Süßstoff kann abführend wirken
24.08.2010 | 08:31 Uhr 2010-08-24T08:31:00+0200
Bonn.Wer ein paar Pfunde verlieren will, muss entweder mehr Sport machen oder weniger Kalorien zu sich nehmen. Immer mehr Menschen ersetzen Zucker dann mit Süßstoff. Doch zu viel der künstlichen Süße kann Durchfall auslösen.
Viele Menschen mit Figurproblemen greifen zu Light-Produkten, in der Hoffnung durch den darin enthaltenen Zuckerersatz Kalorien einzusparen. Doch kann man so wirklich abnehmen? Sind Süßstoffe überhaupt sinnvoll? Diese Frage konnten selbst Ernährungswissenschaftler noch nicht abschließend klären. Während die Deutsche Gesellschaft für Ernährung einen Süßstoff vor allem bei Erfrischungsgetränken für sinnvoll erachtet, um im Rahmen einer Diät Kalorien einzusparen, hält es beispielsweise der Ernährungspsychologe Thomas Ellrott von der Universität Göttingen für besser, in Maßen natürlich zu süßen, da künstliche Süßstoffe den Stoffwechsel verwirren könnten. Bei manchen Personen führe dies sogar zu Heißhungerattacken und Essanfällen.
„Wenn man Gewicht halten oder reduzieren möchte, dann macht Süßstoff vor allem bei Limonaden und Erfrischungsgetränken Sinn, weil man hier viel Energie einsparen kann“, erklärt Antje Gahl, Sprecherin der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Bei einem halben Liter seien das bis zu 300 Kilokalorien. Bei Joghurts mit Süßstoff falle die Einsparung allerdings geringer aus.
Kalorienreduzierte Lino nicht als Durstlöscher nutzen
Einen Freibrief, literweise kalorienreduzierte Limonade zu trinken, gebe die DGE jedoch nicht - es gehe um den Konsum in Maßen: „Als Durstlöscher ist noch immer Mineralwasser am besten“, stellt Gahl fest. Süßstoffe sollten außerdem nicht zusätzlich zu Zucker verwendet werden.
Wichtig ist laut Gahl die richtige Dosierung: Nimmt man zu viel zu sich, könne Süßstoff stark abführend wirken. Der sogenannte ADI-Wert gibt an, wie viel Milligramm eines Süßstoffes problemlos pro Kilogramm Körpergewicht täglich aufgenommen werden können. So dürfen es beispielsweise beim Süßstoff Cyclamat nach Angaben der DGE bis zu sieben Milligramm pro Kilo Körpergewicht sein, bei Saccharin sind es bis zu fünf. Ein 80-Kilo-Mann beispielsweise erreicht die Maximaldosis Aspartam, wenn er täglich etwa fünf Liter einer mit diesem Süßstoff versetzten Limonade trinkt. Von einem Cyclamat-haltigen Erfrischungsgetränk dürfte er 1,4 Liter und einer Limo mit Saccharin fünf Liter täglich zu sich nehmen.
Honig ist nicht besser als Zucker
Generell sei für eine gesunde Ernährung durchaus der moderate Konsum von Zucker ratsam - in Form von normalem Haushaltszucker oder Honig, sagt Antje Gahl. Die Weltgesundheitsorganisation WHO sieht den täglichen Zuckerbedarf - abgesehen vom natürlichen Zuckergehalt in Lebensmitteln - bei zehn Prozent des Energiebedarfs: bei Frauen etwa 50 Gramm, bei Männern 62,5 Gramm. Die Wahl zwischen Honig und Zucker sei dann eher eine Geschmacksfrage, erläutert Gahl, denn Honig sei unter dem Strich nicht besser als Zucker. Die geringen Anteile an Enzymen oder Mineralstoffen im Honig seien ernährungsphysiologisch zu vernachlässigen. Sich die Lust nach Süßem abzutrainieren, sei kaum möglich, weil das Verlangen danach angeboren sei: „Irgendwann bekommt man Lust nach Süßem und dann ist es besser, ihr in gewisser Weise nachzugeben - aber begrenzt und bewusst“, rät die Ernährungsexpertin.
Wie genau sich Süßstoffe auf das Essverhalten beim Menschen auswirken, ist ein Streitpunkt unter Wissenschaftlern. „Süßstoffe werden in der Tiermast eingesetzt, damit die Tiere mehr fressen und schneller zunehmen“, berichtet der Göttinger Mediziner und Ernährungspsychologe Thomas Ellrott. Wie Süßstoffe beim Menschen wirken, sei nicht hinreichend bekannt.
Verwirrung, die zu Essanfällen führt
Klar sei, dass Süßstoffe den Geschmack des Energieträgers Zucker imitierten, ohne selbst nennenswerte Energie zu liefern. „Ab der Geburt lernen wir, dass der süße Geschmack zuckerhaltiger Lebensmittel mit einem nachfolgenden Einstrom von Energie in Form von Traubenzucker in das Blut verkoppelt ist“, erklärt der Mediziner. Damit diese Energie aus dem Blut in jede einzelne Körperzelle gelangen kann, produziere die Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin. So sei der Anstieg des Blutzucker- und Insulinspiegels nach dem Verzehr von Kohlenhydraten - zu denen auch Zucker gehört - für eine Sättigung verantwortlich.
Wird der Körper - ohne dass wir es wissen - mit Süßstoff versorgt statt mit Zucker, wird ebenfalls Insulin ausgeschüttet. Da aber nach dem Süßstoffverzehr keine relevante Traubenzuckeraufnahme vom Darm ins Blut erfolge, sinke der Blutzuckerspiegel sogar unter den Ausgangswert ab, erklärt Ellrott: „Das kann zu noch stärkerem Hunger führen oder sogar regelrechte Essanfälle auslösen.“ Das Problem: Der Körper habe sich durch das geschmackliche Süß-Signal bereits auf eine Energiebereitstellung vorbereitet, die aber durch Süßstoffe nicht erfolge. „Süßstoffe verwirren sozusagen die gelernte Koppelung aus Süßgeschmack und nachfolgender Energiebereitstellung“, erklärt er.
Viele Süßstoffverwender sind übergewichtig
Aber nicht alle Menschen reagierten so auf Süßstoff, schränkt der Ernährungspsychologe ein. Das Ausmaß der geschilderten Wirkung unterscheide sich von Mensch zu Mensch. Bei manchen setze der geschilderte Mechanismus nicht ein, wenn sie wüssten, dass sie Süßstoff zu sich nehmen. Der Körper erwarte dann keinen Energiestrom, der Anstieg des Insulinspiegels sei laut Ellrott geringer. Damit sinke der Blutzuckerspiegel weniger stark.
Die Frage, ob der Einsatz von künstlichem Süßstoff Sinn mache, sei schwierig zu beantworten, meint Ellrott. Untersuchungen aus den USA zeigten, dass Süßstoffverwender im Schnitt übergewichtiger seien als Personen, die keine Süßstoffe benutzen. Doch könne man daraus nicht den Schluss ziehen, dass Süßstoff zu Übergewicht führe, weil Übergewichtige ihn verwendeten: „Es kann sein, dass Übergewichtige aufgrund ihres Übergewichts zu Süßstoffen greifen.“ Möglicherweise könne man in der Zukunft Personen identifizieren, die vom Einsatz von Süßstoffen profitierten, und solche, bei denen Süßstoffe gegenteilige Effekte haben. Ein generelles Fazit „Dank Süßstoff nimmt man ab“ lässt sich also nicht ziehen. (ddp)

07:19
@ Clueso
Fakt und bewiesen ist aber das wir seit dem die Lebensmittelhersteller immer mehr Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe in unser Nahrung panschen. Die Fettleibigkeit der Gesellschaft vermehrt.
02:10
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01:30
Immer noch Sommerloch???
Gut`s Nächt`le und gute Verdauung @ ALL! ;))
01:15
Deshalb steht wahrscheinlich auch auf den Packungen Kann bei übermäßigem Genuß abführend wirken.
22:22
Nicht Süßstoffe können ab einer gewissen Menge abführend wirken, sondern Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Xylit. Das ist nicht das selbe wie Süßstoffe.
19:50
Süßstoff, Ersatzstoffe, Hilfsmittel .... (?!)
Wie wärs denn einfach mit am Riemen reißen und der guten alten FDH-Methode ?
Wohl zu schwierig für die meisten ...
17:00
@2
Der Motorbär (#1) weis das aus dem vorstehenden Bericht und plappert nach. Ich nehme seit 40 Jahren Süßstoff und trinke nur Lightgetränke und fühle mich wohl.
12:22
@soso:
den Vorgang, den du schilderst, ist bisher nicht eindeutig bewiesen. Es gibt ebensoviele Studien, die keinen Zusammenhang zwischen Insulinspiegel und Süßstoff nachweisen können.
Guck mal hier: http://www.bfr.bund.de/cm/208/bewertung_von_suessstoffen.pdf
Oder google mal nach Blundell/Hill-Hypothese.
09:51
@Rosi:
Sie futtern mehr, weil der Süßstoff den Insulinspiegel beeinflusst. Dieser steig an, sorgt für eine Senkung des Blutzuckerspiegels (der Körper denkt ja er hätte Zucker bekommen). Da der Blutzuckerspiegel nun zu niedrig ist bekommt der Mensch Hunger. So läuft das. Mit dem Geschmack hat das nicht viel zu tun.
09:06
.... na klar, sie futtern mehr, weils süss schmeckt. Genauso könnte man Zucker als Mastmittel einsetzen, dann würden sie auch mehr fressen.
Ausserdem sind sich nicht mal die Wissenschaftler einig, woher willst Du das dann wissen!