St. Vinzenz bewegt die Altenaer

200 Schafe und ein Wolf mit Bischofsmütze liefen dem über 2000-köpfigen Demonstrationszug durch die Altenaer Innenstadt vorweg. Zum dritten Male demonstrierten die Altenaer für den Erhalt des Altenaer Krankenhauses.
200 Schafe und ein Wolf mit Bischofsmütze liefen dem über 2000-köpfigen Demonstrationszug durch die Altenaer Innenstadt vorweg. Zum dritten Male demonstrierten die Altenaer für den Erhalt des Altenaer Krankenhauses.
Foto: Christof Hüls

Altena.. Kaum eine Nachricht hat in diesem Jahr so viele Altenaer bewegt wie die Ankündigung, das St.-Vinzenz-Krankenhauses würde zum 31. Dezember geschlossen. Diese Hiobsbotschaft ist zwar von gestern. Doch viele Fragen bleiben - auch unter neuer Führung.

Die Chronologie zwischen Schrecken, Protesten und Hoffen:

Seit Jahren operierten Geschäftsführer und Träger, die katholische Kirche, an dem Kostenapparat im Vinzenz-Krankenhaus. Sinkende Einwohnerzahlen lassen die Zahl der Patienten schrumpfen. Fixkosten laufen weiter, egal ob 1000 oder 1500 Patienten behandelt werden. Doch die Krankenkassen zahlen nur noch eine feste „Fallpauschale“ pro Patient. 600 Euro liegen angeblich zwischen den Durchschnittskosten pro Patient und dem, was das Haus von den Kassen bekommt. Das Damoklesschwert in Form des erwarteten Defizits wiegt 1,9 Millionen Euro.

Jens Linderhaus, ein gebürtiger Altenaer, wird im Januar offiziell in sein Amt als Chefarzt der Inneren Abteilung eingeführt.

Im Hintergrund fallen die Entscheidungen längst nicht mehr in Altena, sondern beim Bistum in Essen und bei den Cellitinnen in Köln. Die drei Monate vor dem Jahreswechsel eingesetzte neue Geschäftsführerin Bettina Schmidt lässt die Intensivstation umziehen. Die bisherige Einrichtung sei überdimensioniert. Bis auf die frühere Schleuse biete auch die neue Station alle nötigen Einrichtungen, beruhigt Geschäftsführerin Bettina Schmidt.

Ein Schrei des Entsetzens geht im Juni durch die Stadt: Es wird bekannt, dass Bettina Schmidt von einer Schließung des Krankenhauses zum 31. Dezember spricht. Stattdessen wollen die Cellitinnen ein Pflegeheim XXL installieren.

Tausende Altenaer werden in den nächsten Monaten auf die Straße gehen, um für „ihr“ Krankenhaus zu streiten. Am WR-Redaktionsmobil äußern sich die Chefärzte und kritisieren, nicht eingebunden worden zu sein in die Überlegungen. Jens Linderhaus gibt unmissverständlich zu verstehen: Für ein Pflegeheim stehe er nicht zur Verfügung.

Der Förderverein des Vinzenz-Krankenhauses startet eine Kampagne „Rettet das Altenaer Krankenhaus“. Dazu gehören Transparente, Kundgebungen, Mail-Aktionen. Der Pfarrer der Katholischen Kirchengemeinde Altena und Vorsitzende des Vinzenz-Aufsichtsrates, Ulrich Schmalenbach, zieht den Zorn auch in der eigenen Gemeinde auf sich. Bürgermeister Hollstein nagelt den Weihbischof auf frühere Versprechen fest und beharrt darauf: Das ist nicht das „katholische Krankenhaus“, sondern das ist das Krankenhaus aller Altenaer Bürger.

Auch der Weihbischof kann die Wogen bei seinem Besuch nicht glätten.

Mitte Juli nimmt das Blatt eine überraschende Wende: Ohne die Gründe zu nennen, kündigt die Katholische Kirche den Geschäftsführungsvertrag mit den Cellitinnen. Bettina Schmidt wird abgezogen und wird sich später auch von den Cellitinnen trennen. An ihrer Stelle gewinnt die Kirche einen pensionierten Krankenhaus-Experten aus Olpe: Franz-Jörg Rentemeister (66) übernimmt.

Er schafft tatsächlich wieder so etwas wie ein Wir-Gefühl im Haus an der Bornstraße. Und er bekommt den Auftrag von der Katholischen Kirche, nach einem neuen Träger zu suchen.