Das aktuelle Wetter NRW 22°C
Meldungen

Unters Volk gelaufen

23.05.2008 | 17:17 Uhr

LEICHTATHLETIK. Mitarbeiterin Charis Landis schnürte in Schwafheim die Laufschuhe. Ein Teilnehmer nahm lieber das Auto.

Los geht's: Von der Euphorie am Start lässt man sich schnell mitreißen - bis die Puste ausgeht. (Foto: Friedhelm Hinze)DIE ERGEBNISSE AUF EINEN BLICK

Auf die Plätze, fertig, los! Jürgen Timpf, Vorsitzender des TV Schwafheim, drückt die Pistole ab, der Startschuss fällt. Mitgerissen von mehreren hundert Laufbegeisterten, die den Zehn-Kilometer-Volkslauf des TV Schwafheim bewältigen wollen, spurte ich los. Der Ehrgeiz hat mich gepackt. Im Herbst möchte ich an einem Halbmarathon teilnehmen - weshalb ich mir vorgenommen habe, die Strecke durch die Schwafheimer Felder in 55 Minuten zu laufen.Anja Laub, eine Lauffreundin, spornt mich auf dem ersten Kilometer an. Mit ihrem Tempo kann ich aber nicht mithalten. Anjas Rat, mein eigenes Tempo zu laufen, habe ich in der Euphorie des Starts völlig vergessen. So muss ich nach den ersten zwei Kilometern feststellen, dass ich mich übernommen habe. Nicht nur die flottesten Langstreckenläufer überholen mich, sondern auch Lauftreffsenioren ziehen an mir vorbei.

Frustriert passiere ich das Ortsschild Holderberg und bemerke plötzlich, dass nur noch zwitschernde Vögel und Bäume mich anfeuern. Ob ich mich verirrt habe... Nein, alles wird gut: Etwa 1000 m vor mir erblicke ich einige Mitstreiter. Bin ich etwa die Letzte? Weit ab vom Schuss sehe ich noch einige hundert Läufer hinter mir, das spornt mich nach der Hälfte der Strecke erneut an. Ich schalte einen Gang hoch und erkenne schon die Streckenposten an der 6000-Meter-Marke. Sie verteilen nasse Schwämme und Wasser.Erfrischt und motiviert durch das Anfeuern der Helfer laufe ich locker weiter. Wind bläst mir ins Gesicht. Diese Frische kann ich gut gebrauchen. Der 21,1 Kilometer lange Halbmarathon schlängelt sich auch durch die niederrheinischen Felder. Abzweigungen erweitern die Strecke der Langstreckenläufer. Das erklärt auch, wieso mich einige Läufer mehrere Male überholen. An der 8000-Meter-Marke warten wieder freundliche Streckenposten mit Erfrischungen.

Auf der Strecke und an der Anlage des TV Schwafheim engagieren sich heute etwa 45 ehrenamtliche Helfer aus den Abteilungen Tennis, Handball und Turnen. Ganz entspannt gehe ich die letzten zwei Kilometer an, der Geruch von frisch gemähtem Heu liegt mir in der Nase. Auf den letzten Metern spornen mich die Zuschauer mit rhythmischem Klatschen und mit Jubelrufen an. Ich entscheide mich für einen Endspurt. Kurz vor mir läuft der letzte Walker ins Ziel ein und - mit einem knallroten Kopf und völlig durchgeschwitzt - erreiche auch ich das Ziel. Mit einer Stunde Laufzeit habe ich mein persönliches Ziel leider nicht erreicht.Merkwürdiger Weise trudelt bereits zwei Minuten nach mir der erste Halbmarathonläufer ins Ziel. Moment mal, den habe ich doch schon mal gesehen... Auf den letzten 1000 Metern hatte ich ihn an einem Auto gesehen. Dort heftete er sich eine Startnummer an die Brust. Auch die Veranstalter wunderten sich über seine Rekordzeit und entlarvten ihn als Betrüger.

Insgesamt sind beim 34. Schwafheimer Volkslauf 574 Läufer und Walker an den Start gegangen - das ist ein neuer Rekord. Am stärksten besetzt waren der Halbmarathon mit 115 Läufern und der Zehn-Kilometer-Lauf mit 139 Teilnehmern.Die Siegerehrung nahmen Bürgermeister Norbert Ballhaus und seine Vertreterin Erika Scholten vor. Aber nicht nur das: Das politische Team gab sich im Anschluss noch auf dem Tennisplatz die Ehre - gegen die Zweite Bundesligamannschaft Herren 30 des TV Schwafheim.Schnellster Halbmarathon-Läufer war Volker Dorn (Jahrgang 1962; Ruhrorter TV) - 1:15,55 Stunden. Platz zwei ging an Michael Clessges (ASV LT-Kemperdick, 01:17:26), Platz drei an Roland Baumm (SC Bayer-Uerdingen, 01:21:55).

Als ältester Marathonläufer kam Theo Laakmann (Jahrgang 1935, TuS Rheinberg) nach 1:49:08 ins Ziel. Mit 1:56:55 brauchte der Schwafheimer Senior Rodmar Köpfer (Jahrgang 1937) nur etwas länger.

Schnellste Läuferin war Sabine Casimir (AS Neukirchen-Vluyn; 1:35:59), dicht gefolgt von Vorjahres-Siegerin Juliane Blondin (SC Bayer-Uerdingen; 01:36:42).

Beim Zehn-Kilometer-Lauf hatte diesmal Valentin Quack (ATG Aachen) mit einer Zeit von 34:39 Minuten vor Burkhard Nöh (Moerser TV, 00:36:24) die Nase vorn. Bei den Damen machten Sabrina Krämer (00:40:48) und Katrin Lörcks (00:43:06) das Rennen.

CHARIS LANDIS

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1672882/create

Umfrage
Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

Der Eurovision Song Contest rückt näher - wer ist Ihr Favorit für den ESC-Sieg?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Dirt: Showdown
Bildgalerie
Fotostrecke
Mario Tennis Open
Bildgalerie
Fotostrecke
Bilder zu "Awesomenauts"
Bildgalerie
Fotostrecke
Max Payne 3
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Was das Satire-Orakel dem MSV Duisburg prophezeit
MSV-Satire
Der MSV Duisburg hat sicher schon ruhigere Zeiten erlebt. Am Abend spielen die Zebras gegen Greuther Fürth. Wohin führt der Weg des Fußball-Zweitligisten? Was das Satire-Orakel dem MSV so alles prophezeit.
Greulich gibt Antworten auf Fragen zu Tiger & Turtle
Bezirksvertretung
!5 Punkte umfasst ein Fragenkatalog, den die Fraktionen von SPD und Grüne sowie Mirze Edis für die Linken nun als Tischvorlage bei der letzten Sitzung der Bezirksvertretung vorgelegt haben. Obwohl druckfrisch auf dem Tisch, stimmten CDU und Dr. Horst Wegner (FDP) der Aufnahme auf die Tagesordnung...
Foto Video 8 Kommentare 8