darfur, Liberia, Sri Lanka und Papua-Neuguinea.

Schon als junger Arzt verpflichtete sich Dieter Stracke für den Entwicklungsdienst. Seinerzeit arbeitete er in Sambia. Als er in den Ruhestand ging, erinnerte er sich an diese Zeit und wandte sich an die weltweit tätige Ärzte-Organisation. Daraus entwickelte sich die Serie der relativ rasch aufeinander folgenden Einsätze, die jeweils drei Monate dauern.

Chirurg mit 35 Jahren Erfahrung

Dr. Stracke ist ein erfahrener Chirurg, der 35 Jahre im aktiven Dienst tätig war. Aber selbst für ihn waren als Arzt ohne Grenzen neue und bislang unbekannte Herausforderungen zu bewältigen. In seinem letzten Arbeitsgebiet, einer Gesundheitsstation in Tari im zentralen Bergland von Papua-Neuguinea, begegnete er einer ganz eigenen Kategorie des menschlichen Umgangs miteinander. Die Menschen dieser sich selbst überlassenen Region des 1976 unabhängig gewordenen Staates ohne nennenswerte Infrastruktur lösen ihre Konflikte bevorzugt mit Gewalt.

„Das ist ein Krieg, den sie gegeneinander führen – im Dorf, zwischen einzelnen Orten und selbst innerhalb von Familien”, berichtet Dieter Stracke. In Tari war er mit einem weiteren Arzt aus Kanada für die medizinische Versorgung zuständig. Anders als seine von Völkermord und Bürgerkrieg betroffenen bisherigen Einsatzgebiete Darfur, Liberia und Sri Lanka hat Papua-Neuguinea eine „rein medizinische Krise”. Dort, wo Dieter Stracke half, herrschten Verhältnisse, die ihm vorkamen „wie in der Steinzeit”.

Allein die Sprachprobleme in diesem nördlich von Australien gelegenen Teil-Inselstaat sind gewaltig: Die dreieinhalb Millionen Menschen verständigen sich in rund 800 verschiedenen Sprachen und Dialekten, die schon von Dorf zu Dorf variieren. Das ist die Ausgangslage für tausenderlei Missverständnisse und Konflikte, die nicht selten mit dem Buschmesser ausgetragen werden und zu „grausamen Verletzungen” führen.

Dazu kommt eine Besonderheit in diesem Staat, die den Grad der Zivilisation widerspiegelt: Die Menschen sind mehrheitlich barfuß unterwegs – in einem Land, das kaum richtige Straßen und Wege hat, ganzjährig bei Wind und Wetter. Deshalb hatte Dr. Stracke es neben den gewaltbedingten Verwundungen vor allem mit Abszessen zu tun, die sich die Einwohner an ihren äußeren Extremitäten einhandeln.

2008 begannen die „Ärzte ohne Grenzen” erst, sich mit Papua-Neuguinea zu beschäftigen. Ein verfallenes Krankenhaus in Tari wurde von der Organisation wieder aufgebaut. Teams von Fachleuten sorgen für Wasser, Abwasserentsorgung, das Dach über dem Kopf und die Hygiene. Angegliedert ist der Station in Tari neuerdings auch ein Familien unterstützender Dienst, den eine Psychologin leitet – wegen der innerfamiliären Gewalt, die vor allem Frauen und Kinder trifft: „Die tun mir am meisten leid.” Das war schon in Darfur so, wo Dr. Stracke selbst oft in brenzlige Situationen geriet, oder im nicht weniger krisenhaften Liberia. Dort war Dieter Stracke an einer Frauen- und Kinderklinik eingesetzt. Der Einsatz in Jaffna in Sri Lanka verlief hingegen vergleichsweise frei von persönlichen Bedrohungen, auch wenn die damalige Kriegsfront nur 15 bis 20 Kilometer entfernt war. Gleichwohl gilt: In einem stets unruhigen Umfeld sichern sich die Mediziner durch strikte Neutralität ab.

Nächster Einsatz in Haiti kann folgen

Gerade zurückgekehrt aus Papua-Neuguinea hat Dr. Stracke schon wieder ein Anruf aus Berlin erreicht, wo die deutsche Sektion der „Ärzte ohne Grenzen” ihren Sitz hat: Er wurde gefragt, ob er in Haiti helfen kann. So könnte passieren, dass Dieter Stracke bald die Koffer packen muss – obwohl er gerade erst wieder in den Kreis der großen Familie zurückgekehrt ist. Sie vermisst ihn jedes Mal aufs Neue, wenn er im Dienst der Menschlichkeit rund um die Uhr an den Operationstischen der medizinisch unversorgten Teile der Welt steht. Aber auch diesem Ruf wird Dieter Stracke wieder folgen

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