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Gottesdienst für Schwule...

Suche nach Leben und Hoffnung

13.08.2009 | 20:58 Uhr
Suche nach Leben und Hoffnung

Schwul und in der Kirche? Ein schwieriges Feld, gerade im Siegerland. Die homosexuelle Gemeinschaft geht dennoch neue Wege: Sie lädt für den heutigen Freitagabend um 18 Uhr erstmals zu einem ökumenischen Gottesdienst ein.

Trotz oder auch gerade wegen der vielen Vorbehalte, die Schwulen und Lesben noch immer entgegenschlagen.

Beim CSD-Gottesdienst in der Martini-Kirche werden auch Harvey und Micha dabei sein. Micha (34) war seit Kindertagen in die katholische Gemeinschaft eingebunden. „Wir bekamen einen neuen Pfarrer, der im Dorf die Jugendarbeit aufgebaut hat.” Der junge Messdiener war sofort Feuer und Flamme, engagierte sich, belegte bei der CAJ einen Jugendleiterkurs. Soweit, so gut: Alles war prima, bis Micha nach einigen Jahren seine schwule Seite entdeckte. Auf dem Land eine Katastrophe. Der Jugendliche suchte eine Vertrauensperson, wandte sich an seinen Pfarrer. Doch statt Verständnis bekam er den Weg zur Tür gewiesen. Er persönlich habe ja kein Problem damit, ABER... „Und mit der Jugendarbeit lässt sich das nicht vereinbaren”, bekam Micha vom Pfarrer zu hören. Das Umfeld erfuhr den wahren Grund für Michas Ausscheiden aus der Jugendarbeit nicht: „Für die anderen war ich halt aus dem Alter herausgewachsen. Das war am Einfachsten zu erklären”, berichtet der damals 19-Jährige. „Damals hatte ich nicht viel Ahnung von Diskriminierung.”

Das hinterließ Spuren: „Ich würde mich heute als nicht gläubig bezeichnen.” Klar gehe er noch ab und an in die Kirche. An Feiertagen, wenn er seine Mutter im Dorf besucht. Sie war sich sicher, dass „das” eh nur eine Phase sei. „Sowas wie ein Fetisch, den man sich aussucht”, erklärt Micha. Er ist heute mit sich im Reinen, akzeptiert seine Homosexualität. Für viele Siegerländer ist das aber „nicht normal”: Nicht wenige haben sogar Frau und Kinder und leben dennoch ihre „andere Seite” aus – durch anonyme Seitensprünge mit Männern.

»Auch Homosexuelle haben Anspruch auf seelsorgerische Begleitung«

Für Harvey (42) sind Michas Erlebnisse kein Einzelfall. „Es ist schrecklich, was die Kirche ihren Mitgliedern antut. Das hat doch nichts mit Menschlichkeit und Nächstenliebe zu tun.” Harvey ist natürlich nicht sein richtiger, sondern sein Spitzname. „Ich arbeite für die Kirche und möchte keinen Ärger bekommen.” Dennoch hat er sich, wie andere schwule Christen beider Konfessionen, in die Vorbereitung des Gottesdienstes eingebracht. Geleitet wird dieser von der Frauenbeauftragten des Kirchenkreises, Pfarrerin Silke Panthöfer, sowie dem Klafelder Pfarrer Frank Boes.

Die katholische Seite – obwohl angefragt – nimmt offiziell nicht an dem ökumenischen Gottesdienst teil. Sehr zum Bedauern von Boes. Doch auch er hat sich erst bei seinem Presbyterium rückversichert – es gab allerdings keine Probleme. „Aber es gibt ja nicht nur Befürworter im Siegerland”, drückt sich der evangelische Pfarrer diplomatisch aus. „Für mich ist das ein Zielgruppen-Gottesdienst wie jeder andere auch. Schließlich haben auch Homosexuelle Anspruch auf seelsorgerische Begleitung.” Passend zum Motto „Wir sind auf dem Weg” haben die Pfarrer die Texte ausgesucht. Gepredigt wird aus der Emmaus-Geschichte – über Jünger auf der Suche nach Leben und Hoffnung.

„Das Thema Schwule und Kirche wird ja sehr kontrovers diskutiert. Aber je selbstverständlicher wir damit umgehen, desto weniger Wirbel gibt es”, glaubt Boes. Für Harvey eigentlich eine Selbstverständlichkeit. „In meinem Religionsverständnis steht der Mensch im Mittelpunkt und nicht dessen Sexualität”, betont der 42-Jährige. „Gott schaut den Menschen ins Herz.” Daher bedauert er es, dass die katholische Kirche nicht mitmacht. „Für sie ist das Ganze zu politisch. Und die Anerkennung ist ja nicht gewünscht. Sie kann nicht über ihren Schatten springen.”

Alexander Völkel

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