Unsaubere Katze und Grasmilben
10.12.2008 | 11:32 Uhr 2008-12-10T11:32:00+0100
Essen. Es ist Sprechstunde. Und die beiden Tierärzte Dr. Gmeiner und Dr. Höptner geben Antworten auf Ihre Fragen. In dieser Woche geht es unter anderem um eine unreine Katze und Grasmilbenbefall.
Frage: Wir haben eine zugelaufene Katze "adoptiert". Sie hat sich prima eingelebt - bis auf die Sache mit der Katzentoilette. Eigentlich ist sie stubenrein, aber leider nur zu 90 Prozent. Sie hat zwei Teppiche im Bad und im Wohnzimmer auserkoren, auf denen rücksichtslos das große Geschäft erledigt wird. Nach der Reinigung ist alles in Ordnung. Aber wir hängen an unseren Möbeln. Wir schimpfen immer, wenn wir sie erwischen, und sie weiss wohl auch, dass das nicht in Ordnung ist. Trotzdem passiert es immer wieder. Was will uns die Katze damit sagen - und wie können wir ihr die Ferkelei abgewöhnen? Ihr Klo ist immer sauber, auch am Streu scheints nicht zu liegen.
Helmut Gmeiner ist Fachtierarzt für kleintiere. Er studierte Tiermedizin an der LMU München. 1991 erhielt er seine Approbation als Tierarzt.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind "Orthopädische Chirurgie" und "Augenheilkunde".
Antwort: Ihre Katze ist tatsächlich nicht zuverlässig stubenrein und aufgrund der Tatsache, dass sie Ihnen zugelaufen ist, können Sie auch nichts über ihre früheren Gewohnheiten hinsichtlich Sauberkeit wissen. Strafen für Unsauberkeit ist von Ihrer Perspektive aus zu verstehen, aber leider nicht für Ihre Katze. Sie kann mit der Strafe nichts anfangen, wird Sie schlimmstenfalls missverstehen und Ihnen in Zukunft misstrauen. Ich würde die Teppiche grundreinigen und versuchen, den Ammoniakgeruch mit medizinischen Alkohol oder Febreeze zu neutralisieren. Für die nächsten Wochen sollten die Teppiche mit Folie, Pappe oder Knistermaterial belegt werden, um die Teppiche für die Katze vorübergehend unzugänglich zu machen. Ihre Katze benötigt ab sofort eine zusätzliche Katzentoilette. Die Toilette sollte immer zugänglich, offen und dauerhaft beibehalten werden. Es gilt die Regel: Eine offene Katzentoilette pro Katze und eine zusätzliche, offene Katzentoilette. Es ist tatsächlich erwiesen, das Katzen für ihr Wohlbefinden immer eine zusätzliche Katzentoilette benötigen.
Frage: Wir haben seit vier Monaten einen dreijährigen Schäferhund-Mix aus dem Tierheim, der unter Grasmilben leidet. Von unserem Tierarzt bekommt er dagegen Spritzen und beim letzten Besuch auch ein Mittel in das Nackenfell. Leider nutzt das alles nicht viel. Er knabbert immer an seinen Pfoten und kratzt sich seine Schnauze. Vielleicht können Sie uns mit ein paar Tipps weiterhelfen ?
Antwort: Trombidiose ist ein Befall mit Milben der Familie Trombiculae (Grasmilben, Herbstgrasmilben ) Prinzipiell finden alle Mittel Anwendung, welche auch zur Zeckenbekämpfung eingesetzt werden . Geeignet sind sogenannte "spot on" Präparate - möglichst mit Repellenz-Wirkung - in erster Linie zur Prophylaxe ( Exspot, Preventic, Advantix und Stronghold). Zur direkten Abtötung der parasitierenden Larven eignet sich lokal anzuwendender 70 %-iger Alkohol , Sprays wie z. B. Ektoderm Spray (Pyrethrumextrakt und Neemöl als Wirktoff) und Shampoos . Wir haben gute Erfahrungen mit Selvet -Shampoo gemacht. Speziell bei ihrem Schäferhund - Mix sollte eine Allergisierung durch die Milben in Betracht gezogen und dementsprechend behandelt werden.
Frage: Ich habe zwei Mischlingsrüden im Januar 7 Jahre alt. Ich habe nur mit einem das Problem des regelmäßigen „Schlittenfahrens“ worauf dann in Kürze der Besuch beim Tierarzt anfällt. Die Analdrüsen werden dann manuell entleert. Warum ist das so bei dem einen Hund, bei dem anderen nicht? Da ein weitere Rüde aus dem Wurf das Problem auch hat. Und was gibt es für Therapien? Denn nach dem Tierarztbesuch habe ich ein bis zwei Wochen Schonfrist und die Schlittenfahrt beginnt erneut.
Antwort: Das Symptom von Schlittenfahren ist ein Anzeichen von einer Reizung im Bereich des Schließmuskels...häufig kann man zusätzliches sich Belecken, Beißen an der Schwanzwurzel oder am Anus beobachten. Andere Beschwerden können Verhaltensveränderungen, Schmerzen oder Druckempfindlichkeit oder..... Schwanzfangen....beinhalten. Auch treten immer wieder übel riechender perianaler Ausfluß oder Hautentzündungen an anderen Körperteilen auf. Hierbei handelt es sich um eine Analbeutelinfektion. Man spricht nicht von Analdrüsen sondern von Analbeutel. Die Analbeutelerkrankungen umfasssen Infektionen, Verstopfungen, Abszessbildungen und Neoplasien. Die Analbeutel sind zwei Hautanhangsgebilde die zwischen den Fasern des Schließmuskels liegen. Sie dienen als Reservoir für ein übel riechendes, pastenartiges Sekret, das während des normalen Kotabsatzes oder auch bei extremer Aufregung über die Ausführungsgänge entleert wird. Dafür ist jedoch ein kräftiges Zusammenziehen des Schließmuskels erforderlich. Analbeutelentzündungen können bis zu 10 % von allen Hunden betreffen und entstehen in der Regel durch Entzündungen und Verstopfungen der Ausführungsgänge. Hält die Entzündung oder die Verstopfung an, könen sich chronische Fisteln ausbilden . Die therapeutische Behandlung hängt vom Stadium der Erkrankung ab.Die meisten Analbeutelerkrankungen können konservativ durch Spülung der Analbeutel, Antibiotikagabe und Futterumstellung beherrscht werden. Bei chronischen Analbeutelentzündungen kann man auch auf Basis eines Antibiogramms orale Antibiotika zur Therapie herbeiziehen. Falls eine medikamentöse Therapie auf Dauer versagen sollte, ist eine Analbeutelentfernung zu empfehlen.
Christoph Höptner studierte Tiermedizin an der Università Degli Studio Milano. Seine Approbation als Tierarzt erhielt er im Mai 1995.
Seine Arbeitsschwerpunkte sind die "Kardiologische Diagnostik" - einschließlich Farbdopplersonographie - und die "abdominale Chirurgie".
Frage: Einer meiner Kater ist erst vor einigen Wochen operiert worden, da er an einem Fibrosarkom leidet. Dr. Höptner hat uns nur wenig Hoffnung gemacht, dass eine tatsächliche Heilung nach einer OP eintreten würde. Jetzt ist es tatsächlich so, dass sich neben der OP-Narbe bereits wieder ein großes Sarkom gebildet hat. Ich würde gerne wissen, was man nun beachten sollte. Ich will nicht dass das Tier leidet. Aber wann ist der passende Moment? Noch verhält er sich ganz normal. Fressen, spielen, treteln alles im grünen Bereich. Wie würde sich eine Veränderung bemerkbar machen. Dann würden wir ihn nämlich erlösen. Daran denken darf ich nicht!
Antwort: Heilungen sind nach Fibrosarkomoperationen nur im Anfangsstadium möglich. Im Anschluß an solch eine Operation wird meistens zu einer chemotherapeutischen Weiterbehandlung geraten. Auch dies führt in der Regel nicht zu einer vollständigen Heilung sondern nur zu einer Verlängerung der Lebenszeit. Objektiv gesehen leidet ein Tier, wenn es nicht mehr frißt und wenn es deutlich wesenverändert für den Besitzer ist. Jedoch denke ich, daß der Tierhalter so viele kleine sensible Antennen zu seiner Katze hat, daß er mit viel Bauchgefühl und innerer Liebe zu seinem Tier sehr viel eher feststellen kann, wenn es diesem nicht mehr gut geht und ein Loslassen von diesem einfach nur noch eine Erlösung für die Katze bedeuten würde.
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